Offizielle Illustration von RO Wallet. Die Projektseite weist darauf hin, dass sie nicht die endgültige App-Oberfläche zeigt.
Rumänien bereitet RO Wallet vor, eine digitale Identitätsbrieftasche für das Smartphone. Darin sollen unter anderem der Personalausweis und der Führerschein gespeichert und bei Bedarf vorgezeigt werden können. Das Innenministerium hat einen schrittweisen Start ab Januar 2027 angekündigt. Der erste Zugang ist für Inhaber des elektronischen Personalausweises vorgesehen; Besitzer des klassischen Ausweises sollen später über eine persönliche Identitätsprüfung hinzukommen.
Für Autofahrer ist dieser Unterschied entscheidend. Der Start der Anwendung bedeutet nicht, dass jeder rumänische Fahrer ab Januar automatisch ohne den physischen Führerschein auskommt. Für die erste Stufe werden ein elektronischer Ausweis, ein NFC-fähiges Smartphone und die PIN des Ausweises benötigt. Die zweite Stufe ist für das dritte Quartal 2027 geplant und soll eine persönliche Prüfung für die klassischen Ausweise ermöglichen.
Eine überprüfbare digitale Bescheinigung
Die offizielle RO-Wallet-Website beschreibt eine kostenlose Smartphone-App, die einmal eingerichtet und anschließend mit Dokumenten aus offiziellen Quellen verbunden wird. Genannt werden der Ausweis, der Führerschein, Diplome, Zertifikate und weitere Nachweise. Das Konzept ist deshalb nicht mit einem Foto des Führerscheins in der Bildergalerie gleichzusetzen. Die digitale Bescheinigung soll von einer zuständigen Stelle stammen und im vorgesehenen System überprüfbar sein.
RO Wallet ist die rumänische Ausprägung der europäischen digitalen Identitätsbrieftasche. Das Innenministerium verweist auf die Verordnung (EU) 2024/1183, die den eIDAS-Rahmen ergänzt und gemeinsame Anforderungen für die Mitgliedstaaten festlegt. Nach Angaben der offiziellen Website sollen digitale Dokumente dieselbe rechtliche Anerkennung wie Papierdokumente besitzen und in der Europäischen Union anerkannt werden können.
Die rechtliche Anerkennung ist aber nicht gleichbedeutend mit einer sofortigen technischen Verfügbarkeit bei jeder Behörde. Jede Institution, jedes Unternehmen und jeder Kontrollpunkt muss über eine passende Verifizierung verfügen. Deshalb können physische Dokumente während der Übergangszeit weiterhin notwendig sein. Das Ministerium beschreibt die Verwendung von RO Wallet außerdem als freiwillig; niemand soll gezwungen sein, die physische Brieftasche sofort zu ersetzen.
Der Zeitplan des Projekts
In seiner Mitteilung vom 6. Oktober 2026 nennt das Innenministerium mehrere Entwicklungsstufen. Am 31. Oktober soll eine Sandbox für Partner bereitstehen, die ihre Integrationen testen. Die erste öffentliche Phase ab Januar 2027 richtet sich an Besitzer des elektronischen Ausweises und nutzt den NFC-Chip sowie die Karten-PIN. Die zweite Phase im dritten Quartal 2027 soll klassische Ausweise über eine persönliche Identitätsprüfung aufnehmen.
Ein Beitrag der institutionellen Zeitschrift Revista Pentru Patrie nennt zusätzlich eine Beta-Version am 22. Dezember 2026 und den offiziellen Start am 14. Januar 2027. Der offizielle Starttermin darf dabei nicht mit einem vollständigen Zugang für alle Bürger verwechselt werden. Ausweistyp, Smartphone-Kompatibilität und die abschließenden Anweisungen spielen weiterhin eine Rolle.
Die App ist noch nicht als gewöhnlicher öffentlicher Download verfügbar. Auf der RO-Wallet-Website steht, dass sie zum offiziellen Start in den App-Stores veröffentlicht werden soll. Die Abbildung in diesem Artikel ist eine Projektillustration und bestätigt weder das endgültige Design noch alle späteren Anwendungsfälle.
Der Führerschein gehört zu den wichtigsten Wünschen
Das Innenministerium veröffentlichte die Ergebnisse einer landesweiten Befragung vom 13. bis 27. September 2026 mit 3.065 vollständigen Antworten. 94 Prozent der Befragten nannten den Führerschein als gewünschtes Dokument in der digitalen Brieftasche. Der Personalausweis lag bei 96 Prozent, die Gesundheitskarte bei 92 Prozent.
Verkehrskontrollen wurden von 89 Prozent als gewünschter Anwendungsfall genannt. Weitere Bereiche waren öffentliche Behörden mit 84 Prozent, Arzt oder Apotheke mit 79 Prozent sowie Banken mit 78 Prozent. Eine Nutzung im Ausland oder an der Grenze nannten 92 Prozent.
Diese Werte beschreiben die Erwartungen der Bevölkerung, nicht eine Garantie für jede konkrete Kontrolle am ersten Tag. Ein digitaler Führerschein muss die Identität des Fahrers und die Gültigkeit seiner Fahrerlaubnis bestätigen. Ein Screenshot bietet nicht dieselbe Sicherheit wie eine offizielle, überprüfbare digitale Bescheinigung.
Datensparsamkeit und verlorene Smartphones
RO Wallet soll eine selektive Weitergabe von Daten ermöglichen. Der Nutzer entscheidet, welche Informationen an wen und zu welchem Zweck übertragen werden. Die Projektseite beschreibt Beispiele, bei denen eine bestimmte Voraussetzung bestätigt werden kann, ohne sämtliche Angaben des Ausweises offenzulegen. Welche Daten jeweils erforderlich sind, hängt vom konkreten Dienst ab.
Die Befragung zeigt, wie wichtig diese Kontrolle ist. 84 Prozent wünschen eine Übersicht über die Weitergaben, 80 Prozent bevorzugen die Entsperrung per Fingerabdruck oder PIN, und 77 Prozent wollen die genauen Daten sowie den Empfänger auswählen. Das Projekt stellt diese Funktionen als Teil der Transparenz und des Datenschutzes dar.
In den offiziellen FAQ wird der Zugriff durch PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung geschützt. Bei einem verlorenen Smartphone muss der Nutzer den Verlust melden, damit die Brieftasche deaktiviert werden kann. Die Dokumente auf dem Gerät verlieren ihre Gültigkeit, bis sie auf einem neuen Smartphone erneut bezogen werden. RO Wallet ist damit kein unabhängiges Dokumentenfoto, sondern Teil eines kontrollierten Identitätssystems.
Für Autofahrer kann die digitale Brieftasche künftig den Alltag vereinfachen. Der erste praktische Vorteil ist jedoch vor allem für Menschen mit elektronischem Ausweis und NFC-fähigem Smartphone vorgesehen. Besitzer klassischer Ausweise müssen die spätere Phase abwarten. Bis die jeweiligen Behörden und Dienste die digitale Prüfung ausdrücklich bestätigen, sollten Führerschein und Ausweis weiterhin physisch mitgeführt werden.



