Audi plant sein erstes eigenes Automobilwerk in den Vereinigten Staaten. Der Standort soll am Middle Georgia Megasite im Peach County des Bundesstaats Georgia entstehen. Audi will rund 4 Milliarden US-Dollar investieren, etwa 4.500 Arbeitsplätze schaffen und das Werk für eine Jahreskapazität von bis zu 200.000 Fahrzeugen auslegen.

Bestätigt ist bislang nur die Fahrzeugkategorie. Audi spricht von Premium-SUVs für nordamerikanische Kunden, nennt aber keine Baureihen, Motoren, Batterien, Preise oder Exportmärkte. Berichte über einzelne Modelle der Q-Familie sind deshalb nicht als endgültige Produktionsentscheidung zu verstehen, solange Audi keinen konkreten Modellplan veröffentlicht hat.

Ein neuer Standort in Middle Georgia

Das Middle Georgia Megasite liegt im Peach County nahe Fort Valley und dem Interstate-75-Korridor. Das Projekt wird vom Bundesstaat sowie von Peach, Houston und Macon-Bibb County über die Mid-Georgia Gateway Joint Development Authority unterstützt.

Audi verweist auf die verfügbare Fläche, qualifizierte Arbeitskräfte, ein bestehendes Netz von Automobilzulieferern und die logistische Anbindung. Nach Angaben des Gouverneursbüros sind die Häfen Savannah und Brunswick per Bahn in weniger als fünf Stunden erreichbar. Der internationale Flughafen Hartsfield-Jackson Atlanta liegt etwa 90 Autominuten entfernt.

Diese Standortvorteile beantworten noch nicht die Frage, wie Audi seine Lieferkette aufbauen wird. Das Unternehmen hat keine Partner für Batterien, Motoren, Elektronik, Karosserieteile oder Transporte genannt. Auch ist offen, ob das Werk ausschließlich den US-Markt oder weitere Länder in Nordamerika beliefern soll.

Das Werk wird auf einem bisher nicht als Audi-Produktionsstandort genutzten Gelände neu gebaut. Gerd Walker, bei Audi für Produktion und Logistik verantwortlich, erklärt, dass ein Greenfield-Projekt die Planung effizienter und flexibler Abläufe von Beginn an ermöglicht. Konkrete Angaben zu Energiebedarf, Wasserverbrauch, Automatisierung oder Emissionszielen liegen noch nicht vor.

Der Zeitplan

Audi nennt 2027 als geplanten Beginn der Bauarbeiten und den Beginn der 2030er-Jahre als Zeitraum für den Produktionsstart. Die staatliche Ankündigung in Georgia unterscheidet die Schritte genauer: Die Geländevorbereitung soll 2027 beginnen, der Bau der Gebäude 2028 und die vollständige Produktion 2031.

Die Vorbereitung des Grundstücks ist nicht mit dem Start der Fahrzeugmontage gleichzusetzen. Nach dem Hochbau müssen Anlagen installiert, Prozesse getestet, Beschäftigte geschult und die Fertigung schrittweise hochgefahren werden. Audi hat noch kein Datum für das erste Fahrzeug und keinen Produktionswert für die Anlaufphase genannt.

Georgia Quick Start soll gemeinsam mit Audi Schulungen entwickeln. Zusätzlich soll das Technical College System of Georgia bei der Ausbildung künftiger Beschäftigter eingebunden werden. Die Zahl der Ausbildungsplätze, die Gehaltsstrukturen und der konkrete Einstellungsplan sind noch nicht veröffentlicht. Die 4.500 Stellen sind eine Projektschätzung, keine bereits besetzten Arbeitsplätze.

Welche Fahrzeuge kommen in Betracht?

Audi bestätigt Premium-SUVs für Nordamerika. Nicht bekannt ist, ob das Werk Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, Hybridantrieb, Elektroantrieb oder mehrere Antriebsarten bauen wird.

Die genannte Kapazität von 200.000 Fahrzeugen pro Jahr ist eine Auslegungsgröße. Sie bedeutet weder, dass diese Menge sofort erreicht wird, noch dass Audi jedes Jahr genau so viele Fahrzeuge verkaufen wird. Die tatsächliche Auslastung hängt von Nachfrage, Lieferverträgen, Zulassungen und den Entscheidungen des Volkswagen-Konzerns ab.

Audi will das Werk flexibel auf Veränderungen im Markt ausrichten. Das ist ein Ziel für die Planung und keine vollständige technische Beschreibung. Noch offen sind die Zahl der Produktionslinien, die verwendeten Plattformen und die Möglichkeit, verschiedene Antriebskonzepte auf denselben Anlagen zu fertigen.

Für Europa gibt es ebenfalls keine Bestätigung. Audi hat nicht erklärt, ob die in Georgia gebauten SUV in der Europäischen Union verkauft werden. Auch Angaben zu Varianten, Homologation, Transport, Ausstattung und Garantie fehlen.

Audi will sein US-Geschäft ausbauen

Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der AUDI AG, sagt, Audi habe in den Vereinigten Staaten größere Ziele und könne sein Potenzial dort bisher nicht vollständig nutzen. Eine lokale Produktionsbasis soll laut Audi die Nähe zu Kunden erhöhen und das US-Geschäft wettbewerbsfähiger machen.

Audi nennt außerdem eine geringere Abhängigkeit von Handels- und Währungsrisiken als Grund für den Ausbau in Nordamerika. Eine konkrete Ersparnis oder eine geplante Preisänderung nennt das Unternehmen nicht. Lokale Fertigung kann Transport- und Handelskosten beeinflussen, doch der Endpreis hängt auch von Bauteilen, Ausstattung, Steuern und Vertrieb ab.

Nordamerika soll neben Europa und China zu einer dritten Säule des globalen Produktionsnetzes werden. Audi betont gleichzeitig, dass Deutschland und Europa das industrielle Rückgrat bleiben. Das Werk in Georgia ist damit als Ergänzung der bestehenden Standorte gedacht, nicht als Ersatz für europäische Fabriken.

Georgia ist bereits ein wichtiger Produktionsstandort des Hyundai Motor Group Metaplant America nahe Savannah. Dieses Werk gehört zu einem anderen Projekt und liegt an einem anderen Standort. Sein Beispiel erklärt den industriellen Rahmen des Bundesstaats, liefert aber keine technischen Daten für Audis geplante Fabrik.

Was noch offen ist

Audi hat weder die Modelle noch die Zulieferer, den Antriebsmix, die Gebäudefläche, die Schichtmodelle oder den Energieplan bekannt gegeben. Ebenso wenig ist aufgeschlüsselt, ob die rund 4 Milliarden US-Dollar nur das Werk oder auch Infrastruktur und Ausbildung umfassen.

Fest steht der Plan für einen Audi-Standort im Peach County mit rund 4 Milliarden US-Dollar Investition, ungefähr 4.500 Arbeitsplätzen und einer theoretischen Kapazität von bis zu 200.000 Fahrzeugen pro Jahr. Die Produktion soll 2031 beginnen und Premium-SUVs für Nordamerika umfassen. Für konkrete Modelle und eine mögliche Belieferung Europas sind weitere offizielle Informationen nötig.

Foto: Audi. Offizielles Bild aus der Unternehmensmitteilung; zu sehen ist Gernot Döllner, nicht das geplante Werk in Georgia.

Quellen