China verfügte Ende 2025 über mehr als 4,7 Millionen öffentliche Ladepunkte und damit über mehr als 65 Prozent des weltweiten Bestands. Das geht aus dem Global EV Outlook 2026 der Internationalen Energieagentur hervor. Weltweit gab es nach dem Zubau von fast 1,8 Millionen Punkten in einem Jahr insgesamt mehr als sieben Millionen öffentliche Ladepunkte.
Parallel zur wachsenden Infrastruktur werben Hersteller mit kürzeren Ladezeiten. BYD nennt für den Denza Z9GT neun Minuten von zehn auf 97 Prozent. Eine solche Angabe zur Technik eines Fahrzeugs beantwortet jedoch nicht dieselbe Frage wie die Statistik über eine nutzbare Infrastruktur. Für den Alltag zählen auch Zugang, Kompatibilität, Bezahlung und die Möglichkeit, in der Nähe der Wohnung zu laden.
Warum das Bezugsjahr wichtig ist
Der Bericht wurde 2026 veröffentlicht, die genannten Bestandszahlen beziehen sich aber auf das Ende des Jahres 2025. Der weltweite Zuwachs öffentlicher Ladepunkte lag damals bei mehr als 33 Prozent und damit etwa im gleichen Bereich wie das Wachstum des elektrischen Bestands leichter Fahrzeuge. Die Zahlen sind keine vollständige Bilanz der Installationen des Jahres 2026.
Gezählt werden einzelne Ladepunkte und nicht ganze Standorte. Eine Anlage mit mehreren Ladeplätzen kann deshalb mit mehreren Punkten in die Statistik eingehen. Wer die Zahl der Standorte eines Betreibers mit der Zahl einzelner Punkte in einem anderen Netz vergleicht, stellt unterschiedliche Größen nebeneinander.
Die IEA errechnet weltweit rund elf elektrische leichte Fahrzeuge je öffentlichem Ladepunkt. Ein zweiter Maßstab ist die öffentliche Ladeleistung im Verhältnis zum Fahrzeugbestand. Der Durchschnitt lag Ende 2025 bei 4,5 kW je Fahrzeug. Das ist eine statistische Kennzahl für die Infrastruktur und keine Aussage darüber, mit welcher Leistung ein einzelnes Auto während eines Stopps lädt.
Für die Berechnung verwendet die Agentur repräsentative Leistungswerte je Gerätekategorie. Nationale Statistiken auf Basis genauerer Daten können nach ihrem Hinweis abweichen. Der Vergleich beschreibt damit die Struktur eines Netzes, nicht die tatsächliche Verfügbarkeit eines bestimmten Anschlusses auf einer konkreten Reise.
China liefert den größten Teil des Wachstums
Der öffentliche Bestand in China stieg von fast 3,4 Millionen Ladepunkten Ende 2024 auf mehr als 4,7 Millionen Ende 2025. Mehr als 75 Prozent des weltweiten Zubaus entfielen auf diesen Markt. In China kamen zehn elektrische leichte Fahrzeuge auf einen öffentlichen Ladepunkt.
Die Zahl der schnellen und ultraschnellen Punkte erhöhte sich um 40 Prozent von 1,5 auf 2,2 Millionen. Die öffentliche Kapazität lag bei fast 6 kW je elektrischem leichten Fahrzeug. Der Vorsprung betrifft also sowohl die Größe des Netzes als auch dessen Zusammensetzung nach Leistung, nicht nur die Spitze eines einzelnen neuen Ladegeräts.
Diese Bestandswerte belegen keine dauernde Verfügbarkeit. Ein erfasster Punkt kann besetzt sein, wenn ein Fahrer dort ankommt. Auch kann ein angeschlossenes Auto nicht allein deshalb eine bestimmte Ladeleistung aufnehmen, weil die Anlage entsprechend ausgelegt ist. Netzgröße und die Leistung einer einzelnen Ladesitzung bleiben unterschiedliche Betrachtungsebenen.
Europa wächst mit deutlichen Unterschieden
In Europa nahm die Zahl öffentlicher Ladepunkte 2025 um etwa 20 Prozent zu. Innerhalb der EU verzeichneten Dänemark, Estland, Lettland, Litauen und Rumänien laut IEA ein Wachstum von mehr als 50 Prozent. Ein hoher prozentualer Zuwachs ist für sich genommen kein Beleg für eine gleichmäßige Abdeckung sämtlicher Straßen eines Landes.
Die Niederlande hatten Ende 2025 mit 210.000 Punkten den größten öffentlichen Bestand in Europa. Es folgten Deutschland mit 196.000 und Frankreich mit 185.000 Punkten. In der EU kamen ungefähr elf Elektrofahrzeuge auf einen öffentlichen Ladepunkt. Die Kapazität betrug allerdings nur rund 3 kW je elektrischem leichten Fahrzeug und lag damit unter dem weltweiten Mittel.
In den USA waren es 33 elektrische leichte Fahrzeuge je öffentlichem Punkt und etwas mehr als 1,5 kW je Fahrzeug. Die IEA verweist zugleich auf den größeren Zugang zum Laden zu Hause. Ohne diese private Infrastruktur einzubeziehen, lässt sich aus der öffentlichen Statistik nicht die gesamte Alltagstauglichkeit für die Besitzer ableiten.
Was hinter den neun Minuten bei Denza steht
BYD nennt in der europäischen Produktinformation vom 8. April 2026 für den Z9GT und FLASH Charging fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent sowie neun Minuten von zehn auf 97 Prozent. Bei −30°C sollen 20 bis 97 Prozent in zwölf Minuten möglich sein. Es handelt sich um Herstellerangaben und nicht um Messungen von Carboratory.
Dasselbe Dokument ordnet die Leistung von bis zu 1.500 kW über einen einzelnen Anschluss ausdrücklich dem chinesischen Markt zu. Dieser Zusatz darf bei einer Darstellung für Europa nicht entfallen. Die Angabe verspricht diese Leistung somit nicht pauschal für jeden europäischen Standort und jede Fahrzeugkonfiguration.
Auch das Ladefenster muss erhalten bleiben. Zehn bis 97 Prozent sind nicht dasselbe wie ein Vergleich von zehn bis 80 Prozent, und 97 Prozent sind keine vollständigen 100 Prozent. Anfang und Ende der Sitzung, Temperatur, passende Hardware und die Kompatibilität des Autos gehören zu einer belastbaren Gegenüberstellung. Ein anderes Elektroauto erhält durch den Anschluss an ein leistungsfähigeres Gerät nicht automatisch die für den Denza genannte Fähigkeit.
Zugang und Bezahlung sind weitere Teile der Erfahrung
Die IEA schätzt den privaten Bestand für 2025 auf mehr als 43 Millionen Ladepunkte weltweit. Für Fahrer mit dieser Möglichkeit bleibt das Laden zu Hause wegen der Bequemlichkeit und der relativen Kosten attraktiv. Eine kurze Ladepause auf der Autobahn ersetzt nicht die fehlende Möglichkeit, das Fahrzeug im Wohnumfeld regelmäßig zu versorgen.
In der EU behandelt der AFIR-Rahmen neben dem Ausbau auch transparente Preise, die Bezahlung ohne Abonnement und Informationen über die Verfügbarkeit. Diese Ziele sind keine Bescheinigung, dass jeder bestehende Punkt bereits ohne Probleme funktioniert. Vor dem Kauf bleiben deshalb konkrete Prüfungen nötig: die tägliche Lademöglichkeit, passende Anschlüsse auf häufigen Fernstrecken und die Tarife der dortigen Betreiber.
Symbolbild einer Mercedes-Benz-Ladestation; keine FLASH-Charging-Anlage und kein Denza-Ladetest. Mohamed B. / Pexels · Pexels License.



