Dacia wird die Fahrzeugproduktion im Werk Mioveni im Oktober für vier aufeinanderfolgende Tage unterbrechen. Das Unternehmen bestätigte die Maßnahme, nachdem die Beschäftigten darüber informiert worden waren, dass die geringere Nachfrage eine Anpassung des Produktionsplans erforderlich macht. Es handelt sich um eine vorübergehende betriebliche Entscheidung und nicht um die Ankündigung einer Werksschließung oder eines Produktionsendes für ein aktuelles Modell.

Die Pause fällt in ein Jahr mit geringeren Dacia-Volumen in Rumänien und rückläufigen Verkäufen auf mehreren europäischen Märkten. Der Dacia-Chef erwartet für 2026 einen zweistelligen Rückgang der Produktion in Mioveni. Als Hintergrund gilt die schwächere Nachfrage nach klassischen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, während der Absatz von Elektroautos in Europa wächst. Auch der rumänische Neuwagenmarkt ist in den ersten acht Monaten geschrumpft.

Was von der Pause betroffen ist

Die interne Mitteilung bezieht sich auf vier zusammenhängende Oktobertage. Die industrielle Plattform von Mioveni besteht aus mehr als der Fahrzeugmontage. Zu ihr gehören die Bereiche Presswerk, Karosseriebau, Fahrwerk, Lackiererei und Montage sowie Logistik- und Komponentenaktivitäten für andere Renault-Werke.

Die verfügbaren Informationen betreffen die Fertigung kompletter Fahrzeuge. Daraus folgt nicht, dass sämtliche Bereiche der Plattform gleichzeitig stillstehen. Arbeitszeiten und Ansprüche der Beschäftigten werden durch die interne Mitteilung und den Tarifvertrag geregelt. Dacia hat die Pause nicht als dauerhafte Verringerung der Werkskapazität beschrieben.

Nach dem angekündigten Zeitraum soll die Montage wieder aufgenommen werden. Das Tempo in den folgenden Monaten hängt von den Bestellungen des Händlernetzes und von der Nachfrage in den von Mioveni belieferten Märkten ab. Die vier Tage sind deshalb zunächst ein kurzfristiger Eingriff in den Produktionskalender, keine vollständige Aussage über die Zukunft des Standorts.

Mehr als 14 Prozent weniger Produktion

Die bis Ende August verfügbaren Zahlen zeigen 159.200 in Mioveni gebaute Fahrzeuge in den ersten acht Monaten 2026. Das sind mehr als 30.000 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Rückgang liegt über 14 Prozent. Er erklärt, warum die Werksleitung die Fertigung enger an die tatsächlich vorhandenen Bestellungen anpassen muss.

Der rumänische Automobilherstellerverband ACAROM meldete für die beiden Fahrzeugwerke des Landes 319.750 produzierte Autos von Januar bis August 2026. Dacia fertigte 169.014 Fahrzeuge in Mioveni, Ford Otosan 150.736 Fahrzeuge in Craiova. Die gesamte rumänische Produktion lag damit 7,8 Prozent unter dem Vergleichswert von 2025.

Die Monatswerte müssen im Zusammenhang mit dem Werkskalender betrachtet werden. Im Juli produzierte Dacia in Mioveni 25.869 Fahrzeuge. Im August waren es 3.741 Einheiten, während Ford Otosan in Craiova 8.866 Fahrzeuge montierte. Der August umfasst normalerweise Urlaubs- und Wartungszeiten. Ein einzelner Monat eignet sich daher nur eingeschränkt, um Kapazität oder Jahresnachfrage zu beurteilen.

Der rumänische Markt wird kleiner und elektrischer

ACAROM registrierte in Rumänien von Januar bis August 2026 insgesamt 86.142 neue Pkw. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es 95.843 Fahrzeuge. Der Rückgang beträgt 10,12 Prozent. Allein im August wurden 9.552 neue Pkw zugelassen, 36,85 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Die Entwicklung fällt nach Antriebsart unterschiedlich aus. Die Zulassungen vollelektrischer Autos stiegen um 50 Prozent auf 7.018 Einheiten. Hybride kamen auf 49.282 Fahrzeuge, ein Plus von 2,1 Prozent. Die Zahl der Benziner sank um 31,3 Prozent, bei Dieselfahrzeugen betrug der Rückgang 39,7 Prozent.

Dacia blieb im Zeitraum Januar bis August mit 17.114 Neuzulassungen die meistzugelassene Marke in Rumänien. Marktführerschaft verhindert jedoch keinen Produktionsrückgang, wenn der Gesamtmarkt schrumpft, sich die Antriebsmischung verändert oder Händlerbestellungen und Auslieferungen anders über die Monate verteilt werden.

Im ersten Halbjahr 2026 meldete die Renault Group 327.077 Dacia-Verkäufe, 8,1 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Der Konzern nannte das Wachstum elektrifizierter Fahrzeuge und die zunehmende Präsenz chinesischer Marken in Europa als Teile des Marktumfelds. Gleichzeitig trugen Duster und Bigster zum starken Wachstum der Dacia-Hybridverkäufe bei.

Duster und Bigster werden weiter in Mioveni gebaut

Auf der offiziellen Dacia-Seite zur Industrieplattform werden Duster und Bigster als in Mioveni produzierte Modelle genannt. Das Fahrzeugwerk beschäftigt mehr als 6.000 Menschen und gibt eine Kapazität von 1.160 Autos pro Tag in drei Schichten an. Mehr als 88 Prozent der Produktion gehen in den Export.

Mioveni fertigt außerdem Teile für andere Renault-Werke, in denen Logan, Sandero und Duster montiert werden. Dacia nennt unter anderem Frankreich, Marokko, Slowenien, die Türkei, Brasilien, Kolumbien, Indien, Südafrika, Algerien und Argentinien als Zielmärkte für diese Komponenten. Diese Logistik- und Teileproduktion ist nicht mit den von ACAROM ausgewiesenen fertigen Fahrzeugen gleichzusetzen.

Die Renault Group berichtet, dass das Werk Ende 2025 insgesamt acht Millionen Dacia-Fahrzeuge produziert hatte. Im Jahr 2026 entstand in Mioveni der 100.000. Bigster. Die Meilensteine zeigen die industrielle Bedeutung des Standorts, garantieren aber nicht automatisch gleichbleibende Produktionsvolumen in der Zukunft.

Eine Pause ist keine Werksschließung

Eine vorübergehende Unterbrechung wegen geringerer Bestellungen ist von einer dauerhaften Schließungsentscheidung zu unterscheiden. Dacia baut die aktuellen Generationen von Duster und Bigster weiterhin in Mioveni und hat keinen Abzug dieser Programme aus Rumänien angekündigt. Die Oktoberpause entscheidet auch nicht darüber, wo die nächsten Generationen produziert werden.

Für das Werk geht es kurzfristig darum, die Zahl der montierten Fahrzeuge an die Bestellungen der Händler und Exportmärkte anzupassen. Für Beschäftigte und Zulieferer kann ein geringeres Volumen veränderte Schichten oder freiwillige Maßnahmen bedeuten. Die konkreten Folgen hängen von den Unternehmensentscheidungen und den Bestellungen in den kommenden Monaten ab.

Dacia verfolgt parallel Energieprojekte. Im September kündigte das Unternehmen eine Photovoltaikanlage für den Eigenverbrauch am Standort Mioveni an, die über den rumänischen Modernisierungsfonds europäisch unterstützt wird. Das Projekt verursacht die Produktionspause nicht, zeigt aber, dass der Standort weiterhin Teil der industriellen Pläne der Renault Group ist.

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