Ein Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse Jean-Pierre Wimille wurde bei der RM-Sotheby’s-Auktion in Zürich am 26. September 2026 für 4.505.000 Schweizer Franken verkauft. Das Ergebnis ist der höchste bislang registrierte Preis für einen Bugatti Veyron bei einer öffentlichen Auktion, gemessen an den nach der Veranstaltung veröffentlichten Ergebnissen und Sammlerauto-Datenbanken.
Das Auto gehört zu den drei Exemplaren, die für das erste Kapitel der Reihe „Les Légendes de Bugatti“ gebaut wurden. Es wurde 2014 ausgeliefert und hatte 3.766 Kilometer zurückgelegt. Der Zuschlag lag rund 61 Prozent über dem oberen Schätzwert von 2,8 Millionen Franken. Entscheidend waren nicht nur der W16-Motor, sondern auch die geringe Stückzahl, die Geschichte von Jean-Pierre Wimille und die dokumentierte Herkunft.
Deutlich über dem Schätzpreis
RM Sotheby’s hatte einen Wert zwischen 2,4 und 2,8 Millionen Schweizer Franken erwartet. Das Ergebnis übertraf die obere Grenze um 1,705 Millionen Franken. Umrechnungen in Euro oder US-Dollar hängen vom Wechselkurs ab; für die Züricher Auktion ist der Betrag in Schweizer Franken die relevante Angabe.
Ein Auktionsergebnis ist kein Neupreis und keine allgemeingültige Bewertung aller Veyron. Bei Sammlerautos spielen Variante, Kilometerstand, Wartung, Haltergeschichte und die Zahl der aktiven Bieter eine große Rolle. Bei diesem Auto kam zur Technik des Grand Sport Vitesse eine klar dokumentierte historische Sonderausführung hinzu.
Nur drei Wimille-Fahrzeuge
Bugatti zeigte das erste Modell der Reihe „Les Légendes de Bugatti“ im August 2013 in Pebble Beach. Die Serie widmet sich Personen und Kapiteln der Markengeschichte; jede Edition wurde auf drei Fahrzeuge begrenzt. Jean-Pierre Wimille war Bugatti-Werksfahrer und gewann die 24 Stunden von Le Mans zweimal für den Hersteller.
Der Sieg von 1937 mit Robert Benoist in einem Bugatti Type 57G Tank bildet das Hauptthema der Edition. 1939 gewann Wimille erneut, diesmal gemeinsam mit Pierre Veyron in einem Type 57C Tank. Bugatti übertrug diese Verbindung in die blaue Lackierung, die vom Rennwagen inspirierte Gestaltung, die Silhouette der Le-Mans-Strecke und Details mit der Unterschrift des Fahrers.
Das versteigerte Fahrzeug ist keine Nachbildung des historischen Rennwagens. Es ist ein serienmäßiger Veyron Grand Sport Vitesse, der im Werk als limitierte Legend-Version ausgestattet wurde. Die Kohlefaserkarosserie kombiniert den Lack „Bleu Wimille“ mit sichtbarem dunkelblauem Carbon. Im Innenraum finden sich zwei Blautöne, Nähte in den französischen Farben, die Signatur von Wimille und Elemente mit dem Logo „Les Légendes de Bugatti“.
Die Technik des Grand Sport Vitesse
Der Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse wird von einem 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern angetrieben. Bugatti nannte eine Leistung von 1.200 PS und ein Drehmoment von 1.500 Nm zwischen 3.000 und 5.000 U/min. Die Werksangabe für 0 bis 100 km/h lautet 2,6 Sekunden.
Mit geöffnetem Dach erreichte der Vitesse bei einem Bugatti-Test im April 2013 eine Geschwindigkeit von 408,84 km/h. Bugatti bezeichnete ihn damals als schnellsten Serien-Roadster. Die Zahl gehört zur Entwicklungsgeschichte und beschreibt nicht die normale Nutzung auf öffentlichen Straßen. Für Sammler ergänzt sie das technische Profil, erklärt den Auktionspreis aber nicht allein.
Das Fahrzeug musste einen großen Motor, vier Turbolader, Allradantrieb und eine offene Karosserie mit dem Komfort eines Straßenautos verbinden. Kühlung, Getriebe und elektronische Steuerung gehören zu der Komplexität, die auch nach dem Kauf bei der Wartung eine Rolle spielt. Die Wimille-Edition übernimmt diese technische Basis und ergänzt sie um eine besonders seltene historische Gestaltung.
Warum die Herkunft den Preis beeinflusst
Bugatti begrenzte die gesamte Veyron-Produktion auf 450 Fahrzeuge. Eine Edition mit drei Exemplaren ist deshalb deutlich seltener als ein gewöhnlicher Veyron, vor allem mit direktem Bezug zu den ersten Le-Mans-Siegen der Marke. Seltenheit allein garantiert jedoch keinen festen Wert. Zeitpunkt der Auktion, Bieter und Unterlagen bleiben ebenfalls entscheidend.
Der Kilometerstand von 3.766 Kilometern hilft bei der Einordnung, ersetzt aber nicht die Prüfung der Wartungshistorie. Ein W16 mit vier Turboladern, komplexen Kühlkreisläufen, anspruchsvollem Getriebe und hydraulischen Systemen braucht Spezialisten. Rechnungen, Serviceeinträge und Arbeiten nach der Auslieferung gehören zur wirtschaftlichen Identität eines Sammlerfahrzeugs.
Der Rekord lässt sich deshalb nicht auf jeden Veyron übertragen. Ein Grand Sport Vitesse ohne Legend-Ausführung, eine andere Karosserie oder eine weniger vollständige Herkunft kann zu einem deutlich anderen Ergebnis führen. Der Verkauf zeigt, welchen Wert die Kombination aus Modell, Geschichte und Zustand erreichen kann, nicht einen einheitlichen Marktpreis für den Veyron.
Ein Ergebnis mit notwendigem Kontext
Der Zuschlag zeigt, dass der Veyron auch mehr als zehn Jahre nach dem Produktionsende im Markt für moderne Sammlerautos gefragt bleibt. Eine einzelne Transaktion reicht jedoch nicht, um einen Jahres- oder Markttrend festzulegen. Für einen Vergleich wären mehrere Verkäufe, eine gemeinsame Währung und eine klare Trennung der Varianten erforderlich.
Bei der Jean-Pierre-Wimille-Version sind vier Punkte besonders konkret: nur drei Fahrzeuge, eine für ihre Zeit extreme Technik, die direkte Verbindung zur Le-Mans-Geschichte und die geringe Laufleistung. Zusammen führten sie zum Rekord. Der W16 ist Teil der Geschichte, aber Herkunft und Seltenheit erklären einen wesentlichen Teil des Preises.



