Bild: Tesla / Tesla Investor Relations, Ausschnitt aus dem offiziellen Bericht zur Roadster-Präsentation.
Benedetto Vigna, Vorstandsvorsitzender von Ferrari, hat den neuen Tesla Roadster mit jeweils 10 von 10 Punkten für Technik und Präsentation bewertet. Seine Aussage fiel in einem Interview bei Quattroruote Next, bei dem es um Innovation und sichtbare Risiken in einer reifen Automobilindustrie ging. Der Kommentar ist bemerkenswert, weil Ferrari selbst sein erstes vollständig elektrisches Serienmodell entwickelt. Er ist jedoch keine unabhängige technische Bestätigung des Tesla-Projekts.
Was Vigna gelobt hat
Der Ferrari-Chef würdigte Teslas Entscheidung, eine ungewöhnliche Lösung öffentlich zu zeigen. Nach seiner Einschätzung gibt es im Automobilbau weiterhin Platz für neue Ideen. Er dankte Elon Musk dafür, demonstriert zu haben, dass auch eine als alt geltende Industrie noch mutig sein und weiter träumen kann.
Die doppelte Bestnote stammt nicht aus einer Testfahrt. Vigna bestätigte weder die von Tesla genannten Beschleunigungswerte noch Reichweite oder Höchstgeschwindigkeit. Auch den angekündigten Produktionszeitpunkt erklärte er nicht zur Garantie. Seine Bewertung bezog sich auf die gezeigte Technologie und auf die Art, wie Tesla das Ereignis inszeniert hat.
Vignas beruflicher Hintergrund gibt der Aussage zusätzlichen Kontext. Ferrari berief ihn 2021 zum CEO, nachdem er bei STMicroelectronics an Bewegungssensoren und weiteren Elektroniklösungen gearbeitet hatte. Heute verantwortet er unter anderem Ferraris Weg zur Elektrifizierung und das Projekt Luce, das erste vollständig elektrische Fahrzeug der Marke. Seine positive Reaktion ist trotzdem kein offizieller Vergleich zwischen Luce und Roadster.
Die Präsentation in Texas
Ein offizielles Dokument von Tesla bestätigt, dass die nächste Roadster-Generation am 15. Oktober 2026 vorgestellt wurde. Die Veranstaltung fand auf einem SpaceX-Testgelände in McGregor nahe Waco, Texas, statt. Tesla zeigte ein mehrstufiges Ansaugsystem, das über eine Abdichtung unter dem Fahrzeug zusätzlichen Abtrieb erzeugen soll, sowie Kaltgastriebwerke für die als Rocket bezeichnete Ausführung.
Auf der offiziellen Roadster-Seite unterscheidet Tesla mehrere Konfigurationen. Das reservierbare Modell wird als zweisitziger Elektro-Sportwagen mit aktiver Aerodynamik und einem mehrstufigen Ansaugsystem beschrieben. Die Thrust-Ausführung ist als limitierte Version aufgeführt. Rocket ist für eine extreme Demonstration gedacht; Tesla weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Variante nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen ist.
Die Unterscheidung ist bei der Bewertung der Bilder wichtig. Ein Fahrzeug, das während einer kontrollierten Vorführung kurz abhebt, ist nicht automatisch ein Fahrzeug, das ein Kunde auf einer europäischen Autobahn nutzen darf. Tesla erklärt selbst, dass bestimmte Funktionen zu einer optionalen Erweiterung gehören und nicht in allen Regionen verfügbar sein müssen.
Herstellerdaten und offene Fragen
Tesla nennt für den Roadster 1,9 Sekunden von 0 auf 60 mph, mehr als 250 mph Höchstgeschwindigkeit und 620 Meilen Reichweite. Umgerechnet entsprechen diese Angaben ungefähr 0–97 km/h in 1,9 Sekunden, mehr als 402 km/h und rund 998 km Reichweite. Es handelt sich um Herstellerangaben und nicht um unabhängige Testergebnisse.
Für europäische Kunden fehlen weiterhin mehrere praktische Informationen. Tesla hat in den geprüften offiziellen Unterlagen weder den endgültigen Preis noch alle homologierten Varianten, den Verbrauch nach einem europäischen Testverfahren oder einen belastbaren Lieferplan festgelegt. Auch Angaben zu Fahrzeuggewicht, Batteriegröße, Thermomanagement und Reichweite im Alltag sind noch nicht vollständig öffentlich.
Das Produktionsziel für 2028 sollte deshalb als angekündigte Absicht bezeichnet werden. Über den Roadster wurde schon vor Jahren gesprochen. Der Abstand zwischen einer Präsentation, einem Vorserienfahrzeug und einem tatsächlich ausgelieferten Kundenauto bleibt ein wesentlicher Teil der Geschichte. Vignas Lob beseitigt diese Unsicherheit nicht.
Die Verbindung zu Ferraris Elektrostrategie
Im selben Gespräch erläuterte Vigna, weshalb externe Perspektiven bei neuen Projekten helfen können. Menschen außerhalb eines Unternehmens stellen manchmal Fragen, die ein internes Team nach Jahren gemeinsamer Arbeit nicht mehr stellt. Ferrari arbeitete beim Projekt Luce mit LoveFrom, dem von Jony Ive gegründeten Designstudio, zusammen.
Der Vergleich mit Tesla betrifft also die Arbeitsweise, nicht die technischen Bauteile. Tesla präsentierte einen Elektro-Sportwagen mit ungewöhnlichen Funktionen in einer bewusst spektakulären Show. Ferrari entwickelt ein Elektrofahrzeug, das zugleich zu den Erwartungen an die Marke passen soll. In beiden Fällen müssen auf die Aufmerksamkeit konkrete Produktionsdaten, Zulassung, Wartung und Auslieferung folgen.
Ein Kompliment, keine Garantie
Benedetto Vignas Aussage ist vor allem ein Lob für Teslas Ambition und Präsentation. Sie bestätigt nicht, dass der Roadster alle genannten Leistungswerte erreichen wird, dass die Rocket-Version für normale Käufer verfügbar sein wird oder dass das Jahr 2028 als Liefertermin feststeht.
Eine belastbare Bewertung wird erst mit endgültigen technischen Daten, Preisen, regulatorischen Informationen, Produktionszahlen und wiederholbaren Messungen möglich. Bis dahin bleibt die Bestnote des Ferrari-Chefs sein Urteil über eine technologische Demonstration und deren öffentliche Kommunikation.
Auch die Bezeichnungen der drei Stufen sollten in Berichten getrennt bleiben. Das reservierbare Modell ist als zweisitziger Roadster für den Straßenbetrieb beschrieben. Thrust wird als limitierte, leistungsorientierte Ausführung mit zusätzlichen Kaltgastriebwerken bezeichnet. Rocket geht noch weiter und ist laut Tesla nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Ein Teil der spektakulären Vorführung gehört damit nicht zur normalen Ausstattung eines späteren Kundenfahrzeugs. Für die europäische Zulassung wären außerdem konkrete Angaben zu Sicherheitsausrüstung, Beleuchtung, Reifen, Fahrwerk und den zulässigen Assistenzsystemen erforderlich. Diese Informationen liegen in den geprüften Unterlagen noch nicht vollständig vor.



