Honda hat die technische Grundlage für eine Straße entwickelt, die ein Elektrofahrzeug während der Fahrt mit Energie versorgen kann. Das Projekt entsteht gemeinsam mit Taisei Corporation und Taisei Rotec Corporation. Als erste Anwendung stehen Logistik- und Nutzfahrzeuge im Mittelpunkt, weil sie viele Stunden unterwegs sind und lange Ladestopps den Flottenbetrieb beeinflussen können.

So funktioniert die Ladefahrbahn

Im Straßenbelag werden GA-Einheiten, Ground Assembly, eingebaut. Am Fahrzeug sitzt eine VA-Einheit, Vehicle Assembly, die die Energie empfängt. Die Übertragung erfolgt berührungslos über magnetische Kopplung zwischen einer Spule in der Straße und einer Spule am Fahrzeug. Das Auto erhält Energie also beim Überfahren des ausgerüsteten Abschnitts, ohne dass ein Ladekabel angeschlossen wird.

Honda forscht seit 2021 an Dynamic Wireless Power Transfer. Die gemeinsame Entwicklung dieses magnetisch gekoppelten Straßensystems mit Taisei und Taisei Rotec läuft seit 2025. Die Mitteilung vom 6. Oktober 2026 beschreibt eine technische Basis und die nächsten Teststufen. Eine kommerzielle Ladestrecke für Autofahrer ist damit noch nicht angekündigt.

Offizielle Honda-Darstellung des kabellosen Energieübertragungssystems

Offizielles Honda-Bild: Straßeneinheiten, Gleichstromversorgung und Fahrzeugempfänger bilden ein gemeinsames System.

Die Einbauweise entscheidet über die Alltagstauglichkeit

Die im Asphalt liegenden Komponenten müssen das Gewicht schwerer Fahrzeuge, Wasser, Temperaturschwankungen und normale Reparaturarbeiten aushalten. Honda und Taisei Rotec entwickeln deshalb GA-Einheiten, die nach dem Fräsen in eine bestehende Fahrbahn eingebaut werden können. Die Lösung soll sich für neue Straßen und für die Erneuerung vorhandener Beläge eignen.

Bei der von Honda beschriebenen Architektur sind Wechselrichter und Spule in einer GA-Einheit zusammengefasst. Die Stromverteilung zu den eingebauten Einheiten erfolgt mit Gleichstrom; die lokale Umwandlung findet innerhalb der jeweiligen Einheit statt. Honda erwartet dadurch weniger Kabel, weniger Bauteile und einen einfacheren Einbau beziehungsweise Austausch. Ein endgültiger Preis pro Kilometer und ein Wartungsplan wurden noch nicht veröffentlicht.

Taisei Corporation entwickelt das schnell reagierende Gleichstrom-Versorgungssystem. Taisei Rotec arbeitet an den Bauverfahren für die Integration in den Straßenbelag. Honda entwickelt die kabellose Übertragung sowie die GA- und VA-Systeme. Das Projekt muss deshalb beweisen, dass die Technik als Straßeninfrastruktur funktioniert, nicht nur als Fahrzeugkomponente.

Eine Million Radlasten im Dauertest

Ab Ende 2026 wollen die drei Partner eine Teststrecke am Future Technology Field/TAMURA der Taisei-Gruppe errichten. Geplant ist ein Dauerhaltbarkeitstest, der einer Million Radlasten entspricht. Als Grundlage nennt Honda 49 kN pro Rad, getestet mit realen Fahrzeugen. Damit sollen die Widerstandsfähigkeit der eingebetteten GA-Einheiten und des Straßenaufbaus unter wiederholtem Schwerverkehr geprüft werden.

In derselben Phase werden die Übertragungsleistung und mögliche Leckfelder elektromagnetischer Strahlung untersucht. Eine Straße, die hohe Leistung an ein fahrendes Fahrzeug überträgt, muss sowohl als elektrische Anlage als auch als Verkehrsfläche sicher sein. Honda hat bisher weder einen endgültigen Wirkungsgrad noch eine kommerzielle Spezifikation oder ein öffentliches Sicherheitsergebnis veröffentlicht.

Spätere Prüfungen sollen Leistungen von bis zu 150 kW für große Nutzfahrzeuge und die zuverlässige Energieübertragung bei höherem Tempo untersuchen. Das Ergebnis hängt unter anderem vom Abstand der GA-Einheiten, der Ausrichtung des Fahrzeugs, dem Netzanschluss und der Länge des ausgerüsteten Abschnitts ab.

Honda-GA-Einheit mit Spule, Wechselrichter und Steuerelektronik

Offizielles Honda-Bild: Prototyp einer GA-Einheit für das kabellose Energieübertragungssystem.

Warum Honda mit Lastwagen beginnt

Ein elektrischer Lastwagen muss Reichweite und eine hohe tägliche Verfügbarkeit verbinden. Eine sehr große Batterie erhöht das Gewicht und verlängert die Ladezeit. Energieübertragung während der Fahrt könnte die Standzeiten auf Routen verringern, die ausreichend lange mit Ladeeinheiten ausgerüstet sind.

Der Vorteil ist jedoch an die Infrastruktur gebunden. Die Strecke müsste auf geeigneten Routen gebaut, mit genügend Leistung versorgt und dauerhaft gewartet werden. Außerdem wären Regeln für Zugang, Abrechnung, Reparaturen und die Kompatibilität verschiedener Fahrzeugmarken nötig. Honda hat keinen Preis, kein Geschäftsmodell und keinen Termin für einen großflächigen Ausbau genannt.

Honda ordnet das Projekt in sein Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 ein. Erneuerbare Energie könnte die Stromversorgung der Straße ergänzen, doch für die geplanten Tests wurde kein konkreter Energiemix genannt. Die Gesamtbilanz würde auch von Stromerzeugung, Übertragungsverlusten, Bau und tatsächlicher Auslastung abhängen.

Öffentliche Tests in Japan

Honda, Taisei und Taisei Rotec wollen am Tateyama Project teilnehmen, einer Demonstration der East Nippon Expressway Company, NEXCO East. Tests auf öffentlichen Straßen sind ab dem japanischen Fiskaljahr 2027 geplant, das am 1. April 2027 beginnt. Vorgesehen ist die Tateyama-Autobahn in der Präfektur Chiba.

Der genaue Zeitplan, die Fahrzeuge und die Betriebsbedingungen wurden noch nicht veröffentlicht. Honda beschreibt daher weiterhin eine Technologie in der Validierungsphase. Haltbarkeit, elektromagnetische Sicherheit, Leistungsabgabe und Betrieb bei höherem Tempo müssen zunächst nachgewiesen werden, bevor eine Nutzung durch Flotten oder Privatfahrzeuge bewertet werden kann.

Auch die Frage nach der Interoperabilität mit Fahrzeugen anderer Hersteller bleibt offen. Das Projekt muss zeigen, wie zuverlässig die Einheiten im täglichen Verkehr arbeiten und wie sich Reparaturen einzelner Module auf eine ganze Fahrbahn auswirken.

Quellen