Gotion High-Tech wird rund 1,1 Milliarden Euro investieren, um 49 Prozent am Batterieprojekt von PowerCo in Valencia zu übernehmen. Die Vereinbarung mit dem Volkswagen-Konzern und seiner Batteriesparte baut eine seit 2020 bestehende Zusammenarbeit aus. Zusätzlich entstehen zwei Joint Ventures für LFP-Zellen und Kathodenmaterial in Europa.
Die Summe bezieht sich nicht auf eine neue Investition in die PowerCo-Fabrik im deutschen Salzgitter. Dort hat die Zellproduktion bereits begonnen. Die 1,1 Milliarden Euro sind Gotions Beitrag für den 49-Prozent-Anteil am noch im Bau befindlichen Projekt in Valencia. PowerCo behält 51 Prozent des Joint Ventures. Die Unternehmen nannten in ihrer Mitteilung nicht die gesamten Baukosten der spanischen Fabrik, sondern die Eigentumsstruktur und die mit der Transaktion verbundenen Beiträge.
Drei Standorte für die europäische Lieferkette
Die am 28. September 2026 angekündigte Vereinbarung umfasst drei Standorte. In Valencia sollen Batteriezellen mit LFP-Chemie entstehen. In Šurany in der Slowakei wird Gotions Zellfabrik in ein Joint Venture überführt, das LFP-Zellen für Elektrofahrzeuge und stationäre Energiespeicher produzieren soll. In Kenitra in Marokko planen die Partner eine neue Anlage für LFP-Kathodenmaterial.
Die Eigentumsverhältnisse unterscheiden sich zwischen den Projekten. PowerCo hält 51 Prozent am Joint Venture in Valencia, Gotion 49 Prozent. In Šurany und Kenitra besitzt Gotion 51 Prozent, während PowerCo 49 Prozent übernimmt. Volkswagen erklärt, dass die drei Unternehmen gemeinsam geführt werden. Zum Abkommen gehören außerdem gemeinsame Einkaufs- und Vertriebsaktivitäten in Europa.
Für Valencia beträgt Gotions Beitrag rund 1,1 Milliarden Euro für die 49 Prozent. PowerCo bleibt Mehrheitsgesellschafter. Die bereits angekündigten Investitions- und Beschäftigungspläne für die spanische Fabrik sollen bestehen bleiben. Die Transaktion ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Sie benötigt behördliche Genehmigungen und die üblichen Vollzugsbedingungen, darunter die Zustimmung der Gotion-Hauptversammlung.
PowerCo will bis 2030 außerdem rund 470 Millionen Euro einbringen, um jeweils 49 Prozent an den Joint Ventures in Šurany und Kenitra zu erwerben. Dieser Betrag ist von Gotions 1,1-Milliarden-Euro-Investition in Valencia getrennt. Beide Summen beschreiben daher unterschiedliche Beteiligungen und nicht das Budget einer einzelnen Fabrik.
Welche Rolle LFP spielt
LFP steht für Lithium-Eisenphosphat. Diese Zellchemie wird häufig mit wettbewerbsfähigen Kosten, einer langen Lebensdauer und einer hohen Zyklenfestigkeit verbunden. Volkswagen sieht sie als passende Technologie für Elektrofahrzeuge im Volumensegment. Welche Modelle oder Fahrzeugwerke die Zellen aus den neuen Joint Ventures konkret nutzen werden, hat der Konzern noch nicht mitgeteilt.
Volkswagen erwartet, dass der Anteil von LFP-Batterien am europäischen Markt von derzeit etwa 10 Prozent auf 40 bis 60 Prozent im Jahr 2030 steigen könnte. Dabei handelt es sich um eine Prognose des Konzerns und nicht um ein bereits gemessenes Ergebnis der Projekte in Valencia, Šurany oder Kenitra. Volkswagen erklärt außerdem, dass Europa derzeit keine relevanten Produktionskapazitäten für LFP-Batterien besitzt. Die neue Struktur soll deshalb mehrere Schritte der Lieferkette in Europa verankern.
Der Schwerpunkt auf LFP bedeutet nicht, dass alle Volkswagen-Batterien dieselbe Chemie verwenden werden. In der PowerCo-Fabrik Salzgitter startete im Dezember 2025 die Produktion der ersten Unified Cells. Diese ersten Zellen basieren auf NMC-Chemie. Die geplante Anfangskapazität beträgt bis zu 20 GWh pro Jahr und kann auf bis zu 40 GWh erweitert werden. Später sollen auch LFP-Varianten folgen. Salzgitter dient als Referenzfabrik für Valencia und für das geplante Werk in St. Thomas in Kanada.
Salzgitter und Valencia befinden sich damit in unterschiedlichen Entwicklungsstufen. In Deutschland werden bereits Zellen produziert und die standardisierte Zellarchitektur sowie die Fertigungsprozesse erprobt. Valencia wird noch gebaut und soll durch das PowerCo-Gotion-Joint-Venture zu einem europäischen Zentrum für LFP-Zellen werden. Die 1,1 Milliarden Euro verändern die Eigentumsverhältnisse in Salzgitter nicht.
Eine Zusammenarbeit seit 2020
Volkswagen und Gotion arbeiten seit 2020 zusammen. Damals vereinbarte die Volkswagen China Investment Company eine Investition von rund 1,1 Milliarden Euro in Gotion High-Tech und wurde mit 26 Prozent zum größten Aktionär. Die neue Vereinbarung erweitert die Beziehung nun auf die gemeinsame europäische Herstellung von Zellen und Batteriematerialien.
Parallel zu den Joint Ventures hat Volkswagen eine verbindliche Vereinbarung über den Verkauf eines 5,3-prozentigen Teils seiner Beteiligung an Gotion abgeschlossen. Der Konzern will nach Abschluss der Transaktion ein relevanter strategischer Investor bleiben. Auch dieser Verkauf steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen Genehmigungen. Volkswagen erklärt, dass seine Vertretung im Gotion-Verwaltungsrat und seine Nominierungsrechte davon nicht betroffen sind.
Für PowerCo geht es bei der Vereinbarung um mehr als die Abnahme fertiger Zellen. Die Volkswagen-Tochter verantwortet die Batterieaktivitäten des Konzerns und entwickelt ein standardisiertes Fabrikkonzept. In Valencia bleibt PowerCo der Mehrheitsgesellschafter und kann Erfahrungen aus Salzgitter auf die LFP-Produktion übertragen. In Šurany und Kenitra ist Gotion der Mehrheitsgesellschafter, die Joint Ventures werden aber gemeinsam geführt.
Was noch offen ist
Die Mitteilung nennt keine Produktionsstarts für die LFP-Linien in Valencia, Šurany oder Kenitra. Ebenfalls offen sind die jährliche Leistung der drei Projekte in GWh, die betroffenen Volkswagen-Modelle, die Zellpreise und die Zahl der Arbeitsplätze in den einzelnen Joint Ventures.
Bestätigt sind damit die Struktur und die technische Ausrichtung der Vereinbarung. Gotion investiert rund 1,1 Milliarden Euro für 49 Prozent am Valencia-Projekt, PowerCo behält 51 Prozent. Zwei weitere Vorhaben ergänzen die europäische Lieferkette um LFP-Zellen und Kathodenmaterial. Die Umsetzung hängt noch von den erforderlichen Unternehmens- und Behördenfreigaben ab.



