Audi-Chef Döllner steht wegen eines Auftritts mit Trump in der Kritik

Audi plant sein erstes eigenes Produktionswerk in den USA. Das Unternehmen will in Georgia rund 4 Milliarden Dollar investieren und etwa 4.500 Arbeitsplätze schaffen. Bekanntgegeben wurde der Plan bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Perry, Georgia, am 24. Oktober. Audi-Chef Gernot Döllner trat dort gemeinsam mit dem US-Präsidenten auf. Arbeitnehmervertreter von Volkswagen und die Gewerkschaft IG Metall kritisieren den politischen Rahmen der Präsentation.

Die geplante Fabrik und die Debatte über den Auftritt sind zwei unterschiedliche Themen. Audi begründet die lokale Produktion mit der Bedeutung des US-Marktes und den Risiken durch Zölle und Wechselkurse. Die Kritik richtet sich vor allem dagegen, dass ein Unternehmenschef die Investition auf einer Wahlkampfbühne vor den US-Zwischenwahlen präsentierte.

Das geplante Werk in Georgia

Volkswagen Group nennt eine Investition von ungefähr 4 Milliarden Dollar und rund 4.500 geplante Arbeitsplätze. Das Werk soll bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren können. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, der Produktionsstart für den Beginn der 2030er Jahre.

Als Standort ist die Middle Georgia Mega Site vorgesehen. Audi verweist auf Logistik, qualifizierte Arbeitskräfte und ein vorhandenes Netzwerk von Zulieferern. In Georgia sollen Premium-SUVs für nordamerikanische Kunden gebaut werden. Die endgültige Modellverteilung steht noch nicht fest. Die Kapazität von 200.000 Fahrzeugen ist eine Planungsgröße und keine Garantie für einen entsprechenden Absatz.

Audi bezeichnet die US-Produktion als Teil einer langfristigen Wachstumsstrategie. Nordamerika soll neben Europa und China zu einer dritten wichtigen Säule des Produktionsnetzwerks werden. Der neue Q9 wird als Modell für die Anforderungen amerikanischer Kunden genannt. Audi erklärt aber nicht, dass nur dieses Modell in Georgia gefertigt wird.

Warum der Auftritt kritisiert wird

Trump bat Döllner nach der Ankündigung auf die Bühne. Der Audi-Chef dankte dem Präsidenten für seine Unterstützung und sprach über das langfristige Engagement in den Vereinigten Staaten. Der Termin fand ungefähr zehn Tage vor den Wahlen am 3. November statt. Dadurch wurde die Industrieankündigung Teil einer eindeutig politischen Veranstaltung.

Daniela Cavallo, Vorsitzende des Volkswagen-Konzernbetriebsrats, warf der Konzernführung vor, Teil einer politischen Inszenierung geworden zu sein. Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall und Mitglied der Volkswagen-Aufsichtsstrukturen, bezeichnete den Auftritt als peinlich und politisch inakzeptabel. Die Kritik betrifft die Neutralität und die Außenwirkung des Unternehmens, nicht nur den Plan einer US-Fabrik.

Eine wichtige Grundlage der Debatte ist der Audi Code of Conduct. Reuters und Deutschlandfunk berichteten, dass die Unternehmensregeln in den letzten drei Monaten vor einer Wahl öffentliche Termine mit Parteien oder kandidierenden Politikern sowie die Unterstützung entsprechender Veranstaltungen untersagen. Reuters berichtete außerdem, das Audi-Management habe möglicherweise eine Ausnahme genehmigt. Diese Information stammt aus Quellen, die Reuters zugerechnet werden, und ist keine veröffentlichte abschließende Entscheidung.

Der Code of Conduct ist eine interne Regel und kein Wahlgesetz. Ob ein Verstoß vorliegt, hängt von der konkreten Genehmigung und der internen Einordnung des Termins ab. Öffentlich fest steht, dass Döllner auf einer Wahlkampfveranstaltung auftrat und dass Trump dort die Audi-Investition ankündigte.

Döllners Erklärung

In einer Nachricht an die Beschäftigten, über die Deutschlandfunk berichtete, erklärte Döllner, er und Produktionsvorstand Gerd Walker seien gebeten worden, die Investitionspläne vorzustellen. Er argumentierte, die Annahme einer Einladung des US-Präsidenten könne als Respekt vor dem Amt und vor dem Land verstanden werden, in dem Audi investieren wolle.

Döllner räumte zugleich ein, dass der Rahmen als politisches Signal wahrgenommen werden könne, und erklärte, diese Reaktion ernst zu nehmen. Audi bezeichnete den Auftritt nicht als formale Wahlempfehlung. Dennoch lässt sich die Industrieinformation nur schwer von der politischen Veranstaltung trennen, wenn Präsident, Unternehmenschef und Milliardenprojekt gemeinsam auf der Bühne stehen.

Deshalb gibt es zwei Beschreibungen desselben Vorgangs. Audi kann ihn als industrielle Präsentation auf Einladung des Präsidenten bezeichnen. Die Arbeitnehmervertreter können darin eine Beteiligung an einer Wahlkampfveranstaltung sehen. Der Streit betrifft die Bedeutung und Verantwortung des Auftritts.

Noch keine endgültige Entscheidung

Die öffentliche Ankündigung ist keine endgültige Baugenehmigung. Das Projekt muss von den zuständigen Volkswagen-Gremien geprüft werden, einschließlich des Aufsichtsrats. Arbeitnehmervertreter verlangen eine Einschätzung der Folgen für die europäischen Standorte.

Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen und Vertreter eines wichtigen Volkswagen-Aktionärs, erklärte, eine Wahlkampfveranstaltung sei nicht der richtige Ort für die Ankündigung einer Investition dieser Größe. Vor einer endgültigen Entscheidung müssten die Bedingungen vollständig dargestellt werden.

Die Diskussion findet vor dem Hintergrund von Kostensenkungen und Umbauplänen in Deutschland statt. Ein Werk in Georgia kann Arbeitsplätze in den USA schaffen, wirft aber Fragen nach künftigen Mengen und Beschäftigung in Europa auf. Audi betont, Deutschland und Europa blieben das industrielle Rückgrat. Daraus folgt jedoch keine Garantie für jeden Standort oder jedes Modell.

Die wirtschaftliche Begründung

Audi liefert Fahrzeuge für den US-Markt derzeit aus Europa und Mexiko. Eine lokale Fertigung könnte die Belastung durch Importzölle und Wechselkurse reduzieren. Reuters berichtete, die Zölle hätten Audi im Vorjahr rund 1,2 Milliarden Euro gekostet. Das ist eine berichtete Zahl und keine gesicherte Einsparung durch das geplante Werk.

Bis zur Produktion sind Genehmigungen, Bau, Personal, Zulieferer und Homologation erforderlich. Die Termine 2027 und Anfang der 2030er Jahre sind deshalb geplante Etappen. Ob die Kapazität erreicht wird, hängt später von Modellen, Nachfrage und den tatsächlichen Marktbedingungen ab.

Audi muss nun die US-Strategie erklären und gleichzeitig die Beschäftigten in Europa überzeugen. Das Werk kann wirtschaftlich begründet sein. Die Wahlkampfbühne hat die Ankündigung jedoch in eine Debatte über politische Neutralität, Unternehmensregeln und die Verantwortung eines deutschen Automobilkonzerns verwandelt.

Quellen

Bild: Audi / Audi MediaCenter. Offizielles Pressefoto von Gernot Döllner, aus dem Audi-Newsroom heruntergeladen und lokal in WebP konvertiert. Es handelt sich nicht um das Foto der Wahlkampfveranstaltung.