BMW Brilliance Automotive soll in Shenyang rund 1.800 Stellen abbauen. Das berichtet CnEVPost am 3. November unter Berufung auf AI4Robo und Aussagen mehrerer Beschäftigter. Die Maßnahmen sollen am 2. November begonnen haben und vor allem die Produktion betreffen. Umfang, Zeitplan und Abfindungsbedingungen sind in den genannten Unterlagen nicht öffentlich vom Unternehmen bestätigt.

BMW selbst hat inzwischen eine Beschleunigung seiner Struktur- und Portfoliomaßnahmen angekündigt. Die Finanzmitteilung vom 4. November liefert dazu neue offizielle Zahlen. Sie benennt jedoch nicht die berichteten 1.800 chinesischen Stellen und ordnet sie keinem bestimmten weltweiten Programm zu. Diese Trennung ist für die Bewertung der Nachricht wesentlich.

Was Beschäftigte über den Abbau berichten

Nach der Darstellung von CnEVPost stützt sich AI4Robo auf mehrere Mitarbeiter. Betroffen seien sowohl P-Stellen in der Produktion als auch G-Stellen in Büro und Management. Der überwiegende Teil entfalle auf Produktionsaufgaben. Eine offizielle vollständige Aufstellung der Abteilungen oder der betroffenen Vertragsarten liegt damit noch nicht vor.

Die berichtete Abfindungsformel lautet N+5. Für den Bestandteil N werde das monatliche Bruttoentgelt herangezogen, während die fünf zusätzlichen Monate auf dem Grundgehalt ohne leistungsabhängige und weitere Vergütungsbestandteile beruhten. Das sind Angaben aus Beschäftigtenaussagen und kein veröffentlichtes Arbeitgeberdokument, das die Bedingungen für sämtliche Einzelfälle bestätigt.

Auch die häufig genannte Größenordnung von etwa zehn Prozent der Belegschaft ist eine Näherung. CnEVPost verweist auf eine Gewerkschaftsliste vor dem Abbau mit mehr als 19.000 Beschäftigten. Aus gerundeten Angaben mit eigenen Zeitbezügen lässt sich kein exakter neuer Personalstand berechnen. Mehrere Medienberichte, die dieselbe Recherche übernehmen, sind zudem keine voneinander unabhängigen Bestätigungen.

Die chinesischen Auslieferungen haben einen anderen Umfang

Die Verkaufsmitteilung von BMW vom 13. Oktober nennt für BMW und MINI in der Vertriebsregion China 376.128 Auslieferungen von Januar bis September 2026. Das entspricht einem Rückgang von 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im dritten Quartal waren es 114.355 Fahrzeuge, ein Minus von 24,8 Prozent. Diese Zahlen sind offiziell veröffentlicht, betreffen aber zwei Marken in einer Absatzregion.

Sie bilden nicht die Fertigungsmenge eines einzelnen Werks in Shenyang ab. Ebenso wenig lässt sich daraus die Produktivität eines BBA-Mitarbeiters oder die Auslastung jeder Linie direkt bestimmen. BMW kennzeichnete die Auslieferungszahlen außerdem als vorläufig und bis zur Veröffentlichung des Jahresberichts grundsätzlich veränderbar. Absatz, Produktion und Beschäftigtenzahl sollten deshalb nicht gleichgesetzt werden.

Für die weltweiten Automobilauslieferungen verwendet die Finanzmitteilung vom 4. November leicht aktualisierte Gesamtwerte: 551.075 Fahrzeuge im dritten Quartal und 1.707.802 nach neun Monaten. Die Rückgänge betragen 6,3 beziehungsweise 4,9 Prozent. Das Wachstum von 4,5 Prozent in Europa und 3,4 Prozent in den USA über neun Monate glich die Belastung aus China nur teilweise aus.

Jahresprognose und Quartalsergebnis unterscheiden sich

BMW erwartet für das Segment Automobile 2026 nun eine EBIT-Marge zwischen minus 0,5 und plus 0,5 Prozent. Zuvor lag die Prognose bei ein bis drei Prozent. Das Unternehmen begründet die Anpassung mit ausgeweiteten Struktur- und Portfoliomaßnahmen, die das vierte Quartal belasten. Vor diesen Maßnahmen wird für das Gesamtjahr weiterhin eine Marge von mehr als zwei Prozent erwartet.

Diese Prognose beschreibt einen anderen Zeitraum als die bereits berichteten Ergebnisse. Die EBIT-Marge des Automobilsegments betrug im dritten Quartal 3,4 Prozent und nach neun Monaten 3,5 Prozent. EBIT bezeichnet das Ergebnis vor dem Finanzergebnis; die Marge setzt es ins Verhältnis zum Umsatz. Der neue Jahreskorridor belegt daher keinen aktuellen Verlust an jedem Standort.

Das Konzernergebnis vor Steuern lag bei 2,083 Milliarden Euro im dritten Quartal und 6,128 Milliarden Euro nach neun Monaten. Diese EBT-Werte beziehen sich auf den gesamten Konzern und sind nicht mit dem EBIT des Automobilsegments identisch. Sie dürfen weder als Ergebnisrechnung des Standorts Shenyang noch als berechnete Einsparung aus dem berichteten Stellenabbau dargestellt werden.

In Shenyang startet zugleich neue Batteriefertigung

Am 15. Oktober meldete BMW den Beginn der Serienproduktion von Gen6-Hochvoltbatterien in Shenyang. Nach Debrecen in Ungarn und Irlbach-Straßkirchen in Deutschland ist dies der dritte Standort im entsprechenden weltweiten Netzwerk. Die vor Ort gefertigten Batterien sind für Neue-Klasse-Modelle vorgesehen, die in China gebaut werden. Das ist eine bestätigte industrielle Aktivität, unabhängig vom Personalbericht.

Das beschriebene Cell-to-Pack-Konzept integriert Rundzellen direkt in das Batteriegehäuse und verzichtet auf die herkömmliche Modulebene. Der auf der Batterie montierte Energy Master bündelt Funktionen der Stromversorgung und des Batteriemanagements. Zur Fertigung gehören Zellprüfungen, die Verbindung mit Kühleinheiten, Schweißprozesse und eine abschließende Prüfung jeder fertigen Hochvoltbatterie.

Die Mitteilung erklärt nicht, wie sich Beschäftigte auf ältere und neue Linien verteilen oder welche Wechsel zwischen diesen Bereichen stattfinden. BMW beschreibt digitale Zwillinge, Datenanalyse und KI-gestützte Kontrollen, veröffentlicht aber keinen zahlenmäßigen Zusammenhang zum berichteten Personalabbau. Daraus lässt sich Automatisierung nicht als bewiesene Ursache der angeblichen 1.800 Stellenstreichungen ableiten.

Was eine lokale Bestätigung klären müsste

Die Finanzmitteilung vom 4. November nennt weiterhin den für November vorbereiteten chinesischen Marktstart des iX3 mit langem Radstand. Auf Konzernebene ermöglicht der schnellere Hochlauf der Neuen Klasse laut BMW, frühere Fahrzeug- und Technologiegenerationen teilweise früher auslaufen zu lassen. Eine Schließung des gesamten Standorts Shenyang wird in diesem Dokument nicht angekündigt.

Für eine abschließende Einordnung des lokalen Programms wären eine bestätigte Stellenzahl, ein Zeitplan und konkrete Abfindungsbedingungen erforderlich. Bis dahin bleiben diese Angaben ein entsprechend zugeschriebener Medienbericht. Änderungen an Garantien, europäischen Verkaufspreisen oder individuellen Lieferterminen von Straßenfahrzeugen werden damit nicht angekündigt; für einen konkreten Kauf gelten weiterhin die jeweiligen Vertragsunterlagen.

Foto: BMW Group, Luftaufnahme des Motoren- und Hochvoltbatteriewerks Shenyang, Oktober 2026. Offizielles Pressebild, in WebP umgewandelt.

Quellen