Kia hat am 24. September 2026 in Frankfurt am Main eine neue Batterieoption mit erweiterter Reichweite von 71,2 kWh für den PV5 Chassis Cab angekündigt. Das Paket steht neben der bereits verfügbaren Mittelreichweiten-Batterie mit 51,5 kWh und richtet sich an Unternehmen und Flotten, die längere Intervalle zwischen Ladehalten brauchen, ohne auf die Umbauvielfalt zu verzichten, die den Chassis Cab prägt.
Die Ankündigung gehört zur kommerziellen PBV-Strategie (Platform Beyond Vehicle) von Kia. Die PV5-Familie umfasst bereits Cargo, Passenger und Chassis Cab. Der Hersteller beschreibt den Chassis Cab als seine erste dezidierte, vollelektrische Fahrgestell-Kabine-Plattform – ausgelegt für professionelle Aufbauten und nicht als verkürzter Personentransporter.
Warum eine größere Batterie auf einem Umbau-Fahrgestell zählt
Bei einem Fahrgestell für Aufbauten ist die Batteriekapazität nicht nur ein Marketingargument. Aufbauhersteller montieren Kipper, Kühlkoffer, Paketmodule oder Serviceausrüstung. Jedes Kilogramm Aufbau und Ausstattung verändert den realen Energieverbrauch, und Betreiber fahren oft Routen, die dichte Stadtstraßen mit längeren suburbanen oder regionalen Abschnitten mischen.
Kias Position lautet, dass die Option mit 71,2 kWh Kunden anspricht, die solche Touren mit dem mittleren Paket nicht komfortabel planen konnten. Der Chassis Cab behält ein freiliegendes Heckchassis für professionelle Aufbauten; die Batteriewahl wird deshalb als Betriebsentscheidung dargestellt, nicht als Architekturwechsel des Fahrzeugs.
Erhan Eren, Director PBV bei Kia Europe, formulierte die kommerzielle Logik in diesen Worten. Laut Herstellerstatement brauchen gewerbliche Kunden Lösungen, die zu ihrer Arbeitsweise passen. Die 71,2-kWh-Batterie, so Eren, erhöhe die Vielseitigkeit, indem sie Reichweite, Ladezugang und Umbauanforderungen auf einer kompakten Elektroplattform ausbalanciere.
Das Zitat stammt aus der PBV-Führung von Kia Europe und ist als Herstellersicht auf das Produktbriefing zu lesen, nicht als unabhängige Flottenstudie.
Mit der Option veröffentlichte Ladewerte
Für die Batterie mit erweiterter Reichweite nennt Kia Gleichstromladen mit 120 kW. Von 10 % auf 80 % dauert der Vorgang laut Hersteller unter den für die Angabe genutzten Bedingungen etwa 30 Minuten. Bei Wechselstrom mit 11 kW wird eine Ladung von 10 % auf 100 % mit rund sechs Stunden und 30 Minuten angegeben.
Das sind Herstellerangaben. Die tatsächlichen Ergebnisse hängen von der Ladeleistung, der Batterietemperatur, dem Ladezustand zu Beginn der Session und der verfügbaren Leistung am Standort ab. Die Freigabe vom September 2026 verwendet für diese Batterieoption 120 kW DC und veröffentlicht keine höheren Werte aus früheren Nutzfahrzeug-Events erneut.
Kia betont außerdem, dass finale Reichweite und Nutzlast von Aufbau, Fahrzeugspezifikation, Ausstattung, Beladung, Route und Betriebsbedingungen abhängen. Der Hinweis ist für einen Chassis Cab besonders relevant: Zwei Fahrzeuge, die mit derselben Batterie das Werk verlassen, können beim Aufbauhersteller mit sehr unterschiedlichen Massen und aerodynamischen Profilen herauskommen.
Reichweitenreferenz: L2H1 Cargo, nicht der fertige Chassis Cab
Kia nennt in dieser Ankündigung keine WLTP-Reichweite für einen fertigen Chassis-Cab-Umbau. Stattdessen verweist der Hersteller auf eine Referenz desselben Energiepakets in einer anderen PV5-Karosserie: Der L2H1 Cargo, 2025 eingeführt, wird mit der erweiterten 71,2-kWh-Batterie mit bis zu 416 km WLTP angegeben.
Die Zahl liefert nützlichen Kontext zum Energiepaket. Sie ist keine WLTP-Homologation für Kipper, Kühlaufbauten, High-Box-Umbauten oder andere Chassis-Cab-Konfigurationen. Die Reichweite eines umgebauten Fahrzeugs variiert mit Aufbau, Ausstattung und Nutzung.
Für Flottenbetreiber in Deutschland ist der Unterschied praktisch. Eine innere städtische Tour in Berlin oder München mit nächtlicher Depotladung stellt andere Anforderungen als eine regionale Strecke zwischen Landkreisen, wo Lademöglichkeiten dünner gestreut sein können. Die Wahl zwischen 51,5 kWh und 71,2 kWh muss über reale Tour und Aufbaumasse erfolgen, nicht allein über das Cargo-Datenblatt.
Kompakte Abmessungen und städtische Wendigkeit
Der PV5 Chassis Cab wird mit einer Gesamtlänge unter fünf Metern beschrieben, mit Betonung auf städtischer Wendigkeit. Kia nennt einen Wendekreisradius von 5,5 Metern und stellt ihn als besten seiner Klasse dar. Die Formulierung „best in class“ ist eine Herstelleraussage aus dem Pressematerial und ist als solche zu behandeln, solange kein unabhängiger Vergleich separat zitiert wird.
Für kommunale Flotten, Baustofflieferanten und Last-Mile-Betreiber zählen kurze Gesamtlänge und enger Wendekreis ebenso wie die Batteriekapazität. Der Chassis Cab soll diese kompakte Silhouette behalten und zugleich die Heckstruktur für Spezialaufbauten offenlassen.
In deutschen Innenstädten mit engen Straßen und knappen Rangierflächen können genau diese Abmessungen entscheiden, ob ein elektrischer Nutztransporter im Alltag brauchbar bleibt oder nur auf dem Papier überzeugt.
E-GMP.S und europäische UmbauPartner
Das Fahrzeug basiert auf E-GMP.S (Electric-Global Modular Platform for Service), Kias modularer Architektur für gewerbliche Elektroanwendungen. Das Chassis-Cab-Programm wurde mit europäischen UmbauPartnern entwickelt, die mehrere Aufbau-Familien abdecken:
- Kipper und Bordwandaufbauten für Bau, Landwirtschaft und kommunale Einsätze
- drei Kastenwagen-Varianten für E-Commerce und Paketzustellung
- Kühlaufbauten für Lebensmittel und andere temperaturggeführte Transporte
- Utility-, Wartungs- und Field-Service-Module
Kia nennt außerdem eine High-Box-Umwandlung mit bis zu 8 m³ als Beispiel dafür, wie weit die Plattform beim Volumen gehen kann. Das Beispiel zeigt Flexibilität; es wird nicht als einziges Standard-Werksangebot dargestellt. Endgültiger Aufbautyp, Ausstattung, Zertifizierung und Verfügbarkeit hängen vom UmbauPartner und von lokalen Anforderungen in jedem Markt ab.
Verkaufskontext im ersten Halbjahr 2026
Kia stellt die Chassis-Cab-Batterienachricht in den breiteren PV5-Verkaufskontext in Europa. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete der PV5 13.116 Zulassungen und machte 37 % der Verkäufe elektrischer Transporter im C-Segment in Europa aus – laut den von Kia zitierten Zahlen das meistverkaufte Modell dieses Segments.
Die Quellenkette zu diesen Statistiken sind ACEA-Daten für die EU, EFTA und das Vereinigte Königreich, zusammengestellt über nationale Verbände, ACEA-Mitglieder und S&P Global Mobility. Die Methodik zählt: Der 37-Prozent-Anteil und der Bestseller-Rang beschreiben die PV5-Familie im Markt der elektrischen C-Segment-Transporter laut diesem Datensatz, nicht ein separates Ranking nur für den Chassis Cab in derselben Freigabe.
Europäischer Marktstart, Garantie und Marktunterschiede
Kia gibt an, dass der europäische Marktstart im Laufe des Jahres 2026 erfolgt, wobei Zeitpläne, Spezifikationen und Aufbaulösungen je nach Land variieren. Käufer sollten die Frankfurter Ankündigung deshalb als Produkt- und Batteriebriefing lesen, nicht als Garantie, dass jeder Umbautyp oder jede Batterieoption sofort in jedem Markt bestellbar ist.
Als Garantie werden sieben Jahre oder 150.000 km für das Fahrzeug sowie eine separate Batteriegarantie von acht Jahren genannt. Kia weist darauf hin, dass die Bedingungen marktabhängig sein können. In Deutschland sind lokale Verfügbarkeit, Homologation umgebauter Aufbauten und der genaue Garantiewortlaut über das offizielle Händlernetz zu bestätigen und nicht allein aus der paneuropäischen Freigabe abzuleiten.
Die praktische Lesart der Ankündigung ist klar. Kia ändert die Rolle des Chassis Cab als Umbau-Basis nicht. Der Hersteller ergänzt eine größere Energieoption, damit Flotten, die die kompakte Elektroplattform bereits akzeptieren, den Abstand zwischen Ladevorgängen strecken können und dabei weiterhin den Aufbau an die Aufgabe anpassen. Das 71,2-kWh-Paket, die DC-Ladeangabe von 120 kW und die 416-km-Cargo-Referenz sind die konkreten Zahlen im Briefing; Nutzlast und fertige Reichweite bleiben aufbauspezifisch.
Foto: Kia-Pressematerial.
Sources
- Offizielle Kia-Pressemitteilung, Frankfurt am Main, 24. September 2026
- Kia News Center
- Kia Deutschland
- ACEA



