Bild: Dacia-Sandriders-Pressematerial. Die Nutzungsrechte sollten vor einer Wiederveröffentlichung geprüft werden.
Dacia Sandriders beendete die Rallye Marokko 2026 weiterhin an der Spitze der Herstellerwertung der FIA World Rally-Raid Championship. Das sportliche Ergebnis blieb jedoch deutlich hinter dem Tempo zurück, das das Team zu Beginn gezeigt hatte. Alle drei Sandrider erreichten das Ziel, aber technische Defekte, ein Unfall und ein beschädigtes Fahrwerk verhinderten den Kampf um den Gesamtsieg.
Lucas Moraes und Pablo Moreno fuhren auf der letzten Etappe die drittschnellste Zeit: 3 Stunden, 19 Minuten und 43 Sekunden für die 275,3 Kilometer lange Sonderprüfung. Nasser Al-Attiyah und Fabian Lurquin wurden in 3 Stunden, 20 Minuten und 26 Sekunden Fünfte. Sébastien Loeb und Édouard Boulanger kamen nach einer Beschädigung der Vorderachse und einem Abschleppvorgang nur auf Rang 38.
Die Dacia-Platzierungen
Die von Dacia veröffentlichte vorläufige Ultimate-Wertung führt Al-Attiyah und Lurquin auf Rang 16, 1 Stunde, 44 Minuten und 1 Sekunde hinter dem Sieger. Moraes und Moreno belegten Rang 31 mit einem Rückstand von 14 Minuten und 2,47 Sekunden. Loeb und Boulanger wurden 36., mit 21 Stunden, 39 Minuten und 19 Sekunden Rückstand.
Diese Positionen zeigen nicht das gesamte Tempo der Sandrider. Moraes begann die Rallye als Zweiter, nur drei Sekunden hinter dem Tagessieger, und übernahm nach der zweiten Etappe die Gesamtführung. In der dritten Etappe änderte ein Unfall in den letzten 15 Kilometern den Verlauf. Dacia erklärte, dass damit auch die Chance auf den dritten Marokko-Sieg in Folge verloren war.
Al-Attiyah verlor in der zweiten Etappe wegen eines Getriebeproblems viel Zeit. Der Fahrer aus Katar erreichte an jedem Tag das Ziel, konnte den Rückstand aber nicht mehr bis auf das Podium verkürzen. Loebs Rallye wurde von zwei elektrischen Problemen und schließlich vom Fahrwerksschaden am letzten Tag geprägt.
Loeb verliert die Meisterschaftsführung
Loeb und Beifahrer Édouard Boulanger waren als Führende der Fahrer- und Beifahrerwertung nach Marokko gekommen. Nach der Rallye führen die FIA-Tabellen Seth Quintero und Andrew Short mit jeweils 134 Punkten. Loeb liegt mit 120 Punkten auf Rang zwei, Boulanger ebenfalls. Al-Attiyah und Fabian Lurquin sind mit 115 Punkten Dritte.
Die Titel sind noch nicht entschieden. Die Saison 2026 endet erst mit der Abu-Dhabi-Rallye vom 22. bis 27. November. Quintero liegt 14 Punkte vor Loeb, während Loeb Al-Attiyah nur fünf Punkte voraus ist. Bei den Herstellern hat Dacia die bessere Ausgangslage: 372 Punkte gegenüber 326 für Toyota Gazoo Racing W2RC und 232 für Ford Racing.
Warum der Sieg verloren ging
Die Marokko-Rallye bestand für Dacia aus mehreren Situationen, in denen das Tempo für die Führung vorhanden war, aber kein entsprechendes Endergebnis entstand. Moraes war in den ersten beiden Tagen schnell und führte, bevor der Unfall seine Gesamtchancen beendete. Danach kam er mit Rang vier auf der vorletzten Etappe und Rang drei am letzten Tag zurück.
Loeb gewann die dritte Etappe und schien wieder um ein starkes Ergebnis kämpfen zu können. Auf der letzten Sonderprüfung lag der Franzose erneut in der Spitzengruppe, musste aber im Staub eines anderen Teilnehmers fahren. Kurz vor dem Ziel kam der Sandrider in eine schwierige Abfahrt zu einem trockenen Flussbett. Loeb verlangsamte, traf jedoch einen großen Stein und beschädigte die Vorderradaufhängung. Das notwendige Ersatzteil war nicht verfügbar, deshalb wurde das Fahrzeug bis zum Ziel geschleppt.
Im Rallye-Raid sind die Zeit einer Sonderprüfung und das Ergebnis der gesamten Rallye nicht dasselbe. Navigation, Staub, Reifen, Kühlung und Reparaturmöglichkeiten fernab des Serviceparks können ebenso wichtig sein wie die Geschwindigkeit. Dacia hatte das Tempo für mehrere Etappenführungen, verlor die entscheidenden Minuten aber in Momenten, in denen ein starkes Gesamtergebnis noch möglich war.
Der Blick nach Abu Dhabi
Dacia nimmt auch positive Punkte aus Marokko mit. Alle drei Fahrzeuge erreichten das Ziel, Moraes und Moreno zeigten das Potenzial ihrer neuen Zusammenarbeit, und Dacia bleibt Herstellerführer. Vor dem letzten Lauf kämpft das Team weiterhin um alle drei Titel.
Für Abu Dhabi muss Dacia Loebs elektrische Probleme, das Getriebe von Al-Attiyah und die Umstände von Moraes’ Unfall analysieren. Es handelt sich um unterschiedliche Probleme und nicht um eine einzelne Ursache für den gesamten Rückschlag. Die Vorbereitung muss deshalb sowohl den Sandrider als auch das Risikomanagement der Crews berücksichtigen.
Die Rallye Marokko ist damit eine Warnung vor dem Finale. Der Sandrider hatte die Geschwindigkeit für die Führung, aber die Meisterschaft wird auf den letzten Kilometern entschieden. In Abu Dhabi muss Dacia Leistung, Zuverlässigkeit und eine vorsichtigere Risikosteuerung verbinden. Die Herstellerführung bleibt bestehen, während die Fahrer- und Beifahrertitel offener sind als vor dem Start in Agadir.
Für das Team ist besonders wichtig, dass die drei Fahrzeuge trotz der Rückschläge das Ziel erreicht haben. Das liefert zusätzliche Daten für die Vorbereitung, auch wenn die Platzierungen keinen Podestkampf widerspiegeln. Die letzte Runde wird zeigen, ob Dacia die technischen Lehren aus Marokko schnell umsetzen kann.



