Dacia will größere Fahrzeuge verkaufen und seine Modellpalette schneller elektrifizieren, ohne die eigene Position als preisbewusste Marke zu verlieren. In einem Gespräch mit Automotive News Europe erläutert Katrin Adt, CEO von Dacia, wie der Renault-Konzern die Marke durch steigende Kosten und zunehmenden Wettbewerb aus China führen will.

Adt steht seit dem 1. September 2025 an der Spitze von Dacia. Sie folgte auf Denis Le Vot. Renault Group verwies bei ihrer Ernennung auf ihre Erfahrung in der Automobilindustrie, unter anderem bei Mercedes-Benz. Das Interview aus dem Jahr 2026 fällt in eine Phase, in der Dacia nicht mehr nur über kleine Modelle wie Sandero und Logan definiert wird. Die Marke sucht zusätzliche Käufer in höheren Fahrzeugklassen, muss dabei aber die eigene Kostenkontrolle bewahren.

Striker bringt Dacia weiter ins C-Segment

Der neue Dacia Striker ist das sichtbarste Beispiel für diese Entwicklung. Der Crossover liegt über den klassischen Kleinwagen der Marke und ergänzt den Bigster, mit dem Dacia im C-Segment angetreten ist. In der offiziellen Vorstellung nennt Dacia einen Einstiegspreis von weniger als 25.000 Euro. Das Fahrzeug soll die erhöhte Sitzposition eines SUV, die Nutzbarkeit eines Kombis und die Effizienz einer Limousine verbinden.

Damit wird Striker nicht als Premiumauto zu einem niedrigen Preis positioniert. Dacia bleibt bei einer begrenzten Komplexität und will Ausstattungen nach ihrem praktischen Nutzen auswählen. Mehr Platz, eine erhöhte Sitzposition und elektrifizierte Antriebe sollen mit einem kontrollierten Preis verbunden werden, ohne jedes Komfortmerkmal in ein teures Optionspaket zu verwandeln.

Der Markt erklärt, warum diese Kombination wichtig ist. Familien und Flotten benötigen häufig mehr Raum als ein Kleinwagen bietet, während viele europäische SUV für manche Käufer zu teuer geworden sind. Der Bigster hat Dacia den Zugang zu dieser Kundengruppe ermöglicht. Der Striker ergänzt das Angebot mit einer dynamischeren Karosserie und einer eigenen Rolle in der Baureihe. Dacia hat nicht angekündigt, Sandero, Logan oder Jogger aufzugeben. Die Strategie besteht darin, zusätzliche Kunden zu gewinnen.

Elektrifizierung muss bezahlbar bleiben

Der Renault-Group-Plan für 2030 sieht vier Elektrofahrzeuge in der Dacia-Palette vor, gegenüber einem Modell heute. Außerdem sollen bis 2030 zwei Drittel der Dacia-Verkäufe elektrifiziert sein. Der Begriff umfasst batterieelektrische und hybride Fahrzeuge. Das Ziel bedeutet daher nicht, dass zwei von drei verkauften Dacia ausschließlich elektrisch fahren werden.

Diese Unterscheidung ist für eine preisorientierte Marke wichtig. Batterie, Leistungselektronik und Ladehardware können den Kaufpreis eines Elektroautos erhöhen. Ein Hybrid kann den Verbrauch senken, ohne dass der Kunde seine Gewohnheiten beim Tanken vollständig ändern muss. Dacia kann deshalb mehrere Lösungen kombinieren: Mildhybrid, Vollhybrid und kompakte Elektroautos, jeweils dort, wo Kosten und Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

Der Spring bleibt der bekannteste elektrische Dacia. Renault Group hat für 2026 einen in Europa gebauten Spring angekündigt und dabei einen Einstiegspreis von 17.900 Euro genannt. Der tatsächliche Preis kann je nach Land, Ausstattung und Förderprogramm abweichen. Der Spring ist vor allem ein Beispiel für die gewünschte Richtung: ein einfaches und vergleichsweise leicht zugängliches Elektroauto, nicht zwingend das Modell mit der größten Batterie oder der längsten Reichweite.

Chinesische Hersteller verändern den Wettbewerb

Im AutoNews-Interview spricht Adt auch über den wachsenden Wettbewerb aus China. Dabei geht es nicht nur um den Preis. Mehrere chinesische Marken kommen mit Elektro- und Hybridfahrzeugen nach Europa, die große Bildschirme, umfangreiche Software und viele Serienausstattungen bieten. Dadurch kann ein europäisches Modell teuer wirken, obwohl seine Produktions- und Zulassungskosten anders aufgebaut sind.

Dacia kann nicht unbegrenzt günstiger werden. Batterien, Zulieferer, Arbeitskosten, Vertrieb und europäische Zulassungsregeln setzen eine praktische Untergrenze. Die Antwort soll deshalb im Gesamtwert liegen: ein kontrollierter Kaufpreis, vernünftige Betriebskosten, einfache Wartung und Technik mit einem nachvollziehbaren Nutzen. Renault Group beschreibt dieses Konzept mit Design-to-Cost sowie einer effizienten Industrie- und Beschaffungsstruktur. Das sind strategische Leitlinien und keine Zusage, dass jedes künftige Dacia-Modell den Preis seines Vorgängers behält.

Für Käufer wird der Striker deshalb nicht allein nach dem Einstiegspreis bewertet. Innenraum, Verbrauch, Garantie, Elektrifizierung und Ausstattung werden mit immer mehr Wettbewerbern verglichen. Der Betrag unter 25.000 Euro bezieht sich auf den Einstieg und nicht auf jede Variante. Preise, Motorisierungen und Lieferzeiten müssen beim Bestellstart im jeweiligen Markt geprüft werden.

Wachstum darf die Marke nicht überfordern

Der Schritt ins C-Segment kann neue Kunden bringen, aber eine größere Palette kann auch die Kosten erhöhen. Dacia muss zeigen, dass Bigster und Striker die Marke nicht von den Käufern entfernen, für die der Einstiegspreis das entscheidende Kriterium ist. Die Elektrifizierung schafft eine weitere Herausforderung: Batterieangebot, Ladeinfrastruktur und nationale Förderungen beeinflussen die tatsächliche Erreichbarkeit elektrischer Modelle.

Die Aussage von Katrin Adt ist daher vor allem ein Plädoyer für Ausgleich. Dacia will wachsen, größere Autos verkaufen und den elektrischen Anteil erhöhen. Gleichzeitig bleiben Preis und Wert die Filter für neue Produkte. Der Striker ist ein konkretes Signal für diese nächste Phase, aber keine Bestätigung dafür, dass alle künftigen Modelle dieselbe Technik, Ausstattung oder Preisposition erhalten werden.

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