Eine Sonderanfertigung, kein neues Alfa-Romeo-Serienmodell

Castagna Milano hat eine ungewöhnlich radikale Interpretation des Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio vorgestellt. Die Studie sieht ein Cabrio mit zwei Sitzen, zurückgesetztem Innenraum, sehr langer Motorhaube und umfangreicher Carbon-Karosserie vor. Derzeit existiert das Fahrzeug nur als digitale Entwurfsidee. Für die Umsetzung braucht der italienische Karosseriebauer noch einen Kunden, der das Einzelstück in Auftrag gibt.

Diese Einordnung ist entscheidend. Alfa Romeo hat kein Seriencoupé und kein Seriencabrio namens Giulia auf Basis dieses Projekts angekündigt. Castagna Milano arbeitet als unabhängiger Coachbuilder. Damit handelt es sich um ein mögliches Einzelprojekt und nicht um eine neue Variante, die im offiziellen Alfa-Romeo-Vertrieb bestellt werden kann.

Castagna-Milano-Entwurf für das Alfa Romeo Giulia Cabrio

Motor1-Bild der Castagna-Milano-Studie, auf Wunsch des Nutzers verwendet.

Die Vordersitze wandern 330 Millimeter nach hinten

Die Zahl von 330 Millimetern beschreibt am besten, wie stark sich die Proportionen verändern würden. Castagna Milano will die Vordersitze nach hinten versetzen, um Platz für eine deutlich längere Motorhaube zu schaffen. Der serienmäßige Giulia Quadrifoglio ist eine sportliche Limousine mit vier Türen. Die Studie sucht dagegen die klassische Silhouette eines italienischen Grand Tourers mit langer Front und weit hinten liegender Kabine.

Die Motorhaube soll 40 Millimeter niedriger ausfallen als das Standardteil und einen großen Bereich aus sichtbarem Carbon erhalten. V-förmige Elemente an der Front könnten Kanäle zur Bremskühlung bilden und die Scheinwerfer teilweise verdecken. Dadurch wirkt der Entwurf wesentlich dramatischer als der aktuelle Giulia Quadrifoglio.

Motor1 hat außerdem eine optische Nähe zu bestimmten Peugeot-Modellen erwähnt. Das ist ein Vergleich der sichtbaren Gestaltung, kein Beleg für eine Zusammenarbeit mit Peugeot und keine Bestätigung gemeinsamer Bauteile. Die Studie bleibt eine eigenständige Castagna-Milano-Interpretation auf Alfa-Romeo-Basis.

Carbon, breitere Spur und ein neuer Heckabschluss

Eine Karosserie aus Carbon würde dem Coachbuilder erlauben, völlig neue Außenhaut zu formen und sich weit vom Limousinenblech des Spenderfahrzeugs zu entfernen. Gleichzeitig könnte das Material helfen, das zusätzliche Gewicht der Cabrio-Umrüstung zu begrenzen. Ein fertiges Fahrzeug existiert aber nicht; das angegebene Zielgewicht von 1.420 Kilogramm ist deshalb keine gemessene Tatsache.

Vorn und hinten sollen die Spurweiten wachsen. Ausgestellte Kotflügel erinnern optisch an die kompromisslosere Haltung des Giulia GTAm. Auch das Heck hätte mit der Limousine kaum noch etwas gemeinsam. Eine ausgeschnittene Schulterlinie würde sich um die Karosserie ziehen und die Rückleuchten aufnehmen. Diffusor und aktiver Heckspoiler sollen den Auftritt abrunden.

Heckansicht des Castagna-Milano-Projekts

Das zweite Motor1-Bild zeigt die geplante Schulterlinie, den Diffusor und den aktiven Spoiler.

Angaben zum Luftwiderstand, zum Abtrieb oder zu Crashtests gibt es noch nicht. Die Umwandlung einer Limousine in ein Cabrio würde außerdem umfangreiche Arbeiten an der Karosseriesteifigkeit und eine neue Homologation im jeweiligen Zulassungsmarkt erfordern.

Der 2,9-Liter-V6-Biturbo soll bleiben

Unter der langen Motorhaube soll der 2,9-Liter-V6-Biturbo des Quadrifoglio weiterarbeiten. Castagna Milano hat keine neue Leistungsangabe genannt. Stattdessen ist eine längere Achsübersetzung vorgesehen, die besser zu einem Grand Tourer für längere Strecken passen würde als zu einem reinen Rennstreckenfahrzeug.

Der Entwurf darf nicht mit den offiziellen Modellen Giulia GTA und GTAm verwechselt werden. Alfa Romeo baute die GTA mit einer weiterentwickelten 2,9-Liter-V6-Motorisierung und 540 PS in einer auf 500 Fahrzeuge begrenzten Serie. Die GTAm war ein stärker auf die Rennstrecke ausgerichteter Zweisitzer mit Leichtbau und eigener Aerodynamik. Das Castagna-Projekt basiert auf dem Giulia Quadrifoglio und ist weder eine neue GTA noch eine GTAm oder eine von Alfa Romeo freigegebene Sonderserie.

623 Liter Gepäckraum als Projektziel

Obwohl Rückbank und festes Dach entfallen, soll der Entwurf bei eingeklapptem Stoffverdeck 623 Liter Gepäckraum bieten. Für ein zweisitziges Cabrio wäre das ein ungewöhnlich großer Wert. Er muss als Schätzung behandelt werden, denn ein fertiges Fahrzeug und eine veröffentlichte Standardmessung fehlen.

Der Innenraum soll Holz, zwei Ledersorten und neue Verglasung erhalten. Damit zielt Castagna Milano auf ein handgefertigtes Sammlerfahrzeug und nicht auf einen ausgeräumten Trackday-Wagen. Preis, Bauzeit und konkrete Sicherheitsänderungen wurden nicht bekanntgegeben.

Alfa Romeos offizielle Aussagen bleiben allgemein

Stellantis erklärte im Mai 2026, Alfa Romeo prüfe Lösungen, um mit neuen Interpretationen der Baureihen Giulia und Stelvio im D-Segment zu bleiben. Außerdem teilte der Konzern mit, dass die aktuellen Modelle einschließlich der Quadrifoglio-Versionen bis 2027 weiterproduziert werden sollen. Diese Aussage bestätigt weder das Castagna-Projekt noch ein werksseitiges Giulia-Cabrio.

Gerade außerhalb dieses offiziellen Produktplans ist der Entwurf interessant. Er zeigt, was ein unabhängiger Karosseriebauer aus einer bekannten Sportlimousine entwickeln könnte, wenn der Hersteller selbst keine zweitürige oder offene Giulia anbietet. Ob aus den Bildern ein reales Auto wird, hängt von einem Auftraggeber, der technischen Entwicklung und der Zulassung ab.

Vorerst bleibt die Castagna-Giulia ein detailliertes digitales Briefing: zwei Sitze, Carbon-Karosserie, Faltverdeck, V6-Biturbo und die Rolle eines Grand Tourers. Bestellen kann man sie nicht bei Alfa Romeo. Auch die Ziele von 1.420 Kilogramm und 623 Litern sind an einem realen Fahrzeug noch nicht überprüft.

Quellen