Bild: FIAT/Stellantis Media. Offizielles Pressebild aus dem Stellantis-Mediaarchiv, lokal in WebP umgewandelt.

Fiat Multiplina: Elektro-Microcar mit vier Sitzplätzen als Topolino-Ergänzung

FIAT arbeitet an einem Elektrofahrzeug, das mehr Platz als der Topolino bieten soll, aber deutlich kompakter als ein normaler Kleinwagen bleibt. Das Konzept trägt den Namen Multiplina und ist für vier Personen ausgelegt. FIAT beschreibt das Fahrzeug als fehlendes Bindeglied zwischen dem zweisitzigen Topolino und einem herkömmlichen Stadtauto. Eine vollständige technische Datenliste, ein Preis und ein verbindlicher Verkaufsplan liegen noch nicht vor.

Der nächste Schritt nach dem Topolino

Der Fiat Topolino ist 2,53 Meter lang, hat zwei Sitze, fährt maximal 45 km/h und nutzt eine 5,4-kWh-Batterie. FIAT positioniert ihn für kurze Wege in der Stadt. Kleine Abmessungen, einfache Nutzung und leichtes Parken stehen im Vordergrund. Für zwei Personen kann dieses Konzept genügen. Sobald Kinder, Freunde oder weitere Familienmitglieder mitfahren sollen, stößt der Zweisitzer jedoch an eine klare Grenze.

Die Multiplina soll diese Grenze verschieben, ohne zum normalen Kleinwagen zu werden. In der offiziellen FIAT-Mitteilung vom Juni 2026 wird sie als elektrischer Begleiter für vier Personen mit ungefähr drei Metern Länge beschrieben. Eine weitere offizielle Mitteilung für den deutschen Markt nennt die Klasse L7e und eine mögliche Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h. Das sind Angaben zur Ausrichtung des Projekts. FIAT hat noch nicht erklärt, wie viel Leistung, Batterie, Reichweite, Gewicht oder Ladezeit das Serienfahrzeug haben wird.

L7e bezeichnet schwere europäische Vierräder. Im Vergleich zu einem L6e wie dem Topolino kann ein L7e höhere Geschwindigkeiten ermöglichen, bleibt aber rechtlich und technisch von einem normalen Personenwagen getrennt. Führerscheinregeln, Mindestalter und erlaubte Straßen unterscheiden sich nach Land. Für Deutschland und andere Märkte müssen diese Fragen nach der endgültigen Homologation geklärt werden.

Die Verbindung zum Fiat 600 Multipla

Der Name Multiplina erinnert an den Fiat 600 Multipla von 1956. FIAT schreibt, dass das historische Modell sechs Personen in einer Karosserie von ungefähr 3,5 Metern Länge unterbringen konnte. Die 1998 eingeführte Multipla setzte ebenfalls auf eine ungewöhnliche Raumaufteilung mit sechs Sitzen in zwei Reihen und einer Länge von weniger als vier Metern.

Die neue Multiplina ist keine Neuauflage der Multipla aus den 1990er-Jahren und verspricht keine sechs Sitzplätze. Die Verbindung liegt in der Verpackung des Fahrzeugs. Ein hohes Dach, eine kurze Front und Räder nahe an den Ecken können mehr Innenraum schaffen, ohne die Außenlänge stark zu erhöhen. Der aktuelle Entwurf überträgt diese Idee auf einen Elektroantrieb und die Regeln für schwere Vierräder.

Das offizielle Bild zeigt eine aufrechte Karosserie, eine große Glasfläche und einen kurzen Vorderwagen. Einige Gestaltungselemente greifen Topolino und 600 Multipla auf. FIAT hat aber nicht bestätigt, welche Details in die Serie übernommen werden. Türen, Fenstermechanik, Dachlösung und Radgrößen sind ebenso wenig endgültig beschrieben.

Vier Plätze auf sehr kurzer Länge

Vier Sitze in einer Karosserie von etwa drei Metern stellen hohe Anforderungen an die Konstruktion. Batterie, Achsen, Schutzstrukturen, zwei Sitzreihen und Gepäck müssen in denselben Raum passen. Die Sitzanzahl allein sagt daher wenig über die Alltagstauglichkeit aus. Entscheidend sind Beinfreiheit, Einstieg in die zweite Reihe, Innenbreite und die Position der vorderen Sitze.

FIAT spricht von einer Architektur, die den Innenraum effizient nutzen soll, veröffentlicht aber keine Innenmaße und kein Kofferraumvolumen. Ein Konzept zeigt die Richtung des Designs, garantiert aber nicht den Komfort des späteren Serienfahrzeugs. Die vier Plätze könnten vor allem für einen Erwachsenen mit Kindern, für Paare mit gelegentlichem Zusatzbedarf oder für kurze Fahrten mit Freunden gedacht sein.

Der Unterschied zum Topolino wäre im Alltag trotzdem deutlich. Der kleine Zweisitzer eignet sich für den Fahrer und eine Begleitperson. Die Multiplina könnte Schulwege, kurze Familienfahrten oder geteilte Wege mit mehreren Personen ermöglichen. Wenn Reichweite und Geschwindigkeit tatsächlich steigen, könnte das Einsatzgebiet auch über die engste Innenstadt hinausgehen.

Reichweite und Preis sind offen

FIAT hat eine größere Reichweite als beim Topolino angekündigt und die höhere Geschwindigkeit mit der L7e-Klasse verknüpft. Eine Kilometerzahl, Batteriekapazität oder ein Testzyklus wurden nicht genannt. Auto Express berichtete über Aussagen von Gaetano Thorel, dem FIAT-Europachef, wonach eine größere Batterie sowie höhere Reichweiten- und Geschwindigkeitswerte zu erwarten seien. Diese Aussagen sind noch keine homologierten Serienangaben.

Eine größere Batterie bringt mehr Reichweite, aber auch zusätzliches Gewicht und höhere Kosten. Vier Insassen erhöhen die Gesamtlast. Ein Fahrzeug, das bis zu 90 km/h erreichen soll, benötigt außerdem andere Komponenten als ein 45-km/h-Quadricycle. Vor dem Marktstart muss FIAT deshalb auch Bremsen, Ladetechnik, Insassenschutz und die jeweiligen Nutzungsvorschriften erklären.

Ein offizieller Preis fehlt ebenfalls. Ein Vergleich mit dem Dacia Spring oder anderen kleinen Elektroautos ist erst sinnvoll, wenn Größe, Ausstattung und Reichweite feststehen. Ein Preis nahe an einem konventionellen Stadtauto würde den Vorteil der einfachen Konstruktion verringern. Bleibt die Reichweite dagegen zu nah am Topolino, könnten die beiden zusätzlichen Sitze den Mehraufwand nur schwer rechtfertigen.

Serienstart möglicherweise 2028

Die Multiplina ist Teil einer größeren FIAT-Vision für leichte urbane Mobilität. Zusammen mit Topolino und dem dreirädrigen Nutzfahrzeug TRIS soll sie einen anderen Einsatz abdecken: persönlicher Stadtverkehr, vier Plätze für kurze Wege und gewerblicher Transport auf der letzten Meile. Damit bleibt die Multiplina zwischen Microcar und Kleinwagen positioniert.

Europäische Fachmedien haben 2028 als möglichen Zeitpunkt für die Serienversion genannt. FIAT hat jedoch noch keinen vollständigen Zeitplan für die einzelnen Märkte und keinen Preis veröffentlicht. Bestätigt sind bisher der Name, der Elektroantrieb, die geplanten vier Plätze und die Verbindung zu Topolino und 600 Multipla. Batterie, Reichweite, Sicherheit und Homologation werden zeigen, ob aus der Studie ein nutzbares Stadtfahrzeug wird.

Quellen