INEOS Automotive hat die ersten Verträge des Grenadier mit staatlichen Streitkräften bekannt gegeben. Die italienische Armee hat eine vom Hersteller als umfangreich bezeichnete Bestellung aufgegeben. Die österreichische Regierung vergab außerdem einen eigenen Auftrag für Grenadier mit verstärktem Schutz. Angaben zur Stückzahl und zum Vertragswert liegen nicht vor.
Die Mitteilung wurde am 5. Oktober 2026 veröffentlicht. In Italien soll der regionale INEOS-Vertriebspartner ATflow ab Anfang 2027 mit den Auslieferungen beginnen. In Österreich gewann Valentin Tusch GmbH, ein Spezialist für Panzerung und Fahrzeugumbauten, die staatliche Ausschreibung. Die ersten österreichischen Lieferungen und Erprobungen sollen noch bis Ende 2026 starten.
Italien ist der erste von INEOS genannte NATO-Kunde
Nach Angaben von INEOS ist Italien das erste NATO-Land mit einer größeren militärischen Grenadier-Bestellung. Die Mitteilung nennt weder die Zahl der Fahrzeuge noch die späteren Nutzer oder die Zahl der bestellten Varianten. Bestätigt sind damit der Kunde und der allgemeine Lieferzeitraum, nicht aber die operative Größe des Auftrags.
Der italienische Auftrag bringt kein neues ziviles Modell auf den Markt. Es handelt sich um eine staatliche Beschaffung auf Basis der Grenadier-Plattform, deren Fahrzeuge an militärische Anforderungen angepasst werden. Die ersten Auslieferungen sind für die ersten Monate des Jahres 2027 vorgesehen.
Der österreichische Auftrag ist anders organisiert. Valentin Tusch soll umgebaute Grenadier an die österreichischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte liefern. INEOS spricht von Varianten mit verbessertem Schutz, veröffentlicht aber weder die Anzahl der Fahrzeuge noch den Wert des Auftrags oder die genaue Verteilung auf die Behörden.
Das Enhanced Protection Vehicle
Zum militärischen Grenadier-Programm gehört das Enhanced Protection Vehicle, kurz EPV. Nach den Angaben von Team Grenadier basiert es auf einer speziell entwickelten geschützten Stahlkabine und nicht auf einem zivilen Fahrzeug, an das nachträglich zusätzliche Panzerplatten angebaut werden.
INEOS gibt für die Kabine die Stufe 2 des NATO-Standards STANAG 4569 an. Der Standard beschreibt Schutzstufen gegen ballistische Bedrohungen und Explosionen. Für eine vollständige Bewertung sind jedoch die genaue Testkonfiguration und das jeweilige Unterlevel entscheidend. Die Mitteilung zu den italienischen und österreichischen Verträgen nennt kein endgültiges Leergewicht, keine Nutzlast und keine vollständige Schutzspezifikation der ausgelieferten Fahrzeuge.
Der EPV ist ein Teil des Angebots von Team Grenadier für das britische Light-Mobility-Vehicle-Programm des Verteidigungsministeriums. Zum Konsortium gehören INEOS Automotive, SMT Defence, NMS UK, Hobson Industries und TVS Supply Chain Solutions. Bei der DVD2026-Ausstellung in UTAC Millbrook zeigte das Team im September den EPV zusammen mit den Varianten General-Purpose Vehicle und Multi-Role Light Vehicle.
Die technische Basis des Grenadier
Der Serien-Grenadier nutzt einen Stahlleiterrahmen, starre Achsen und permanenten Allradantrieb. Das Verteilergetriebe hat zwei Übersetzungen, das Achtgang-Automatikgetriebe stammt von ZF. Die europäischen Straßenvarianten verwenden BMW-Reihensechszylinder mit Benzin- oder Dieselantrieb. Militärische Ausführungen können jedoch andere elektrische Systeme, Fahrwerkskomponenten und Missionsausrüstung erhalten.
Ein militärischer Umbau ist daher mehr als eine andere Lackierung. Team Grenadier nennt den separaten Rahmen, die starren Achsen und mehrere mögliche Karosserievarianten als Grundlage für Kommunikationsausrüstung, Tarnlichtsysteme und missionsbezogene Einbauten. Das sind Argumente des Konsortiums und keine bestätigte Ausstattungsliste jedes italienischen oder österreichischen Fahrzeugs.
Auch beim Serienfahrzeug arbeiten mehrere europäische Zulieferer mit. Carraro fertigt die starren Achsen in Italien, Brembo liefert die Bremsen und das in Turin ansässige Unternehmen Frap ist mit Teilen für Fahrwerk und Lenkung verbunden. Daraus lässt sich nicht ableiten, wo die militärischen Fahrzeuge endgültig montiert oder gewartet werden.
Von Sicherheitsdiensten zu staatlichen Streitkräften
INEOS erklärt, der Grenadier werde bereits von Polizei, Grenzschutz, Spezialkräften und Rettungsdiensten eingesetzt. Genannt werden unter anderem Antiterror- und Interventionseinheiten in Deutschland, Frankreich und Spanien sowie Grenzkräfte in Ungarn, Polen, Tschechien, Serbien und der Slowakei. Diese Nutzer sind von den neuen Aufträgen zu unterscheiden: Italien und Österreich werden von INEOS als erste souveräne Streitkräfte mit entsprechenden Verträgen bezeichnet.
Parallel rückt Team Grenadier in die Erprobungsphase des britischen Light-Mobility-Vehicle-Programms vor. Es soll einen Teil der Land-Rover- und Pinzgauer-Flotte der britischen Armee ersetzen. Die Teilnahme an Erprobungen bedeutet noch nicht, dass INEOS den britischen Auftrag gewonnen hat.
Welche Angaben noch fehlen
Die offizielle Mitteilung nennt weder Preis noch Stückzahl, Vertragsdauer oder Umbaukosten. Eine öffentliche Liste der Ausstattung für die italienischen und österreichischen Fahrzeuge gibt es ebenfalls nicht. Endgültiges Gewicht, Nutzlast und die genaue Schutzstufe der einzelnen Varianten bleiben offen.
Damit ist der gesicherte Stand klar, aber begrenzt: Zwei Regierungen haben Verträge vergeben, Italien soll ab 2027 beliefert werden und Österreich beginnt noch 2026 mit Lieferungen und Erprobungen. Die Basis bleibt ein 4x4 mit separatem Rahmen, während die Missionsausstattung die praktischen Eigenschaften stark verändern kann.



