HWA hat einen Teaser für sein nächstes Straßenfahrzeug veröffentlicht. Die Proportionen erinnern an die Mercedes-Benz-Baureihe W124. Das Unternehmen hat jedoch weder den Namen AMG Hammer noch Motor, Leistung, Preis, Stückzahl oder Vorstellungstermin bestätigt. Der Hammer ist die naheliegendste Interpretation des Bildes, aber noch keine offizielle Bezeichnung des Projekts.
Was der Teaser tatsächlich zeigt
Das Bild ist bewusst dunkel gehalten. Zu erkennen sind eine Seitenlinie, ein Teil des Dachs, einige Leuchtelemente und der Bereich eines Heckspoilers. Diese Hinweise passen zu einem W124, lassen aber weder Karosserieform noch Abmessungen sicher erkennen. Möglich wären eine Limousine, ein Coupé oder ein neues Fahrzeug, das nur die Proportionen eines klassischen Mercedes übernimmt.
HWA schreibt zum Bild, dass die Firma nach dem HWA EVO ein weiteres Kapitel ihrer technischen Geschichte aufgreift. Eine bekannte Idee soll mit moderner Technik eine neue Form erhalten. Der Text nennt den Hammer nicht und bestätigt weder einen V8 noch Carbon-Karosserie, Kleinserie oder einen Termin. Diese Punkte bleiben deshalb Spekulation.
Warum der AMG Hammer vermutet wird
Mercedes-Benz nennt in seiner AMG-Historie den AMG 300 E 5.0–6.0 aus dem Jahr 1986 als „The Hammer“ und spricht von bis zu 385 PS. Mercedes-Benz Media beschreibt außerdem das 300 CE 6.0 aus dem Jahr 1988, ein W124-Coupé mit V8-Motor und Vierventiltechnik.
Der Beiname wurde vor allem in den USA bekannt und wird heute für mehrere AMG-Konfigurationen dieser Zeit verwendet. Deshalb unterscheiden sich historische Leistungsangaben. Mercedes-Benz nennt 360 PS und 510 Nm für einen W124 mit 5,6-Liter-Motor sowie bis zu 385 PS und 566 Nm für das 6,0-Liter-Coupé. Diese Werte gehören zu den historischen Fahrzeugen und sagen nichts Sicheres über das HWA-Projekt aus.
Die Dachlinie und der hintere Bereich des Teasers passen zur Vorstellung eines Hammer, sind aber kein eindeutiger Beweis. Auch eine Neuinterpretation des Mercedes 500 E oder eines anderen AMG-Modells auf W124-Basis könnte ähnlich aussehen.
Das Beispiel HWA EVO
Das erste Straßenfahrzeug der Marke zeigt, wie umfangreich eine solche Neuinterpretation bei HWA ausfallen kann. In einer offiziellen technischen Mitteilung erklärt HWA, dass der EVO auf einem sorgfältig ausgewählten Mercedes-Benz 190E W201 aufbaut. Der Wagen erhält neue Hilfsrahmen, Verstärkungen, spezielle Fahrwerkskomponenten und eigene elektronische Systeme. Die Karosserie besteht aus Carbon, außerdem werden laut HWA rund 75 Prozent des ursprünglichen Fahrzeugs ersetzt.
Der HWA EVO nutzt einen 3,0-Liter-V6 mit zwei Turboladern, ein manuelles Sechsganggetriebe und Hinterradantrieb. Die Produktion ist auf 100 Fahrzeuge begrenzt. HWA nannte einen Preis von 714.000 Euro vor lokalen Steuern. Diese Angaben erklären den Aufwand des EVO, sind aber keine bestätigten Daten des neuen W124-Projekts.
Falls der neue Wagen tatsächlich auf dem W124 basiert, könnte HWA eine vertraute Karosserie mit neuer Struktur, neuen Bremsen, einem neuen Fahrwerk, moderner Elektronik und einem neu gestalteten Innenraum verbinden. Das ist eine Schlussfolgerung aus dem EVO-Programm. Der Teaser bestätigt weder Carbon noch einen modernen AMG-V8 oder eine bestimmte Leistung.
Hammer oder 500 E?
W124 bedeutet nicht automatisch Hammer. Die Baureihe umfasste Limousine, T-Modell und Coupé. Der 500 E war eine weitere wichtige V8-Variante. Außerdem baute AMG Kundenfahrzeuge und stärkere Versionen auf Bestellung. Ein einzelnes dunkles Bild lässt daher mehrere Bezüge zur Mercedes-AMG-Geschichte zu.
Für Sammler ist die Unterscheidung relevant. Ein moderner Hammer würde auf die Zeit von AMG als unabhängigem Tuner, große V8-Motoren und den amerikanischen Spitznamen zurückverweisen. Ein Projekt nach dem Vorbild des 500 E hätte eine andere Geschichte, verbunden mit Mercedes-Benz-Entwicklung und der Fertigung in Zusammenarbeit mit Porsche. HWA hat öffentlich noch keine dieser Varianten ausgewählt.
Die offenen Fragen
HWA hat keinen Vorstellungstermin, keinen Preis, keine Stückzahl, keine Absatzmärkte, keinen Motor, kein Getriebe und keine Leistungsdaten veröffentlicht. Auch zur Homologation gibt es keine Angaben. Vorhersagen über einen Biturbo-V8, eine sehr kleine Serie oder einen Preis oberhalb des EVO sind nicht offiziell bestätigt.
Bestätigt ist nur ein engerer Sachverhalt: HWA entwickelt ein neues Projekt mit Bezug zur Mercedes-AMG-Geschichte, dessen Silhouette offenbar an den W124 erinnert. Der AMG Hammer ist die überzeugendste Vermutung, aber erst HWA kann sie in eine bestätigte Modellbezeichnung verwandeln. Die nächste offizielle Mitteilung muss zeigen, welches historische Fahrzeug gemeint ist und wie viel klassische Mercedes-Technik unter der modernen Konstruktion erhalten bleibt.
Auch die Bezeichnung „Restomod“ wäre bei diesem Projekt mit Vorsicht zu verwenden. HWA beschreibt den EVO als weitgehend neu entwickeltes Fahrzeug und nicht als leichte Überarbeitung eines alten Autos. Beim neuen Projekt wäre deshalb zwischen dem historischen Vorbild und der tatsächlich verwendeten Technik zu unterscheiden. Ein W124-ähnliches Design sagt noch nicht, dass originale Motor-, Fahrwerks- oder Bremskomponenten übernommen werden. Für Käufer und Sammler wären außerdem die Herkunft der Spenderkarosserie, die Ersatzteilversorgung und die Zulassung wichtiger als ein einzelnes Leistungsversprechen. Solche Angaben fehlen bislang vollständig. Auch eine mögliche elektrische Unterstützung oder ein modernes Abgasnachbehandlungssystem wurde von HWA nicht erwähnt und darf nicht vorausgesetzt werden.



