


Fotos: Automarket.
Die Dacia Sandriders haben die Rallye du Maroc 2026 mit dem zweiten Platz von Lucas Moraes und Pablo Moreno begonnen. Das brasilianisch-spanische Team beendete die erste Wertungsprüfung nur drei Sekunden hinter João Ferreira von Toyota Gazoo Racing SA. Damit bleibt Dacia direkt im Kampf um den Tagessieg und startet die vorletzte Runde der FIA Rallye-Raid-Weltmeisterschaft mit einem sehr kleinen Abstand an der Spitze.
Ferreira erhielt den Sieg nach einer Korrektur seiner Zeit, weil er angehalten hatte, um einem verunglückten Motorradfahrer zu helfen. Die offizielle Wertung der World Rally-Raid Championship führt den Portugiesen auf Platz eins, Moraes folgt mit drei Sekunden Rückstand. Mathieu Serradori wurde mit 16 Sekunden Rückstand Dritter, Mitch Guthrie komplettierte die ersten vier mit 1 Minute und 7 Sekunden Rückstand. Vier verschiedene Fahrzeuge belegten die ersten vier Plätze.
Moraes fährt erstmals mit Moreno
Für Lucas Moraes war die erste Etappe zugleich sein erster Auftritt bei der Rallye du Maroc mit Pablo Moreno. Der Spanier ersetzt Dennis Zenz, nachdem er zuvor an der Seite von Cristina Gutiérrez gefahren war. Die Änderung gehört zur Anpassung der Dacia-Sandriders-Fahrerbesetzungen für den Saisonendspurt 2026.
Moraes blieb auf einer Strecke mit Steinen, schnellen Abschnitten und Dünen im Tempo der Führenden. Der Staub eines anderen Teilnehmers kostete Zeit, doch der Dacia konnte das Fahrzeug in den Dünen überholen. Der Abstand von nur drei Sekunden im Ziel zeigt, wie stark jede kurze Verzögerung und jede Navigationsentscheidung das Ergebnis beeinflusste.
Der zweite Platz ist ein guter Start, entscheidet die Rallye aber nicht. Die Rallye du Maroc besteht aus fünf Etappen mit 1.575 Kilometern Wertungsprüfung und 2.524 Kilometern Gesamtdistanz. Die zweite Etappe umfasst eine 299 Kilometer lange Sonderprüfung. Ein Reifenschaden, ein Navigationsfehler oder ein technischer Defekt kann die Reihenfolge deshalb schnell verändern.
Elektrikproblem bei Sébastien Loeb
Für Sébastien Loeb und Édouard Boulanger verlief der Tag deutlich schlechter. Das französische Team lag bis ungefähr Kilometer 202 im Bereich der Zeit von Moraes, bevor der Dacia Sandrider wegen eines Elektrikproblems stehen blieb. Loeb versuchte, die 12-Volt-Batterie zu nutzen, um das andere System zu versorgen und das Fahrzeug wieder zu starten.
Die Lösung hielt nicht lange. Das Fahrzeug verlor Servolenkung und Motorkühlung. Das Team konnte nur noch auf einfacheren Abschnitten weiterfahren, bis es eine normale Straße erreichte. Loeb und Boulanger kamen ins Ziel, verloren aber mehr als zwei Stunden auf den Führenden. Nach der ersten Etappe liegt Loeb auf Rang 52 und kann die Gesamtwertung der Rallye nicht mehr gewinnen.
Der Ausfallversuch beeinflusst auch die Weltmeisterschaft. Loeb war vor dem Start Tabellenführer bei den Fahrern, während die Dacia Sandriders die Herstellerwertung anführten. Ein verspätetes Ergebnis beendet den Titelkampf nicht automatisch, verringert aber den verfügbaren Punktvorsprung. Im Rallye-Raid zählt die Summe der Ergebnisse über mehrere Tage.
Al-Attiyah fährt zunächst vorsichtig
Nasser Al-Attiyah und Fabian Lurquin beendeten die erste Etappe mit der achtbesten Zeit. Der Katarer gehört zu Loebs wichtigsten Rivalen und ging das erste Teilstück vorsichtig an. Eine bessere Startposition kann auf den nächsten Sonderprüfungen helfen, weil nachfolgende Fahrzeuge sichtbare Spuren nutzen und weniger Staub vor sich haben können.
Die Strategie hat jedoch einen Preis. Die verlorenen Minuten müssen auf einer Strecke aufgeholt werden, die schnelle Pisten, Steine, Dünen und anspruchsvolle Navigation verbindet. Al-Attiyah muss das Fahrzeug fünf Tage lang schonen und gleichzeitig Punkte für die W2RC-Wertung sammeln.
Vor Marokko hatten die Dacia Sandriders die Rallye Dakar im Januar und die Rally-Raid Portugal im März gewonnen. Beim Desafío Ruta 40 in Argentinien erreichten Al-Attiyah und Lurquin das Podium. Dacia hatte außerdem die Rallye du Maroc 2024 und 2025 gewonnen. Das erklärte Ziel vor dem Start war daher der dritte Sieg in Folge.
Der Sandrider im W2RC
Der Dacia Sandrider ist ein Prototyp für die Ultimate-Kategorie, die höchste Klasse im FIA-Rallye-Raid. Dacia nennt ein Stahlrohrchassis, eine Karbonkarosserie und Allradantrieb. Der Motor ist ein 3,0-Liter-V6 mit Biturboaufladung. Die Werksfahrzeuge nutzen nachhaltigen Kraftstoff von Aramco und BFGoodrich-Reifen.
In einem solchen Wettbewerb entscheidet nicht nur die Motorleistung. Navigation, Reifenmanagement, Temperaturkontrolle, Fahrwerk und die Fähigkeit, technische Probleme zu vermeiden, bestimmen ebenfalls das Ergebnis. Loebs Problem zeigt, dass ein hohes Tempo nach mehr als 200 Kilometern durch einen einzigen Defekt wertlos werden kann.
Die Rallye führt von Agadir nach Zagora, wo die vier verbleibenden Tage stattfinden. Moraes und Moreno starten die nächste Etappe auf Rang zwei, drei Sekunden hinter dem Führenden. Al-Attiyah muss aufholen, während Loeb den Schaden in der Weltmeisterschaft begrenzen muss.
Nach den längeren Dünen- und Navigationstagen wird die Gesamtwertung aussagekräftiger sein. Die erste Etappe hat gezeigt, dass Dacia die Geschwindigkeit für den Kampf um den Sieg besitzt. Gleichzeitig hat sie die Bedeutung der Zuverlässigkeit bestätigt. Moraes’ zweiter Platz ist eine gute Ausgangslage, aber keine Garantie für das Endergebnis.



