Bild zur Illustration: Ferrari KC23. Fotoquelle: Ferrari

Ferrari will Rückleuchten in aktive Aerodynamikteile verwandeln

Ferrari hat in den Vereinigten Staaten ein Patent für ein System angemeldet, in dem die hinteren Leuchteneinheiten nicht mehr nur der Beleuchtung dienen. Die Rückleuchten können sich relativ zum Spoiler bewegen, treten in den Luftstrom ein und tragen dazu bei, den aerodynamischen Abtrieb an der Hinterachse zu ändern.

Die US-Patentanmeldung US 2026/0242013 A1 mit dem Titel „Sport road vehicle with variable rear aerodynamic load“ wurde am 20. August 2026 veröffentlicht. Anmelder ist Ferrari S.p.A., als Erfinder genannt sind Salvatore Sedda und Jason Lopes Furtado.

Das Dokument beschreibt das Funktionsprinzip und mehrere mögliche Konfigurationen. Es kündigt kein neues Modell an und bestätigt nicht, dass die Lösung in ein Serienauto kommt.

So funktionieren Ferraris bewegliche Rückleuchten

In der normalen Stellung bleibt die Leuchteneinheit in das Heck integriert und arbeitet wie eine gewöhnliche Rückleuchte. In der zweiten Stellung bewegt ein Aktor sie nach oben und hinten, sodass ein Teil des Gehäuses über die hintere Spoilerkante hinausragt.

Sobald es im Weg der Luft liegt, die den Spoiler verlässt, wird das Leuchtengehäuse zu einer zusätzlichen aerodynamischen Fläche. Das im Patent genannte Ziel ist die Erhöhung der aerodynamischen Last hinten, also der Kraft, die die Achse bei Tempo auf die Fahrbahn drückt.

Eine Variante umfasst einen aerodynamischen Kanal, der vom Spoiler und einer unteren Fläche nahe dem Diffusor begrenzt wird. Die Rückleuchte kann drei Stellungen einnehmen:

  • vollständig eingefahren, ohne Beitrag zum Abtrieb;
  • angehoben und über die Spoilerkante hinaus ausgefahren, um mit diesem zusammenzuarbeiten;
  • im Inneren des Kanals neu positioniert, wo sie den Querschnitt ändert, durch den die Luft strömt.

Das Patent beschreibt sowohl eine Translations- als auch eine Kippbewegung. Die Wahl des Mechanismus hinge von der Karosserieform und davon ab, wie der Hersteller Spoiler, Diffusor und Leuchten integriert.

Die beiden Rückleuchten können getrennt arbeiten

Die Unterlagen sehen zwei Leuchteneinheiten vor, eine links und eine rechts, die unabhängig angesteuert werden können. Theoretisch könnte das Auto den Luftstrom auf jeder Seite der Hinterachse unterschiedlich verändern.

Das Patent veröffentlicht keine Werte für Abtrieb, Stellzeiten oder die Geschwindigkeiten, bei denen das System in Betrieb ginge. Deshalb lässt sich nicht sagen, wie groß der Vorteil gegenüber einem konventionellen aktiven Spoiler wäre und ob die asymmetrische Bewegung der Stabilisierung in Kurven oder einer anderen Steuerstrategie dienen würde.

Der grundsätzliche Vorteil ist die Nutzung eines Pflichtbauteils des Autos für zwei Funktionen. Statt einer weiteren sichtbaren Klappe könnte Ferrari die bewegliche Fläche in das Leuchtengehäuse integrieren. Im Gegenzug bringt die Lösung Aktoren, Gelenke, Leitungen und Dichtungen in einen Bereich, der Wasser, Staub und hohen Temperaturen ausgesetzt ist.

Die Zeichnungen zeigen nicht unbedingt einen künftigen Ferrari

Im Dokument erscheinen Skizzen mit Supersportwagen-Proportionen und eine weitere Umsetzung, die der Form eines Frontmotor-Modells nahekommt. Diese Zeichnungen sind technische Beispiele zur Erläuterung der Patentansprüche, keine offiziellen Bilder eines in der Entwicklung befindlichen Autos.

Eine Patentanmeldung zeigt, dass Ferrari Idee und Mechanismus schützen wollte. Sie verpflichtet das Unternehmen nicht zur Produktion. Hersteller reichen häufig Unterlagen für Lösungen ein, die im Studienstadium bleiben, vor dem Start geändert werden oder erst nach mehreren Jahren erscheinen.

Ferrari nutzt aktive Aerodynamik bereits bei Straßenmodellen, das im August 2026 veröffentlichte Patent schlägt jedoch vor, die Funktion in ein Element zu integrieren, das normalerweise stillsteht. Bis zu einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens sollten bewegliche Rückleuchten als mögliche technische Richtung gelten, nicht als bestätigte Ausstattung für den nächsten Ferrari.

Häufige Fragen

Wird Ferrari ein Auto mit beweglichen Rückleuchten auf den Markt bringen?

Es gibt keine Bestätigung. Das Dokument ist eine Patentanmeldung und nennt weder ein Modell noch einen Produktionszeitplan.

Bewegen sich die Rückleuchten nur aus Designgründen?

Nein. Laut Patent verändert ihre Bewegung den Luftstrom und trägt zur aerodynamischen Last am Heck bei.

Kann das System links und rechts unterschiedlich wirken?

Ja, die Unterlagen sehen eine unabhängige Steuerung der beiden Einheiten vor. Das Patent liefert jedoch keine Serienkalibrierung und keine Zahlen zum erzielten Effekt.

Quellen