Der Verkauf von Elektroautos hilft BMW nach Aussage seines australischen Managements dabei, Modelle mit V8 und anderen großen Verbrennungsmotoren im Angebot zu halten. Der Zusammenhang liegt in der Emissionsbilanz der gelieferten Flotte. Fahrzeuge mit Batterie verbessern das Ergebnis des Anbieters und schaffen damit Spielraum für Autos, deren CO₂-Ausstoß höher liegt.

Vikram Pawah, Chef von BMW Group Australia, erläuterte diesen Ansatz gegenüber Carsales. BMW wolle das Gleichgewicht zwischen verschiedenen Antrieben erhalten. Nach dem Bericht über das Interview musste die Marke wegen des australischen New Vehicle Efficiency Standard, kurz NVES, keine Modelle aus dem Programm nehmen. Das ist eine Aussage zur lokalen Geschäftspolitik und keine verbindliche Zusage für jede künftige Version mit acht Zylindern.

Welche Verkäufe hinter der Aussage stehen

BMW Australia meldete für 2025 insgesamt 26.842 verkaufte Fahrzeuge der Marke BMW. Darunter waren 5.187 reine Elektroautos. Daraus ergibt sich ein Anteil von rund 19,3 Prozent, also beinahe jedem fünften BMW. Die Zahlen beziehen sich auf diese Marke in diesem Land. Sie beschreiben weder den gesamten australischen Automarkt noch den weltweiten Absatz der BMW Group.

Auch der Zeitraum muss stimmen. Die Verkaufszahlen erfassen das volle Kalenderjahr 2025. Der erste verpflichtende Zeitraum des NVES begann dagegen am 1. Juli 2025. Für die genaue regulatorische Position wären die tatsächlich erfassten Fahrzeuge sowie ihre hinterlegten Emissionswerte und Ziele erforderlich. Die Jahresquote allein erlaubt keine vollständige Rekonstruktion der Bilanz.

Aus ihr lässt sich deshalb auch nicht ableiten, dass ein verkauftes Elektroauto eine bestimmte Anzahl zusätzlicher V8 ermöglicht. Verschiedene Fahrzeuge haben unterschiedliche Emissionen und können unterschiedlichen Zielwerten unterliegen. Pawahs Erklärung beschreibt die Wirkung des Angebotsmixes, liefert aber keine belastbare Umrechnung zwischen zwei einzelnen Fahrzeugtypen.

Der Standard betrachtet die Flotte des Anbieters

Die gesetzliche Grundlage des NVES trat am 1. Januar 2025 in Kraft. Für die erfassten neuen Fahrzeuge gelten die verpflichtenden Anforderungen seit dem 1. Juli desselben Jahres. Das System richtet sich an Anbieter von Personenwagen und leichten Nutzfahrzeugen, die entsprechende Fahrzeuge auf den australischen Markt bringen. Entscheidend ist ihre Leistung innerhalb eines festgelegten Zeitraums.

Die zuständige Behörde verwendet Daten aus dem Register of Approved Vehicles. Benötigt werden unter anderem der NVES-Fahrzeugtyp, der CO₂-Wert, die Masse im fahrbereiten Zustand und die angegebene Anhängelast. Die Regeln passen Zielwerte unter anderem an die Fahrzeugmasse an. Ein einziger, für alle Fahrzeuge identischer Grenzwert würde den Aufbau des Systems daher nicht richtig wiedergeben.

Diese Struktur lässt unterschiedliche Antriebe innerhalb einer Modellpalette zu. Ein reines Elektroauto verursacht kein CO₂ am Auspuff und verbessert damit die entsprechende Bilanz des Anbieters. Der Verbrennungsmotor eines anderen Autos stößt dadurch jedoch nicht weniger aus. Es ändert sich das regulatorische Gesamtergebnis, während die einzelnen Fahrzeuge weiterhin die sonstigen geltenden Zulassungsvorschriften erfüllen müssen.

Wie Einheiten für die Erfüllung entstehen

Die Behörde ermittelt zunächst einen vorläufigen Emissionswert für den Anbieter. Liegt dieser unter null, hat das Unternehmen die Vorgabe übertroffen und erhält NVES-Einheiten. Null bedeutet, dass die Anforderung erfüllt wurde. Ein positiver Wert muss vor Feststellung der endgültigen Position ausgeglichen werden. Dies beschreibt die offizielle Funktionsweise und ist keine eigene Prüfung des BMW-Kontos durch Carboratory.

Zwischen regulierten Unternehmen können Einheiten über das dafür vorgesehene Register gehandelt werden. Nach Angaben der Behörde handelt es sich um einen geschlossenen Markt. Die Beteiligten vereinbaren ihre kommerziellen Bedingungen selbst; der Regulator setzt keinen Preis für eine Einheit fest und erfasst die Gegenleistung der Geschäfte nicht.

Daraus folgt weder, dass BMW eine bestimmte Menge solcher Einheiten gekauft oder verkauft hat, noch ein automatischer Preisnachlass für Kunden eines V8-Modells. Pawahs Aussage betrifft die Planung der Modellpalette. Die Höhe eines Kaufpreises, die Ausstattung und die Lieferbarkeit müssen weiterhin für das jeweilige Angebot geprüft werden. Eine dauerhafte Ausnahme für BMW M wird durch das Interview ebenfalls nicht begründet.

Ein V8 kann selbst Teil eines elektrifizierten Antriebs sein

Die im Juni 2024 vorgestellte Generation des BMW M5 zeigt, dass die Kategorien in der Praxis genauer unterschieden werden müssen. Ihr M-HYBRID-System verbindet einen 4,4-Liter-V8 mit einer elektrischen Maschine. BMW nannte 535 kW Systemleistung und 1.000 Nm Systemdrehmoment. Das sind Herstellerangaben zum gesamten Antrieb, keine von Carboratory gemessenen Ergebnisse.

Der M5 ist ein Plug-in-Hybrid und behält seinen Benzinmotor. Er kann von außen geladene elektrische Energie nutzen, wird dadurch aber nicht zu einem reinen Elektroauto. Wenn BMW von elektrifizierten Fahrzeugen spricht, können damit sowohl Batterieautos als auch Plug-in-Hybride gemeint sein. Für den Vergleich von Verkaufsquoten dürfen diese Begriffe nicht gleichgesetzt werden.

Das offizielle Pressebild dieses Artikels zeigt den bereits vorgestellten M5. Es ist keine Vorschau auf ein neu bestätigtes australisches Fahrzeug und kein Beleg für die Einführung einer künftigen X5-Variante mit V8. Die Absicht, mehrere Antriebsarten beizubehalten, ersetzt keine eigenständige Produktmeldung mit konkreter Zuordnung zu einem Markt.

Warum die weltweite Quote etwas anderes misst

Für das Geschäftsjahr 2025 meldete die BMW Group weltweit 442.056 Auslieferungen reiner Elektroautos. Das entsprach 17,9 Prozent des gesamten Konzernabsatzes. Einschließlich der Plug-in-Hybride erreichten die elektrifizierten Auslieferungen 642.071 Fahrzeuge. Diese Konzernzahlen haben einen anderen Umfang als die australischen Verkäufe der Marke BMW und dürfen nicht direkt als gleiche Bezugsgröße behandelt werden.

Für Kunden in Deutschland ergibt sich aus Pawahs Äußerungen keine Änderung der Steuern oder des verfügbaren Modellprogramms. Ebenso wenig wird ein Enddatum für die Produktion bestimmter V8-Motoren genannt. Das Interview erklärt, wie elektrische Nachfrage in Australien die Auswahl unter den dortigen Regeln stützen kann. Ob ein bestimmtes neues Modell nach Deutschland kommt, muss aus der europäischen Produktankündigung und dem deutschen Angebot hervorgehen, nicht aus dem australischen Elektroanteil.

Foto: BMW AG, offizielles Pressefoto des BMW M5 aus der Vorstellung im Juni 2024.

Quellen