Foto: BMW Group. Offizielle Aufnahme der Konzernzentrale, aus dem BMW Group PressClub geladen und lokal in WebP umgewandelt, 4286 × 1500 Pixel.

BMW Group will die EBIT-Marge im Segment Automotive bis 2028 auf 3 bis 5 Prozent bringen. Das Unternehmen bezeichnete den Wert beim Capital Market Day 2026 als Zwischenziel. Der Konzern reagiert damit auf die schwächere Nachfrage in China, den stärkeren Wettbewerb, Zölle und die hohen Kosten für neue Fahrzeug- und Softwaretechnologien.

Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts soll das Autogeschäft wieder eine EBIT-Marge von 8 bis 10 Prozent erreichen. BMW verbindet dieses Ziel mit einem konzentrierteren Modellprogramm, einer stärker regionalisierten Produktion und schlankeren Strukturen. Weitere Entscheidungen sollen bis zum Frühjahr 2027 geprüft werden; der jetzt vorgestellte Plan ist deshalb noch nicht für jedes Modell und jedes Werk endgültig.

Die Ausgangslage im Jahr 2026

Die Halbjahreszahlen zeigen, warum BMW zunächst ein Zwischenziel nennt. Die EBIT-Marge im Segment Automotive lag in den ersten sechs Monaten 2026 bei 3,6 Prozent und im zweiten Quartal bei 2,3 Prozent. Für das Gesamtjahr hält BMW an einer Prognose von 1 bis 3 Prozent fest.

Der Umsatz des Autosegments sank im ersten Halbjahr um 7,4 Prozent auf 54,321 Milliarden Euro. Das EBIT ging um 45,6 Prozent auf 1,974 Milliarden Euro zurück. BMW nannte geringere Stückzahlen, stärkeren Wettbewerb, Währungs- und Rohstoffeffekte sowie höhere Abschreibungen als Belastungen für das Ergebnis.

Besonders schwierig bleibt China. Die Auslieferungen des BMW Group gingen dort im ersten Halbjahr um 20,4 Prozent auf 261.773 Fahrzeuge zurück. Im zweiten Quartal betrug der Rückgang 30,2 Prozent. Europa und die USA entwickelten sich dagegen positiv: Die Auslieferungen stiegen im ersten Halbjahr um 5,4 beziehungsweise 3,9 Prozent. Die unterschiedlichen Regionen sind ein Grund für die geplante stärkere Anpassung von Produkten und Produktion.

Auch Importzölle drücken auf die Marge. BMW bezifferte die Belastung aus Ausgaben für US- und EU-Importzölle im zweiten Quartal auf etwa 1,25 Prozentpunkte. Zusätzlich wirkten sich Abschreibungen auf Vermögenswerte von BMW Brilliance Automotive mit rund 1,2 Prozentpunkten aus, nachdem der Kaufpreis zugeordnet worden war.

Weniger Varianten und mehr regionale Entscheidungen

BMW will die Zahl der Varianten im gesamten Programm überprüfen. Vorrang sollen Modelle erhalten, die in ihrem jeweiligen Markt einen höheren Beitrag leisten können. Ein konkretes Beispiel ist der BMW 2er Active Tourer: Für ihn wird es keinen Nachfolger geben.

Damit verabschiedet sich BMW nicht von einem technologieoffenen Antriebsmix. Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybride und batterieelektrische Fahrzeuge bleiben Teil der Strategie. Die Planungen bis 2028 beziehen außerdem Brennstoffzellenfahrzeuge mit ein. Entscheidend wird sein, welche Kombination aus Antrieb, Modell und Produktionsort in einer Region wirtschaftlich tragfähig ist.

In China soll der Anteil lokal produzierter und für chinesische Kunden entwickelter Fahrzeuge bis 2030 auf mindestens 95 Prozent steigen. BMW prüft außerdem, in China gebaute Fahrzeuge in südostasiatische Märkte zu exportieren. Importmodelle in China sollen sich auf Fahrzeuge mit den höchsten Margen konzentrieren, während Modelle mit größeren Stückzahlen lokal gefertigt werden.

Für die USA erwägt der Konzern ein Sports Activity Vehicle oberhalb des BMW X7. Einen Namen, Preis oder Termin gibt es noch nicht. BMW erklärt, dass das Werk Spartanburg bereits mit voller Kapazität arbeitet. Eine stärker regionale Produktion könnte die Versorgung der einzelnen Absatzregionen verbessern und internationale Transporte verkürzen.

Neue Klasse und BMW ALPINA

2028 soll in Europa ein weiteres vollelektrisches Modell im Kompaktsegment starten. Es wird Technologien der Neue Klasse in eine volumenstärkere Fahrzeugklasse bringen, nachdem BMW iX3 und BMW i3 den Anfang gemacht haben. Angaben zu Name, Batterie, Reichweite, Preis und Werk wurden noch nicht veröffentlicht.

BMW Group will 2027 außerdem das erste BMW-ALPINA-Modell in der neuen Struktur auf den Markt bringen. Das Fahrzeug soll von der 7er-Reihe inspiriert sein und zwischen BMW und Rolls-Royce positioniert werden. Der Konzern hat bisher weder Antrieb noch Leistung oder Preis bestätigt.

Künstliche Intelligenz ist ein weiterer Teil der Effizienzstrategie. BMW will sie in Entwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb, Marketing und After-Sales einsetzen. KI-Agenten könnten technische Anforderungen unterstützen, Tests auswerten, Freigaben vorbereiten und Routineaufgaben übernehmen. BMW nennt Beispiele für die geplante Anwendung, aber keine veröffentlichte Einsparsumme, die ausschließlich der KI zugerechnet wird.

Eine schlankere Organisation

Das Restrukturierungsprogramm sieht eine Verringerung der Zahl der Bereiche und der zugehörigen Managementrollen um 20 Prozent vor. BMW hat mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung über ein Personalstrukturprogramm getroffen, zu dem auch freiwillige Abfindungs- und Austrittsangebote gehören. Eine endgültige neue Mitarbeiterzahl und eine vollständige Liste der betroffenen Funktionen liegen noch nicht vor.

Die Organisation ist eng mit dem Margenziel verbunden. Weniger Führungsebenen und kürzere Prozesse sollen laufende Kosten senken und Entscheidungen beschleunigen. Für 2025 meldete BMW einen Kostenvorteil von etwa 2,5 Milliarden Euro durch Einsparungen bei Forschung und Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung, Produktion und Material. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf 3,714 Milliarden Euro, die Investitionen auf 1,900 Milliarden Euro.

Das Ziel von 3 bis 5 Prozent im Jahr 2028 muss im Zusammenhang mit den aktuellen Werten gesehen werden: 3,6 Prozent im ersten Halbjahr, 2,3 Prozent im zweiten Quartal und 1 bis 3 Prozent als Jahresprognose. Es ist ein EBIT-Ziel für das Segment Automotive und keine Prognose für den Nettogewinn oder die Marge des Gesamtkonzerns. China, Zölle, Wechselkurse, der Modellmix und die Kosten neuer Produkte bleiben entscheidend.

Langfristig strebt BMW im Autosegment wieder 8 bis 10 Prozent EBIT-Marge und mindestens 7 Milliarden Euro freien Cashflow an. Dafür kombiniert der Konzern neue Elektrofahrzeuge mit weniger Varianten, mehr lokaler Fertigung in China und einer kleineren Verwaltungsstruktur. Ob dieses Konzept aufgeht, wird sich daran zeigen, ob die Neue-Klasse-Modelle neben Absatz auch eine dauerhaft höhere operative Rendite bringen.

Sources