Der Mercedes-Benz GLC 400 4MATIC mit Elektroantrieb gehört zu den überzeugendsten Premium-Elektroautos, die ich bisher gefahren bin. Er beschleunigt sehr schnell, bleibt dabei entspannt, fährt komfortabel und bietet eine Reichweite, mit der lange Strecken ohne besondere Vorbereitung möglich werden. Der Testwagen kostete allerdings fast 90.000 Euro. Damit verändert sich der Maßstab: Nicht nur Reichweite und Leistung müssen stimmen, sondern auch jedes Material und jede Komfortfunktion.
Der GLC 400 nutzt zwei Elektromotoren und leistet 360 kW, also ungefähr 489 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 800 Nm. Die nutzbare Batteriekapazität liegt bei etwa 94 kWh. Die 800-Volt-Architektur erlaubt eine DC-Ladeleistung von bis zu 330 kW. Mercedes nennt bis zu 715 km WLTP-Reichweite, abhängig von Rädern und Ausstattung.
Preise und offizielle Daten
In Deutschland beginnt der Listenpreis laut Mercedes-Benz bei 71.281 Euro. Frankreich startet mit 71.900 Euro, Italien mit 72.588 Euro für den GLC 400 4MATIC Advanced. In Spanien nennt die offizielle Finanzierungsseite ein Beispiel mit 595 Euro monatlich und 22.786 Euro Anzahlung. Diese Angaben beschreiben die jeweiligen Märkte und nicht den Preis des getesteten, umfangreich ausgestatteten Fahrzeugs.
Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert offiziell 4,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Wechselstromladen ist mit 11 kW serienmäßig möglich und kann mit der passenden Option 22 kW erreichen. Für das Laden von 10 auf 80 Prozent nennt Mercedes ungefähr 22 Minuten unter idealen Bedingungen. Das sind Herstellerwerte, keine Messungen von Carboratory.
Komfort statt Showeffekt
Die Leistung ist jederzeit abrufbar, aber Mercedes macht sie nicht zum Mittelpunkt der Fahrerfahrung. Das Ansprechverhalten bleibt linear und gut kontrollierbar. Überholen gelingt ohne Aufwand, die Beschleunigung auf der Autobahn ist sofort da und es bleibt immer Reserve. Trotzdem wirkt der GLC nicht wie ein Elektro-Sportwagen, der bei jeder Gelegenheit seine Beschleunigung vorführen möchte.
Die Luftfederung ist die wichtigste Option des Testwagens. Sie filtert kurze Unebenheiten, Querfugen und beschädigte Fahrbahnen sehr gut. Gleichzeitig kontrolliert sie die Karosserie ausreichend, sodass der schwere Akku nicht zu einer schwammigen Abstimmung führt. Ein Porsche Macan Electric lenkt direkter und vermittelt mehr Rückmeldung. Der Mercedes konzentriert sich auf Ruhe und lange Strecken.

Reichweite und Laden im Alltag
Die maximale WLTP-Reichweite von 715 km gilt nicht für jede Ausführung. Reifen, Felgen, Temperatur, Geschwindigkeit und Sonderausstattung haben Einfluss. Mercedes-Benz Rumänien nennt für den GLC 400 beispielsweise 673 km. Solche Unterschiede entstehen durch die jeweilige Homologation und Konfiguration.
Entscheidend ist daher die Kombination aus Batterie, Verbrauch und Ladeleistung. Mercedes spricht von bis zu 303 km WLTP-Reichweite, die unter den angegebenen Bedingungen in zehn Minuten nachgeladen werden können. Dafür braucht es eine passende Schnellladesäule und eine korrekt temperierte Batterie. 330 kW ist ein Maximalwert, keine Garantie an jeder Säule.
Für den Fahrer passt die Ladezeit trotzdem besser zum normalen Reiseablauf. Nach mehreren Stunden auf der Autobahn sind Essen, Kaffee oder eine kurze Pause ohnehin sinnvoll. Wenn das Auto dabei mehrere hundert Kilometer Reichweite zurückgewinnt, wird die Elektro-SUV auf langen Strecken deutlich unkomplizierter.
Bildschirm, Materialien und fehlende Ausstattung
Der große Bildschirm über die gesamte Breite des Armaturenbretts erzeugt beim Einsteigen sofort einen starken Eindruck. Die Darstellung ist scharf, MBUX reagiert schnell und die Ambientebeleuchtung gibt dem Innenraum eine moderne Atmosphäre. Mercedes integriert die Anzeige besser als Hersteller, die lediglich ein Tablet auf das Armaturenbrett setzen.
Die Frage ist, ob die physische Qualität überall zum Preis passt. Einige Oberflächen wirken solide, aber nicht außergewöhnlich. Bei einem Fahrzeug nahe 90.000 Euro erwartet man, dass jeder Schalter und jedes Material den hohen Preis erklärt.
Der Testwagen hatte kein Head-up-Display. Das ist besonders schwer zu verstehen, weil Mercedes die digitale Ausstattung so stark betont. Ein HUD bringt Geschwindigkeit und Navigation in das Blickfeld des Fahrers und ist im Alltag nützlicher als ein Teil der großen Beifahreranzeige. Auch separate Klimabedienelemente für die hinteren Plätze fehlten. Für einen großen Familien-SUV ist das eine überraschende Einsparung.

Konkurrenz und Urteil
Der BMW iX3 legt mehr Gewicht auf Effizienz, Reichweite und Fahrereinbindung. Der Audi Q6 e-tron wirkt im Innenraum konventioneller. Der Porsche Macan Electric fährt sportlicher und präziser. Das Tesla Model Y ist deutlich günstiger und bei Effizienz und Ladeinfrastruktur sehr stark, erreicht aber nicht dieselbe Ruhe und Fahrwerksqualität.
Der Mercedes passt deshalb zu Käufern, die häufig lange Strecken fahren, Passagiere mitnehmen und Komfort höher bewerten als sportliche Rückmeldung. Für das beste Verhältnis von Ausstattung und Preis gibt es schwierigere Argumente. Die technische Basis ist sehr überzeugend, doch der Aufpreis wird erst dann sinnvoll, wenn die Unterschiede bei Ruhe, Federung und Materialqualität im Alltag wichtig sind.
Der elektrische Mercedes-Benz GLC 400 4MATIC ist ein reifes Elektroauto. Reichweite und Ladeleistung reichen für die meisten Reisen, die Leistung ist mehr als ausreichend und die Luftfederung passt sehr gut zum Charakter. Der Preis bleibt der entscheidende Vorbehalt. Wenn der Wagen fast 90.000 Euro kostet, fallen das fehlende Head-up-Display, die hinteren Klimabedienungen und die nicht überall herausragenden Materialien stärker auf.




