Hyundai prüft in Australien weiterhin ein Wasserstoffauto für den Personenverkehr. Entscheidend bleibt dabei, genügend Kunden zu finden. Das erklärt Scott Nargar, bei Hyundai Australia für künftige Mobilität und Regierungsbeziehungen zuständig. Seine Aussagen betreffen die australische Marktentscheidung. Sie bestätigen weder eine zusätzliche weltweite Modellpremiere noch ein neues Verkaufsangebot für Deutschland.
Im Gespräch mit CarExpert räumt Nargar auch einen Kostennachteil gegenüber batterieelektrischer Technik ein. Zugleich verweist er auf vorhandene Interessenten. Die Aussage lässt sich deshalb nicht sinnvoll mit einer weltweit vollständig fehlenden Nachfrage gleichsetzen. Offen ist vielmehr, ob genügend Kunden unter den jeweiligen Bedingungen ein solches Fahrzeug tatsächlich kaufen und nutzen können.
Welches Modell geprüft wird, bleibt unklar
CarExpert benennt ausdrücklich eine offene Frage: Gemeint sein könnte der aktuelle NEXO der neuen Generation oder ein anderes, noch nicht öffentlich vorgestelltes Wasserstoffmodell. Aus dem Interview lässt sich keine bestätigte zusätzliche NEXO-Generation ableiten. Diese Unsicherheit gehört zur Nachricht und sollte nicht durch eine eindeutiger klingende Produktankündigung ersetzt werden.
Ein Bestellvolumen, eine quantitative Nachfrageuntersuchung und einen verbindlichen australischen Auslieferungstermin enthält das Gespräch ebenfalls nicht. Die Einschätzung eines lokalen Verantwortlichen beschreibt Bedingungen für ein Programm, aber keine weltweite Verkaufsstatistik. Für Käufer müssten daraus erst ein konkretes Angebot, eine klar bezeichnete Fahrzeugversion und belastbare Informationen zur Betreuung vor Ort werden.
Der NEXO fährt mit einem 150-kW-Elektromotor
Hyundais ausführliche Mitteilung vom 11. November 2025 beschreibt einen elektrischen SUV mit Brennstoffzelle. Gespeicherter Wasserstoff dient dazu, im Fahrzeug Strom zu erzeugen. Der Antrieb ist damit von einem Verbrennungsmotor zu unterscheiden, der Wasserstoff als Kraftstoff verbrennt. Diese technische Trennung ist wichtig, wenn Verbrauch, Reichweite und Leistungsangaben verglichen werden.
Der Fahrmotor leistet 150 kW und liefert 350 Nm Drehmoment. Zum System gehört eine Hochvoltbatterie mit 2,64 kWh Energieinhalt und 80 kW Leistung. In drei Tanks lassen sich bis zu 6,69 kg nutzbarer Wasserstoff speichern; ihr gemeinsames Innenvolumen beträgt 162,6 Liter. Die Batteriekapazität allein beschreibt daher nicht den gesamten verfügbaren Energievorrat des Fahrzeugs.
Weitere Leistungswerte beziehen sich auf andere Teile des Antriebs. Hyundai nennt 110 kW Bruttoleistung für den Brennstoffzellenstapel und 94 kW netto für das Brennstoffzellensystem, nachdem dessen Nebenverbraucher berücksichtigt sind. Daneben stehen 190 kW für das Gesamtsystem. Wer diese Zahl als Leistung des Fahrmotors übernimmt, vergleicht unterschiedliche Größen miteinander; dessen Angabe bleibt 150 kW.
Die offiziell genannten 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h stammen aus internen Tests. Die zugehörige Fußnote nennt ein koreanisches Fahrzeug mit 18-Zoll-Rädern und GL-Ausstattung. Damit handelt es sich um eine Herstellerangabe unter benannten Bedingungen, nicht um einen von Carboratory selbst ermittelten Beschleunigungswert eines deutschen Serienfahrzeugs.
Die Reichweitenzahl gilt nicht pauschal für jede Variante
Die Mitteilung aus November 2025 nennt eine geschätzte WLTP-Reichweite von 826 km für das europäische Modell mit 18-Zoll-Rädern. Nach Hyundai beruht die Schätzung auf der zertifizierten Speicherkapazität und zertifizierten Effizienzdaten. Das ist weder ein eigener Straßentest dieser Redaktion noch eine Zusage für jede Geschwindigkeit, Beladung und Außentemperatur.
Als geschätzten Verbrauch führt das Dokument 0,81 kg/100 km mit 18-Zoll-Rädern und 0,89 kg/100 km mit 19-Zoll-Rädern auf. In den Hinweisen erklärt der Hersteller, dass die Verbrauchswerte zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht endgültig waren. Diese Einschränkung muss erhalten bleiben, wenn aus den Angaben eine mögliche Kraftstoffrechnung abgeleitet wird.
Für eine belastbare Kostenbetrachtung braucht der Interessent außerdem den tatsächlich verlangten Wasserstoffpreis einer für ihn nutzbaren Station. Eine Reichweitenangabe liefert diesen Preis nicht. Auch der Weg zur Tankstelle gehört zur praktischen Nutzung, selbst wenn er in einer technischen Tabelle mit Verbrauchs- und Leistungswerten nicht auftaucht.
Fünf Minuten an der Zapfsäule sind nicht die gesamte Versorgung
Hyundai verbindet die ungefähr fünfminütige Betankung mit einer Befüllung von mehr als 95 Prozent. Druck und Temperatur der Station, die verbleibende Kraftstoffmenge sowie die Wetterbedingungen können die Dauer beeinflussen. Die Zeitangabe umfasst weder die Anfahrt noch eine Warteschlange oder eine unterbrochene Belieferung der Tankstelle.
Wie relevant die Versorgung ist, zeigen Hyundais eigene Hinweise für NEXO-Halter in den USA. Bei einer größeren Netzstörung, durch die örtliche Stationen keinen Kraftstoff mehr anbieten können, sollen Kunden einen autorisierten NEXO-Händler kontaktieren. Abhängig von Dauer und Umfang könne dieser Ersatzmobilität organisieren, beispielsweise einen kostenlosen Mietwagen.
Das ist eine amerikanische Unterstützungsregelung. Ein deutscher Käufer kann daraus keinen automatisch geltenden Anspruch ableiten. Das Beispiel zeigt jedoch eine konkrete Nutzungseinschränkung: Ein technisch einwandfreies Auto kann ohne verfügbaren Wasserstoff trotzdem nicht eingesetzt werden. Ein Standort auf einer Tankstellenkarte bestätigt für sich genommen weder öffentliche Zugänglichkeit noch Öffnungszeiten oder aktuellen Vorrat.
Die kleine Batterie im Fahrzeug hebt diese Abhängigkeit nicht auf. Der NEXO darf nicht wie ein batterieelektrisches Auto betrachtet werden, das bei fehlendem Wasserstoff einfach regulär zu Hause geladen wird. Vor einem Kauf müssen die benötigten Tankmöglichkeiten sowie die Unterstützung für die konkrete Fahrzeugversion überprüft werden. Das australische Interview legt dafür keine neuen deutschen Verkaufs- oder Wartungsbedingungen fest.
BMW und Stellantis ziehen unterschiedliche Konsequenzen
BMW kündigte im September 2025 Vorbereitungen für die Fertigung von Brennstoffzellensystemen der dritten Generation in Steyr ab 2028 an. Der Antrieb wird gemeinsam mit Toyota entwickelt. Das belegt die Fortsetzung eines industriellen Programms. Der genannte Produktionsbeginn ist aber ein Unternehmensplan und keine Bestätigung, dass ein entsprechendes Modell bereits heute überall bestellt werden kann.
Stellantis erklärte dagegen am 16. Juli 2025 das Ende seines Entwicklungsprogramms für Brennstoffzellentechnik. Als Gründe nannte der Konzern begrenzte Tankinfrastruktur, hohen Kapitalbedarf und notwendige stärkere Kaufanreize. Die für jenes Jahr geplante neue Pro-One-Baureihe mit Wasserstoffantrieb wurde abgesagt. Diese Entscheidung betrifft leichte Nutzfahrzeuge und misst nicht unmittelbar die Nachfrage nach einem Hyundai-SUV.
Für Hyundais australische Prüfung bleibt somit eine klar umrissene Geschäftsfrage offen. Die Technik des NEXO ist detailliert beschrieben. Ob daraus ein tragfähiges Angebot wird, hängt zusätzlich von verlässlichen Tankmöglichkeiten, den örtlichen Kosten und einer ausreichend großen zahlenden Kundschaft ab.
Foto: Hyundai Motor Company. Offizielles Bildmaterial zur redaktionellen Nutzung.



