Die Hochvoltbatterie Gen6 von BMW ist beim World New Energy Vehicle Congress 2026 in China mit dem Preis „Global New Energy Vehicle Innovative Technology“ ausgezeichnet worden. BMW teilt mit, dass das Unternehmen der einzige Automobilhersteller außerhalb Chinas unter den Empfängern eines der Technologiepreise gewesen sei. Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit mit Rimac Technology ausgeweitet: Mate Rimac bestätigte zwei weitere BMW-Fahrzeuge im Projekt, nannte aber keine Modelle.
Was der Preis aussagt
Die Auszeichnung ist kein vollständiger Vergleichstest aller Batterien auf dem chinesischen Markt. BMW behauptet damit nicht, dass Gen6 jedes chinesische System bei Reichweite, Kosten, Ladeleistung oder Haltbarkeit übertrifft. Nach Angaben von BMW würdigte die Jury einen ganzheitlichen Ansatz mit den Schwerpunkten Sicherheit, Effizienz, Nachhaltigkeit und Kundennutzen.
Der WNEVC bringt Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Politik zusammen und widmet sich Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. BMW zufolge ist die Auszeichnung die fünfte in Folge und die sechste insgesamt, die der Konzern bei diesem Kongress für technologische Innovation erhalten hat.
Die prämierte Batterie basiert auf neuen zylindrischen BMW-Zellen mit einer nickelreichen Kathode. Gen6 ist außerdem eine zentrale Technologie der Neue Klasse und soll schrittweise in der elektrischen Modellpalette eingesetzt werden.
Der chinesische Kontext ist relevant, weil dort besonders viele Unternehmen an Elektroautos, Leistungselektronik und Batterien arbeiten. Die genaue Einordnung bleibt trotzdem wichtig: BMW wurde für eine Technologie ausgezeichnet und bezeichnet sich als einzigen nicht chinesischen Automobilhersteller unter den entsprechenden Technologiepreisträgern. Ein umfassendes Markt-Ranking ist daraus nicht abzuleiten.
Die Technik hinter Gen6
BMW entwickelt Gen6 als Gesamtsystem aus Zellen, Leistungselektronik, Software und Fahrzeugintegration. Die Batteriebaureihe ist für eine 800-Volt-Architektur ausgelegt und ermöglicht bidirektionales Laden.
Die Zellen werden direkt in das Batteriegehäuse integriert, ohne eine separate Modulstruktur. Dieses cell-to-pack genannte Konzept kann den verfügbaren Bauraum besser nutzen und die Energiedichte auf Batterieebene erhöhen. BMW nennt außerdem die Kompatibilität mit 400- und 800-Volt-Ladeinfrastruktur. Die tatsächliche Ladeleistung hängt jedoch vom jeweiligen Fahrzeug, der Ladesäule, der Temperatur und dem Ladezustand ab.
Ein wichtiger Baustein ist der Energy Master. BMW entwickelt sowohl die Hardware als auch die Software selbst. Das System steuert den Energiefluss, versorgt die Elektromotoren und das Bordnetz und stellt die Schnittstelle für die Batteriedaten bereit. BMW verbindet diese Integration mit einem besseren Thermo- und Energiemanagement sowie mit Sicherheitsfunktionen.
Die Auslegung für zwei Spannungsebenen ist vor allem für die Nutzung im Alltag relevant. Ein Fahrzeug kann damit an bestehender 400-Volt-Infrastruktur eingesetzt werden, während die neue 800-Volt-Technik bei passenden Schnellladesäulen ihre Vorteile ausspielen soll. Daraus folgt aber keine pauschale Ladezeit für die gesamte Baureihe. BMW muss für jedes Modell festlegen, wie viel Leistung Batterie, Kühlung, Leistungselektronik und Software tatsächlich zulassen.
Auch bidirektionales Laden ist kein automatisch aktivierter Standard für jedes Fahrzeug. Dafür müssen Fahrzeug, Ladegerät, Software und lokale Netzregeln zusammenspielen. BMW nennt die Funktion als Teil der Gen6-Architektur, veröffentlicht in der Award-Mitteilung aber keine einheitlichen Betriebsbedingungen für alle späteren Modelle.
Zu den genannten Sicherheitsmaßnahmen gehören ein Stahlgehäuse der Rundzellen, integrierte Schutzmechanismen und eine mehrstufige Isolation. BMW gibt an, für den Übergang von Gen5 zu Gen6 mehr als 500 Patentanmeldungen eingereicht zu haben. Diese Angaben stammen vom Hersteller und sind keine unabhängigen Messungen von Carboratory.
Rimacs Beitrag zum BMW i7
BMW kündigte im April 2026 eine Zusammenarbeit mit Rimac Technology für den neuen vollelektrischen BMW i7 an. In diesem Projekt wird die Gen6-Zelltechnologie mit einem angepassten Moduldesign aus der Gen5-Generation kombiniert. BMW nennt zylindrische Lithium-Ionen-Zellen des Formats 4695 und eine um 20 Prozent höhere volumetrische Energiedichte gegenüber den prismatischen Gen5-Zellen.
Rimac Technology fertigt die Hochvoltbatterie in Kroatien. Das fertige System wird an das BMW Group Werk Dingolfing geliefert, wo die 7er-Reihe produziert wird. BMW beschreibt Rimac Technology als Tier-1-Lieferanten für Hochvoltbatterien, E-Achsen, Elektronik und Software.
Für Rimac bedeutet das einen Schritt in ein größeres Serienprogramm als die bekannten Projekte mit elektrischen Hypercars in kleinen Stückzahlen. Trotzdem sollte die Rollenverteilung klar bleiben: BMW beschreibt die Gen6-Plattform, während Rimac das System für die konkrete i7-Anwendung entwickelt und produziert.
Mate Rimac bestätigte zwei weitere BMW-Fahrzeuge im Programm. Namen, Karosserieformen, Batteriekapazitäten, Produktionszahlen und Starttermine sind nicht bekannt. Eine Zuordnung zu einem SUV, einem M-Modell oder einer weiteren 7er-Variante wäre derzeit eine Spekulation.
Bedeutung für Käufer
BMW nennt eine größere Reichweite, schnelleres Laden und eine höhere Effizienz als Ziele der Gen6-Technik. Das Ergebnis hängt vom kompletten Fahrzeug ab. Aerodynamik, Gewicht, Batteriegröße, Motorleistung, Software und Ladebedingungen beeinflussen die Nutzung im Alltag.
Für Käufer in Europa müssen die WLTP-Werte, Preise, Garantiebedingungen, Reparaturmöglichkeiten und die lokale Verfügbarkeit für jedes Modell einzeln geprüft werden. Der WNEVC-Preis bestätigt eine technologische Anerkennung in China, ersetzt aber kein Datenblatt und keine Marktfreigabe.
Der bestätigte Kern der Meldung ist damit klar: BMWs Gen6-Batterie erhielt einen WNEVC-Technologiepreis. Rimac produziert in Kroatien das Batteriesystem für den neuen elektrischen i7. Zwei weitere BMW-Rimac-Projekte sind geplant, ihre Modelle bleiben jedoch unbekannt.



