Der smart #2 soll die Idee des besonders kleinen Stadtautos in eine neue elektrische Generation übertragen. smart entwickelt einen Zweisitzer mit zwei Türen, Hinterradantrieb und einer eigens dafür ausgelegten Electric Compact Architecture, kurz ECA. Die endgültigen technischen Daten stehen noch nicht fest. Als Ziel nennt die Marke jedoch fast 300 Kilometer Reichweite nach WLTP und eine Gleichstromladung von 10 auf 80 Prozent in weniger als 20 Minuten.

Damit positioniert sich der künftige smart #2 zwischen einem klassischen Stadtfahrzeug und einem modernen Elektroauto für den täglichen Pendelverkehr. Die Renault Twingo E-Tech electric ist ein naheliegender Vergleich, verfolgt aber ein anderes Konzept: Sie bietet vier Türen und fünf Sitzplätze, nutzt eine 27,5-kWh-LFP-Batterie und soll bis zu 263 Kilometer nach WLTP schaffen. Der smart wird voraussichtlich weniger praktisch für Familien, könnte dafür aber seine sehr kleinen Abmessungen und die Wendigkeit der früheren fortwo stärker bewahren.

Ein Zweisitzer für enge Straßen

smart beschreibt den #2 ausdrücklich als geistigen Nachfolger des fortwo. Die Entwicklung konzentriert sich deshalb nicht auf einen verkürzten Fünftürer, sondern auf ein eigenständiges Stadtfahrzeug mit zwei Sitzen. Die Räder stehen weit außen an den Karosserieecken, der Antrieb erfolgt an der Hinterachse. Diese Anordnung soll den verfügbaren Innenraum effizient nutzen und gleichzeitig das Rangieren in engen Straßen und Parkhäusern erleichtern.

Das bisher gezeigte Innenraumkonzept verfügt über eine durchgehende Sitzbank und ein S-förmig gestaltetes Cockpit. Die Gestaltung soll die geringe Außenlänge nicht verstecken, sondern aus ihr einen Vorteil machen. smart nennt für den Prototyp einen Wendekreisdurchmesser von 6,95 Metern zwischen den Bordsteinen. Der konkrete Wert der Serienversion kann sich noch ändern, er zeigt aber, wie stark der #2 auf den Einsatz in der Stadt ausgerichtet ist.

Zur ECA gehört eine weiterentwickelte tridion-Sicherheitszelle. Dieser Name ist eng mit smart verbunden und steht für den strukturellen Sicherheitsbereich der Fahrzeuge. smart entwickelt die Plattform mit dem Ziel, Sicherheit, Agilität und Effizienz in einem kleinen Elektroauto miteinander zu verbinden. Für die endgültige Bewertung werden später vor allem das Fahrzeuggewicht, die Crashergebnisse und die verfügbare Sicherheitsausstattung entscheidend sein.

Fast 300 Kilometer Reichweite als Ziel

smart nennt für den #2 eine Batteriegröße von etwa 35,7 kWh und eine Zielreichweite von nahezu 300 Kilometern nach WLTP. Wichtig ist die Formulierung: Es handelt sich um einen Entwicklungswert und noch nicht um eine homologierte Serienangabe. Die tatsächliche Reichweite wird unter anderem von der nutzbaren Batteriekapazität, dem Gewicht, den Reifen und der Softwarekalibrierung abhängen.

Für ein Stadtauto wäre eine Batterie in dieser Größenordnung ein plausibler Kompromiss. Sie könnte im Alltag mehrere Tage zwischen den Ladevorgängen ermöglichen, ohne das Fahrzeug unnötig schwer zu machen. Auf der Autobahn wird die Reichweite wie bei allen Elektroautos deutlich stärker von Geschwindigkeit, Temperatur und Wind beeinflusst. Erst Angaben zu Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit und Verbrauch werden zeigen, wie vielseitig der smart außerhalb der Stadt eingesetzt werden kann.

Die Renault Twingo bietet mit ihrer 27,5-kWh-LFP-Batterie bis zu 263 Kilometer WLTP-Reichweite. Sie ist jedoch vier Türen und fünf Sitze groß und damit auf andere Kunden zugeschnitten. Ein Vergleich der Reichweitenwerte allein wäre deshalb zu kurz gegriffen. Der smart könnte bei der theoretischen Reichweite vorne liegen, während die Renault ihre Vorteile beim Transport von Personen und beim Familienalltag hat.

Schnellladen trotz kleiner Batterie

Für den smart #2 ist eine DC-Ladezeit von 10 auf 80 Prozent in weniger als 20 Minuten vorgesehen. Das wäre für ein kleines Elektroauto ein ambitionierter Wert. Bei einem kurzen Zwischenstopp könnte der Fahrer damit einen großen Teil der verfügbaren Reichweite nachladen. Ob der Wert in jeder Situation erreicht wird, hängt später von Ladeleistung, Batterietemperatur und dem Verlauf der Ladekurve ab.

Die Renault Twingo setzt auf mehrere Ladeoptionen. Serienmäßig ist ein 6,6-kW-Wechselstromlader vorgesehen. Damit dauert eine Ladung von 10 auf 100 Prozent ungefähr 4 Stunden und 15 Minuten. Mit dem optionalen Advanced-Charge-System kommen bidirektionales AC-Laden mit 11 kW und DC-Laden mit bis zu 50 kW hinzu. Von 10 auf 80 Prozent vergehen an einer passenden Schnellladesäule etwa 30 Minuten. Je nach Ausstattung kann die Twingo außerdem Energie über V2L an externe Geräte abgeben und für V2G-Anwendungen vorbereitet sein.

Beim smart ist zwischen dem angekündigten Schnellladeziel und dem Laden zu Hause zu unterscheiden. Die tatsächliche Ladezeit an einer privaten Wallbox hängt von der Leistung der Hausinstallation und vom Bordlader ab. Im öffentlichen Netz bestimmt die verfügbare Säule, wie schnell Energie aufgenommen werden kann. Für ein Stadtauto bleibt daher nicht nur die Batteriegröße wichtig, sondern auch die Frage, wie einfach der Fahrer im Alltag einen Ladepunkt findet.

Erprobung vor der Premiere

Der smart #2 befindet sich derzeit in einem weltweiten Erprobungsprogramm mit Vorserienfahrzeugen. An der Entwicklung arbeiten das Mercedes-Benz Global Design Team und smart Global R&D. Die Tests sollen unterschiedliche Straßen- und Klimabedingungen abdecken, bevor das Modell im Oktober 2026 in Paris seine Weltpremiere feiern soll.

smart hat bereits bestätigt, dass der #2 ein Modell des A-Segments bleiben und Europa zu seinen wichtigsten Märkten gehören wird. Dadurch entstehen andere Prioritäten als bei einem größeren Elektro-SUV. Eine gute Rundumsicht, kurze Überhänge, ein kleiner Wendekreis und überschaubare Betriebskosten sind im Stadtverkehr oft wichtiger als große Batterie- oder Kofferraumwerte. Der Verzicht auf eine Rückbank schafft außerdem mehr Freiheit bei der Gestaltung des kurzen Innenraums.

Die fehlenden Serienangaben sind weiterhin relevant. smart hat weder den Preis noch die endgültige Motorleistung, den nutzbaren Batterieinhalt, das Kofferraumvolumen oder die Ausstattung vollständig veröffentlicht. Diese Informationen werden entscheiden, ob der #2 vor allem als konsequentes Stadtfahrzeug oder auch als bezahlbarer Einstieg in die Elektrobaureihe wahrgenommen wird.

Der neue smart #2 verfolgt damit eine klare Strategie: sehr kompakte Abmessungen, zwei Sitze, Hinterradantrieb, eine Reichweite von fast 300 Kilometern als Ziel und schnelles Laden in weniger als 20 Minuten. Gegenüber der Renault Twingo könnte er in engen Städten leichter zu bewegen und zu parken sein, bietet aber deutlich weniger Platz für Passagiere. Erst die homologierten Daten und der Preis werden zeigen, wie überzeugend dieser Kompromiss ausfällt.

Quellen