Mark Walter prüft laut Sportico einen Verkauf seiner Beteiligung am Cadillac-Team in der Formel 1. Die am 2. November veröffentlichte Recherche nennt eine Preisvorstellung, die umgerechnet mindestens rund 2,68 Milliarden Euro entspricht. Ein Käufer mit vereinbarten Konditionen oder ein unterzeichneter Kaufvertrag wird darin nicht bekannt gegeben.
Die Nachricht steht neben einer früheren öffentlichen Erklärung von TWG Global. Im August hatte die Gruppe erklärt, einen Ausstieg aus ihrer Cadillac-F1-Beteiligung nicht zu erwägen. Damit liegen eine damalige Unternehmensposition und eine neue, auf Quellen gestützte Recherche vor. Ein vollzogener Eigentümerwechsel lässt sich aus den genannten Unterlagen nicht ableiten.
Was die Preisvorstellung aussagt
Sportico-Reporter Kurt Badenhausen beruft sich auf drei mit dem Vorgang vertraute Personen und berichtet von mindestens sieben Interessenten. Daraus werden nicht automatisch sieben verbindliche Gebote. Der Artikel nennt auch keinen Investor, der den geforderten Betrag bereits akzeptiert hätte. Die Unterscheidung zwischen Interesse, Verhandlung und Abschluss bleibt deshalb für die Einordnung notwendig.
Der Eurobetrag basiert auf dem Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 3. November 2026: Ein Euro entsprach 1,1179 USD. Die Umrechnung dient der Orientierung und macht aus der ursprünglich in US-Währung genannten Forderung kein vertragliches Euroangebot. Ebenso wenig handelt es sich um einen durch einen abgeschlossenen Verkauf bestätigten Unternehmenswert.
Walter kontrolliert das Team über TWG Global und dessen Sparte TWG Motorsports. Sportico beschreibt eine Partnerschaft mit General Motors und Cadillac, weist aber darauf hin, dass die genaue Eigentumsaufteilung nicht bekannt ist. Welcher konkrete Prozentsatz verkauft werden könnte und welche Erlöse einzelnen Partnern zustünden, bleibt damit offen.
Diese fehlende Angabe verhindert auch eine einfache Bewertung jeder einzelnen Beteiligung. Der Wert des gesamten Teams, der Preis eines bestimmten Anteils und frisches Kapital für den Rennbetrieb sind unterschiedliche Größen. Erst eine offengelegte Transaktionsstruktur würde zeigen, ob Geld an einen Verkäufer, in das Unternehmen oder auf mehreren Wegen fließen soll.
Die Erklärung vom 25. August
TWG Global veröffentlichte am 25. August 2026 über Business Wire eine Stellungnahme zu Entwicklungen innerhalb der Gruppe. Darin erklärte das Unternehmen, keinen Ausstieg aus dem Cadillac-Formel-1-Team oder anderen Teilen von TWG Motorsports zu erwägen. Diese Aussage ist eine offizielle Position mit einem konkreten Datum, keine Mitteilung über eine spätere Transaktion.
Im selben Dokument erklärte TWG, dass die Gruppe und ihre Partner regelmäßig Interesse von potenziellen Käufern und Mitinvestoren erhielten und ernsthafte Angebote prüften. Kontakte zu Investoren und ein geplanter Ausstieg wurden also schon in der damaligen Erklärung voneinander unterschieden. Allein eine Anfrage würde noch keinen Verkaufsbeschluss belegen.
Sportico zufolge reagierte TWG nicht unmittelbar auf die Bitte um einen Kommentar zum jetzt beschriebenen Verfahren. Eine ausgebliebene Antwort bestätigt keinen Vertrag. Für die Berichterstattung müssen daher die August-Erklärung und die November-Recherche getrennt bleiben, solange die beteiligten Parteien selbst keinen Eigentumsübergang bekannt geben.
Die Zulassung zum Starterfeld
Am 7. März 2025 genehmigten FIA und Formel 1 den Antrag von General Motors und TWG Motorsports, ab 2026 ein Cadillac-Team in die Weltmeisterschaft zu bringen. Die gemeinsame Erklärung verwies auf abgeschlossene sportliche, technische und kommerzielle Prüfungen. Diese Aufnahme in die Serie ist unabhängig von der Frage, welche Anteilseigner später beteiligt sein könnten.
Im Februar 2026 stellte Cadillac die schwarz-weiße Rennlackierung vor und nannte in der offiziellen Mitteilung Sergio Pérez und Valtteri Bottas. Der Hersteller erinnerte außerdem an den ersten Shakedown in Silverstone am 16. Januar und die anschließende Vorbereitung in Barcelona. Das sind dokumentierte Schritte der sportlichen Vorbereitung, keine Angaben zu einem aktuellen Kaufinteressenten.
Das für diesen Artikel verwendete Bild illustriert das Cadillac-Projekt und ist nicht als Aufnahme einer Vertragsunterzeichnung zu verstehen. Aus einer Fahrzeugpräsentation lässt sich weder der Stand von Verhandlungen noch die Zustimmung eines Partners zu einer neuen Eigentumsstruktur erkennen. Bilddatum und Datum der Finanzrecherche erfüllen unterschiedliche Zwecke.
Aufbaukosten sind kein Verkaufsgewinn
Sportico beziffert die Verwässerungsgebühr für den Einstieg auf umgerechnet etwa 403 Millionen Euro und weitere Aufbauinvestitionen auf mindestens rund 895 Millionen Euro, jeweils zum selben Orientierungskurs. Die Zahlen stammen aus der Recherche. Sie beschreiben verschiedene Ausgabenkategorien und sind keine zusammen mit einem Kaufvertrag veröffentlichten geprüften Jahresabschlüsse.
Eine Subtraktion dieser Beträge von der Preisvorstellung würde keinen belastbaren Gewinn ergeben. Dazu fehlen unter anderem die Größe des verkauften Anteils sowie vollständige Angaben zu Schulden, Liquidität und Verpflichtungen. Auch ein Erlös für einen bisherigen Eigentümer wäre nicht automatisch ein zusätzlicher Entwicklungsetat für das Team.
Der GM-Antrieb hat einen eigenen Zeitplan
Die technische Zusammenarbeit mit Ferrari wurde im Dezember 2024 für die Lieferung von Antriebseinheiten und Getrieben ab 2026 angekündigt, zunächst unter dem Vorbehalt der genehmigten Einschreibung. Die Marke Cadillac auf dem Auto bedeutet deshalb nicht, dass General Motors bereits den eingesetzten Rennmotor selbst herstellt.
Am 23. April 2025 genehmigte die FIA GM Performance Power Units LLC als Antriebshersteller ab 2029. Das Unternehmen wurde von TWG Motorsports und General Motors gegründet. Die FIA erklärte, dass Cadillac Ferrari-Antriebe nutzt, bis die GM-Motoren für den Renneinsatz homologiert sind. Die Zulassung eines Lieferanten und die Homologation seines konkreten Produkts bleiben getrennte Schritte.
Die Meldung über mögliche Anteilsverkäufe kündigt keine Einstellung dieses Programms an. Für einen bestätigten Eigentümerwechsel wären stattdessen Käufer, Beteiligungsumfang und Vertragsstatus erforderlich. Solange diese Angaben fehlen, bleibt es bei einer berichteten Prüfung eines Verkaufs, ohne angekündigte Änderung der Preise, Garantien oder Vertriebsbedingungen für Cadillac-Straßenfahrzeuge.
Foto: Jason Puddephatt / Wikimedia Commons, Silverstone, 4. Juli 2026, CC BY-SA 4.0. Verkleinert und in WebP konvertiert; das abgeleitete Bild behält dieselbe Lizenz.
Quellen
- Sportico: ursprüngliche Recherche vom 2. November
- TWG Global: Unternehmenserklärung vom 25. August
- FIA / Formula 1: Genehmigung des Einstiegs ab 2026
- FIA: GM-Zulassung als Lieferant ab 2029
- Formula 1 / Ferrari: Ferrari-Liefervereinbarung
- Cadillac / GM: offizielle Lackierungspräsentation im Februar
- BCE / ECB: Referenzkurs vom 3. November 2026



