Toyota möchte, dass die Europäische Union eine eigene Kategorie für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor prüft, die ausschließlich geeignete erneuerbare Kraftstoffe verwenden. Der Vorschlag trägt den Namen VEEF, kurz für Vehicles running Exclusively on Eligible Fuels. Damit würden die Abgase eines Benzinmotors nicht verschwinden. Toyota will vielmehr, dass die Herkunft des Kraftstoffs und seine Emissionen über den gesamten Lebenszyklus stärker in die Flottenrechnung eingehen.
VEEF wäre mehr als eine Kraftstofffreigabe
Ein Auto, das grundsätzlich mit erneuerbarem Benzin betrieben werden kann, wäre nicht automatisch ein VEEF-Fahrzeug. Voraussetzung wäre die ausschließliche Nutzung von Kraftstoffen, die den europäischen Nachhaltigkeitskriterien der Erneuerbare-Energien-Richtlinie entsprechen. Dazu können nachhaltig erzeugte Biokraftstoffe, Kraftstoffe aus Abfällen und Reststoffen sowie mit erneuerbarer Energie hergestellte Kraftstoffe gehören.
Der Unterschied liegt in der Betrachtung der Emissionen. Ein Benzinmotor erzeugt beim Verbrennen weiterhin Abgase. Wird der Kraftstoff jedoch aus Abfällen oder erneuerbaren Quellen hergestellt, kann seine Treibhausgasbilanz von der Herstellung bis zur Nutzung niedriger sein als bei fossilem Benzin. Toyota möchte diese Betrachtung vom Rohstoff bis zum Rad neben die reine Messung am Auspuff stellen.
Dafür wäre eine verlässliche Kontrolle notwendig. Die technische Eignung eines Motors würde nicht ausreichen. Es müsste nachgewiesen werden, dass das konkrete Fahrzeug im relevanten Zeitraum ausschließlich mit zugelassenem Kraftstoff betankt wurde. Genau diese Verbindung zwischen Fahrzeug, Tankvorgang und Kraftstoff soll der praktische Test in Spanien untersuchen.
Ein sechsmonatiger Test in Spanien
Toyota Motor Europe hat im Juli 2026 gemeinsam mit BMW Group, Bosch und Repsol ein sechsmonatiges Pilotprojekt gestartet. Rund 20 Fahrzeuge von Toyota und BMW nehmen in Spanien teil. Bestehende Toyota- und Lexus-Fahrzeuge sowie BMW-Flottenfahrzeuge werden mit Repsols Nexa 95 betrieben, die von den Partnern als 100 Prozent erneuerbares Benzin beschrieben wird. Nach Angaben der Unternehmen sind keine Änderungen an Motoren oder Tankstellen nötig.
Bosch liefert mit dem Digital Fuel Twin die digitale Nachverfolgung. Das System verbindet Daten aus dem Fahrzeug, von der Tankstelle und aus der Bezahlung mit der Tankkarte. So soll feststellbar sein, welches Fahrzeug welchen Kraftstoff getankt hat. Bei einem Fuhrpark von etwa 20 Autos ist eine enge Überwachung möglich. Für einen europaweiten Einsatz wären gemeinsame Datenstandards, unabhängige Prüfungen, Datenschutzregeln und Verfahren für Fehlbetankungen erforderlich.
Spanien wurde ausgewählt, weil Repsol dort erneuerbares Benzin an öffentlichen Tankstellen anbietet. Das Unternehmen erklärt, Nexa 95 werde aus Rohstoffen hergestellt, die den Anforderungen der europäischen Richtlinie entsprechen, und könne die Treibhausgasemissionen gegenüber fossilen Kraftstoffen deutlich senken. Zum Start des Projekts lagen noch keine abschließenden Ergebnisse vor. Der Test ist daher ein Nachweisversuch und keine formelle Zulassung der VEEF-Kategorie durch die EU.
Was die EU-Regeln für 2035 vorsehen
Nach den derzeit geltenden Regeln gilt ab 2035 für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ein Flottenziel von 0 Gramm CO2 pro Kilometer, was einer Reduktion der durchschnittlichen Flottenemissionen um 100 Prozent entspricht. In ihrem Automotive Package vom Dezember 2025 schlug die Europäische Kommission eine flexiblere Berechnung vor. Die Hersteller sollen danach eine Verringerung der Auspuffemissionen um 90 Prozent erreichen. Die übrigen 10 Prozent könnten durch CO2-armen Stahl aus der EU oder durch geeignete E-Fuels und Biokraftstoffe ausgeglichen werden.
Nach Darstellung der Kommission könnten damit Plug-in-Hybride, Range-Extender, bestimmte Hybride und Verbrenner neben batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen auch nach 2035 eine Rolle spielen. Das ist keine automatische Freigabe für jedes Benzinmodell. Anforderungen, Obergrenzen und Berechnungsmethoden müssen erst im europäischen Gesetzgebungsverfahren festgelegt werden.
Analysen des Europäischen Parlaments führen VEEF als eine der geprüften Möglichkeiten für Fahrzeuge auf, die ausschließlich nachhaltige erneuerbare Kraftstoffe nutzen. In einzelnen Varianten ist eine Begrenzung des Anteils solcher Fahrzeuge an der Herstellerbilanz vorgesehen. „Null Emissionen“ wäre in diesem Zusammenhang deshalb möglicherweise eine regulatorische Kategorie und nicht die wörtliche Aussage, dass am Auspuff keine Abgase entstehen.
Warum Toyota auf diese Option setzt
Toyota verfolgt nach eigener Darstellung mehrere technische Wege: Vollhybride, Plug-in-Hybride, batterieelektrische Fahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge und erneuerbare Kraftstoffe. Das globale Beyond-Zero-Programm nennt das Ziel der CO2-Neutralität bis 2050. Toyota Motor Europe hat für seine europäischen Aktivitäten ein Ziel der betrieblichen Klimaneutralität bis 2040 genannt. Erneuerbare Kraftstoffe könnten aus Sicht des Herstellers einen Teil der bereits vorhandenen Fahrzeuge einbeziehen, ohne den gesamten Fahrzeugbestand und die gesamte Tankinfrastruktur sofort zu ersetzen.
Die Einschränkungen bleiben jedoch bestehen. Nachhaltige Rohstoffe sind begrenzt und werden auch von Industrie und anderen Verkehrsbereichen benötigt. Eine bessere Treibhausgasbilanz über den Lebenszyklus beseitigt nicht die lokalen Stickoxide, Partikel und anderen Schadstoffe eines Verbrennungsmotors. Außerdem bedeutet die Verfügbarkeit von Nexa 95 in Spanien nicht, dass der Kraftstoff in Deutschland, Österreich oder allen anderen europäischen Märkten angeboten wird. Preis, Produktionsmenge und Zertifizierung sind noch offene Punkte.
Für Autofahrer ändert sich zunächst nichts. Ein Hybrid- oder Benzinauto bleibt in den Fahrzeugpapieren und bei der Zulassung ein Verbrennungsfahrzeug. Zuerst müssen die Daten des Pilotprojekts ausgewertet werden, danach folgt die politische und rechtliche Entscheidung. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob ein Motor mit erneuerbarem Benzin fahren kann. Es muss auch nachvollziehbar sein, ob jeder Tankvorgang überprüft werden kann und ob ausreichend Kraftstoff für eine große Flotte nachhaltig produziert wird.



