Alfa Romeo stellt die Idee infrage, dass ein modernes Auto in der Mitte des Armaturenbretts einen immer größeren Bildschirm braucht. Das auf dem Pariser Autosalon 2026 vorgestellte Konzept Cuorerosso behält digitale Technik bei, macht sie aber weniger dominant. Der zentrale Bildschirm kann verschwinden, wenn er nicht benötigt wird, während physische Bedienelemente für wichtige Funktionen erreichbar bleiben.

Innenraum des Alfa Romeo Cuorerosso

Offizieller Innenraum des Alfa-Romeo-Konzepts Cuorerosso. Bild: Alfa Romeo/Stellantis Media.

Eine Designaussage, kein Serienauto

Stellantis bezeichnet Cuorerosso als Konzept und Manifest für die nächste Designrichtung von Alfa Romeo. Es handelt sich nicht um ein bestätigtes Serienmodell, und die gezeigte Technik ist keine endgültige Ausstattungsliste für ein künftiges Auto. Auf der offiziellen Alfa-Romeo-Seite heißt es, dass die Designsprache „Bellezza Necessaria“ ab 2028 neue Modelle der Marke prägen soll. Welches Serienmodell welche Cuorerosso-Lösung erhält, wird jedoch nicht genannt.

Das Grundprinzip ist einfach: Jede Linie und jede Oberfläche soll einen Zweck haben. Im Innenraum führt das zu weniger dauerhaft sichtbaren Elementen und zu einer klareren Trennung zwischen Informationen, die ständig benötigt werden, und Funktionen, die nur bei Bedarf erscheinen. Alejandro Mesonero-Romanos, Alfa Romeos Designchef, sagte dem Magazin Autocar, die Branche befinde sich in einem „Wettlauf um Zentimeter“ bei der Bildschirmgröße. Die Marke wolle Bildschirme dort entfernen, wo sie keinen echten Nutzen bieten.

Das bedeutet nicht, dass Alfa Romeo ein vollständig bildschirmloses Cockpit plant. Cuorerosso nutzt weiterhin digitale Anzeigen. Der Unterschied liegt in ihrer Integration: Sie sitzen in einem beweglichen Instrumententräger und in einer Mittelkonsole, die ihre Oberfläche verbergen kann, statt ständig wie ein großes Tablet sichtbar zu sein.

Magma Display verbindet digitale und physische Bedienung

Das Zentrum des Konzepts ist das Magma Display. Alfa Romeo beschreibt es als „phygitale“ Konsole, die digitale Flächen mit physischen Bedienelementen verbindet. Im Ruhezustand soll die Konsole sauber wirken, ohne sichtbaren Bildschirm und ohne eine Ansammlung von Schaltern. Wenn der Fahrer eine Funktion benötigt, erscheint das entsprechende Bedienelement dort, wo die Hand es erwartet, und verschwindet anschließend wieder.

Die offizielle Beschreibung nennt eine digitale Touchfläche, einen Drehregler, einen Fahrmodus-Wahlschalter und Kippschalter. Es geht also nicht um eine vollständige Rückkehr zum analogen Armaturenbrett. Alfa Romeo möchte vielmehr jeder Funktion die passende Bedienung geben: Touch für flexible Informationen, physische Bewegungen für Bedienelemente, die ohne die Suche in einem Menü gefunden werden müssen.

Auch diese Lösung wirft eine praktische Frage auf. Eine versteckte Schnittstelle kann den Innenraum ruhiger machen, muss dafür aber schnell erscheinen, verständlich sein und eine klare Rückmeldung geben. Ein Konzept kann den Mechanismus zeigen; erst ein Serienfahrzeug wird beweisen, ob er im Verkehr, bei Nacht oder mit Handschuhen funktioniert. Für das Magma Display gibt es noch keinen veröffentlichten Produktionszeitplan.

Das Cannocchiale passt sich dem Fahrmodus an

Hinter dem Lenkrad sitzt das Cannocchiale Vivente, eine bewegliche Interpretation des klassischen Alfa-Romeo-Instrumententrägers. Im Modus „Cruising“ öffnen sich die beiden runden Elemente und bilden zwei Bildschirme. Im Modus „Focused“ falten sie sich zu einem einzigen Cannocchiale zusammen. Dadurch soll das Sichtfeld auf die Informationen reduziert werden, die Alfa Romeo beim konzentrierten Fahren für relevant hält.

Das System soll den Charakter des Innenraums verändern und nicht nur einen weiteren Bildschirm hinzufügen. Bei normaler Fahrt steht die größere Darstellung zur Verfügung. Wenn der Blick auf Straße und Fahrzeugreaktionen konzentriert ist, wird die Oberfläche kompakter. Die Bildschirme verschwinden nicht, aber das Konzept zeigt nicht alles gleichzeitig.

Zum Innenraum gehört außerdem das Lenkrad Con-tatto, das mit einem Steer-by-Wire-Konzept verbunden ist. Wie beim Cannocchiale und beim Magma Display handelt es sich um eine Technologie aus einer Designstudie. Alfa Romeo hat weder ein konkretes Serienmodell noch die endgültige Hardware oder Benutzeroberfläche bestätigt.

Was kommt in künftige Alfa-Romeo-Modelle?

Alfa Romeo erklärt, dass die neue Designsprache ab 2028 die künftige Modellpalette beeinflussen soll. Daniele Chiari, Alfa Romeos Produktchef, sagte außerdem gegenüber Autoblog, dass ein Teil der Cuorerosso-Technik in ein Serienfahrzeug gelangen werde. Das Interview nennt weder ein Modell noch einen Termin für die einzelnen Innenraumlösungen. Der weitere Weg bleibt deshalb offen.

Die Richtung ist trotzdem bemerkenswert. Viele neue Autos nutzen die Bildschirmgröße heute als sichtbares Zeichen für technische Modernität. Alfa Romeo versucht, sich mit der gegenteiligen Botschaft abzuheben: Technik soll den Fahrer unterstützen, aber nicht zur wichtigsten Dekoration des Innenraums werden. Für eine Marke, die Fahrfreude als Teil ihrer Identität versteht, könnten ein kompaktes Instrumentendisplay und greifbare Bedienelemente so prägend werden wie der Scudetto oder das Lenkrad.

Cuorerosso ist zudem ein großes Konzeptfahrzeug: Es ist 4,70 Meter lang, 1,98 Meter breit und hat einen Radstand von 2,93 Metern. Alfa Romeo präsentiert es als Multi-Energie-Vision. Die offizielle Konzeptseite nennt einen rund 565 PS starken V6-Biturbo in Verbindung mit Lithium-Ionen-Batterien mit ungefähr 350 kW sowie Luftfederung und Carbon-Keramik-Bremsen. Diese Werte gehören zum Konzept und sind keine bestätigten Daten eines künftigen Serienmodells.

Der Alltag wird der entscheidende Test

Für Fahrer verspricht die Idee weniger visuelle Unruhe und einen direkteren Zugriff auf wichtige Funktionen. Für Alfa Romeo besteht die Herausforderung darin, die Vernetzung zu erhalten, ohne den Innenraum in eine Sammlung von Menüs zu verwandeln. Entscheidend werden Details sein: Wie schnell erscheint eine Funktion? Wie eindeutig ist die physische Rückmeldung? Kann der Fahrer sie bedienen, ohne den Blick von der Straße zu nehmen?

Cuorerosso liefert eine schlüssige Antwort auf den Trend zu riesigen Bildschirmen. Die Anzeigen verschwinden nicht, aber sie bilden nicht mehr dauerhaft den Hintergrund des Armaturenbretts. Ob das Konzept im Alltag überzeugt, lässt sich erst beurteilen, wenn Alfa Romeo es an Produktionskosten, Sicherheitsvorschriften, Haltbarkeit und Kundenwünsche anpassen muss. Für den Moment zeigt die Studie klar, dass die Marke ein ruhigeres Cockpit und Technik möchte, die sich zurücknimmt, wenn sie nicht gebraucht wird.

Quellen