Die Nachfrage nach dem Laden von Elektroautos wächst schneller als die Zahl der neuen Ladepunkte. Das geht aus Daten hervor, die ChargePoint veröffentlicht hat. Das Unternehmen analysierte mehr als 100 Millionen Ladesitzungen, die sein Netzwerk im vergangenen Jahr ermöglicht hat, und meldet für 2025 ein Wachstum der Sitzungen um 34 Prozent. Die Zahl der neuen Ladepunkte stieg dagegen um 16 Prozent.

Die Zahlen beziehen sich auf das ChargePoint-Netz und auf Ladepunkte, die über die Plattform erreichbar sind. Sie beschreiben nicht den gesamten weltweiten Markt. ChargePoint stellt die Netzwerkdaten den Verkaufszahlen elektrischer Fahrzeuge gegenüber und leitet daraus einen steigenden Bedarf an Ladeinfrastruktur ab.

Was die mehr als 100 Millionen Sitzungen zeigen

ChargePoint gibt an, im untersuchten Zeitraum mehr als 100 Millionen Ladesitzungen ermöglicht zu haben. Mehr als eine Million Fahrer nutzen die Plattform jeden Monat. Diese Angaben sind Kennzahlen des Unternehmens und keine vollständige Erhebung aller Elektroautofahrer oder aller öffentlichen Ladepunkte.

Im Jahr 2025 nahm das Sitzungsvolumen im ChargePoint-Netz um 34 Prozent zu. Gleichzeitig wurden nach Angaben des Unternehmens 190.000 zusätzliche Ladepunkte über das Netzwerk verfügbar. Das Wachstum der neuen Ladepunkte lag bei 16 Prozent. Die Nutzung stieg damit laut ChargePoint fast 20 Prozent schneller als die Zahl der neuen Ladepunkte.

Für Betreiber hat diese Differenz eine praktische Bedeutung. Ein neuer Anschluss schafft nicht automatisch freie Kapazität, wenn die Zahl der Ladevorgänge noch schneller wächst. An stark frequentierten Standorten können Wartezeiten zunehmen. Bei der Planung müssen deshalb Leistung, Standzeit, Netzanschluss, Platz und Zuverlässigkeit zusammen betrachtet werden.

Die Zahl der Anschlüsse reicht nicht aus

Ein Ladepunkt kann an einem Tag mehrere Fahrzeuge bedienen. Seine tatsächliche Kapazität hängt von der Leistung, der Dauer der Sitzung und der Art des Fahrzeugs ab. Ein AC-Ladepunkt an einem Arbeitsplatz hat eine andere Aufgabe als ein leistungsstarker DC-Lader an einer Autobahn. Die reine Zahl der Anschlüsse beschreibt daher nicht die verfügbare Energiemenge zu Spitzenzeiten.

ChargePoint zufolge entfallen rund 16 Prozent der gewerblichen AC-Ladevorgänge auf Fahrzeuge, die in der App als Plug-in-Hybride erkannt werden. Das Netzwerk bedient damit batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride. Der Wert stammt aus der ChargePoint-Plattform und kann nicht automatisch auf alle Märkte übertragen werden.

Über Roaming-Partnerschaften haben Fahrer Zugriff auf mehr als 900.000 Ladepunkte. ChargePoint verwaltet außerdem rund 375.000 öffentliche und private Ladepunkte direkt. Die Kategorien sind nicht identisch: Roaming umfasst den Zugang zu Partnernetzwerken, während direkt verwaltete Ladepunkte an die operativen ChargePoint-Dienste angeschlossen sind.

Der Zusammenhang mit den Elektroauto-Verkäufen

ChargePoint stellt die eigenen Netzwerkdaten neben die Entwicklung der Elektroauto-Verkäufe. Für 2025 nennt das Unternehmen ein weltweites Wachstum der EV-Verkäufe um 20 Prozent auf Basis von Daten von Rho Motion. Für Europa werden 33 Prozent Wachstum genannt. In den USA spricht ChargePoint vom zweitbesten Verkaufsjahr für Elektroautos.

Diese Werte wurden nicht von ChargePoint erhoben, sondern dienen als Kontext. Die Verkäufe eines einzelnen Jahres zeigen nicht den gesamten Energiebedarf, weil Fahrzeuge mehrere Jahre im Bestand bleiben. Eine wachsende Flotte lädt zu Hause, am Arbeitsplatz, in Einkaufszentren, an Depots und auf Fernstraßen.

ChargePoint erklärt außerdem, dass fast 60 Prozent der 19,3 Milliarden elektrischen Meilen, die die Plattform in fast 18 Jahren ermöglicht hat, in den vergangenen zwei Jahren gefahren wurden. Das ist ein Aktivitätswert des eigenen Netzwerks und keine Prognose für Deutschland. Er zeigt aber, warum die Nutzung der Ladepunkte neben den jährlichen Neuzulassungen wichtig ist.

Technologien für die nächste Phase

Im Charging Forward Report 2026 nennt ChargePoint bidirektionales Laden über V2X, künstliche Intelligenz, leistungsfähigere DC-Systeme und die Elektrifizierung gewerblicher Flotten. Mit V2X kann ein kompatibles Fahrzeug Energie mit einem Haus, Gebäude oder Stromnetz austauschen. Dafür müssen Fahrzeug, Ladegerät, Software und Betriebsregeln zusammenpassen.

ChargePoint nennt außerdem KI-Anwendungen für Nachfrageprognosen, vorausschauende Wartung, zeitabhängige Preise und die Erkennung von Ladefehlern. Das sind Produkt- und Strategieangaben des Unternehmens, keine unabhängigen Messergebnisse für jeden Betreiber.

Für das Ladegerät Express Solo nennt ChargePoint bis zu 600 kW. Die tatsächlich abgegebene Leistung hängt vom Fahrzeug, dem Batteriezustand, der Temperatur, der Konfiguration und dem Netzanschluss ab. Ein Ladegerät mit 600 kW Maximalleistung bedeutet nicht, dass jedes Auto diese Leistung aufnehmen kann.

Folgen für Fahrer und Betreiber

Fahrer müssen künftig stärker auf die Live-Verfügbarkeit achten und nicht nur auf die Zahl der Anschlüsse in einer Kartenansicht. Betreiber brauchen neben zusätzlichen Ladepunkten auch ausreichend Netzleistung, funktionierende Technik und eine Steuerung der Belegungsdauer.

ChargePoint schätzt, dass das eigene Netzwerk seit 2007 den Verbrauch von 714 Millionen Gallonen Benzin, mehr als 2 Milliarden US-Dollar an Kraftstoffkosten und über 4,5 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden hat. Das sind Unternehmensschätzungen nach einer eigenen Methode und kein unabhängiges Audit.

Die überprüfbare Schlussfolgerung bleibt auf das ChargePoint-Netz begrenzt: 2025 wuchsen die Ladesitzungen schneller als die neuen Ladepunkte. Die nächste Aufgabe besteht darin, die Zahl der Anschlüsse, die verfügbare Leistung und die Zuverlässigkeit gleichzeitig zu erhöhen.

Quellen