Offizielles Bild: Leapmotor. Die Aufnahme zeigt den B10 aus dem europäischen Modellprogramm des Herstellers.
Leapmotor und Stellantis haben die Produktion des Elektro-SUV B10 im Stellantis-Werk Zaragoza in Spanien offiziell gestartet. Die Veranstaltung fand am 16. Oktober 2026 im Werk Figueruelas statt. Für Leapmotor ist es das erste offiziell angekündigte Fertigungsprogramm in Europa. Für Stellantis ist es ein weiterer industrieller Schritt in der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller. Die Mitteilung bestätigt den Produktionsbeginn, nennt aber weder eine Jahreskapazität noch einen deutschen Preis oder ein einheitliches Lieferdatum für alle europäischen Märkte.
Ein bestehendes Werk für ein neues Modell
Stellantis begründet die Wahl Zaragozas mit der Qualität des Standorts, der verfügbaren Kapazität und der industriellen Erfahrung. Im Werk werden bereits der Opel Corsa, der Peugeot 208 und der Lancia Ypsilon gebaut. Der B10 kommt damit in eine bestehende Fertigungsumgebung und nicht in eine eigens für Leapmotor errichtete Fabrik.
Der Start der Produktion ist nicht mit einer bereits veröffentlichten Endkapazität gleichzusetzen. Die offizielle Mitteilung nennt weder eine jährliche Stückzahl noch die Zahl der Schichten oder separate neue Arbeitsplätze für den B10. Sie sagt auch nicht, dass jedes in Europa ausgelieferte Fahrzeug sofort aus Spanien kommt. Diese Fragen müssen mit späteren Produktions- und Vertriebsdaten beantwortet werden.
Für Leapmotor ist die spanische Fertigung Teil der Internationalisierungsstrategie. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Hangzhou und entwickelt Elektromotoren, Batterien, Software und Steuerungssysteme. Die europäische Montage bringt einen Teil des Prozesses näher an die Kunden. Die offiziellen Dokumente veröffentlichen jedoch keine vollständige Herkunftsliste für alle Komponenten eines in Zaragoza gebauten B10.
Die Grundlage der Allianz
Die Zusammenarbeit begann vor dem Produktionsstart. Stellantis teilte mit, im Oktober 2023 rund 21 Prozent an Leapmotor erworben zu haben und damit größter Einzelaktionär geworden zu sein. Im Mai 2024 gründeten beide Unternehmen Leapmotor International B.V., ein Joint Venture mit 51 Prozent Stellantis- und 49 Prozent Leapmotor-Anteil. Das Unternehmen besitzt exklusive Rechte für den Verkauf und die Produktion von Leapmotor-Modellen außerhalb von Greater China.
Im Mai 2026 kündigten die Partner eine Vertiefung der Kooperation an. Der Plan sah die Fertigung des B10 in Figueruelas und die Prüfung einer neuen Linie für einen elektrischen Opel-C-SUV vor. Für das Opel-Modell war der Startzeitpunkt noch offen, mit einem möglichen Produktionsbeginn 2028. Beim B10 ist aus der Planung nun ein offiziell bestätigtes Programm geworden.
Stellantis beschreibt die Partnerschaft als Verbindung von Leapmotors Technologie und Innovation mit den eigenen Produktionskenntnissen, Qualitätssystemen und europäischen Marktstrukturen. Das ist die Darstellung der Unternehmen und keine unabhängige Qualitätsprüfung. Fest steht, dass ein Stellantis-Werk nun ein Leapmotor-Modell für das europäische Programm montiert.
Die technischen Daten des B10
Auf der offiziellen spanischen Leapmotor-Seite wird der B10 mit einer Länge von 4,51 Metern angegeben. Die batterieelektrischen Varianten nutzen Batterien mit 56,2 und 67,1 kWh. Die offiziellen WLTP-Reichweiten liegen bei 361 beziehungsweise 434 km. WLTP ist ein Homologationswert. Kälte, Geschwindigkeit, Steigungen, Verkehr und Heizung oder Klimaanlage können die Reichweite im Alltag verändern.
Leapmotor nennt eine maximale Leistung von 218 PS und eine Gleichstrom-Ladeleistung von bis zu 168 kW. Für die vollelektrischen Varianten wird eine Ladezeit von 30 auf 80 Prozent in 19 Minuten unter geeigneten Bedingungen angegeben. Der tatsächliche Wert hängt von Batterietemperatur, Ladezustand und Ladepunkt ab. Die Zahl ist deshalb eine Spezifikation und keine Garantie für jede öffentliche Ladestation.
Das europäische Modellprogramm umfasst außerdem eine REEV-Version mit einer 18,8-kWh-Batterie und einem 1,5-Liter-Benzinmotor. Leapmotor nennt dafür bis zu 86 km elektrische Reichweite und bis zu 900 km WLTP-Gesamtreichweite. Die Mitteilung zum Produktionsstart in Zaragoza bezieht sich auf den vollelektrischen B10. Daraus darf nicht abgeleitet werden, dass alle in Spanien gebauten Fahrzeuge einen Range Extender besitzen.
Innenraum und Assistenzsysteme
Nach Angaben von Leapmotor Spanien fasst der Kofferraum 430 Liter und bis zu 1.700 Liter bei umgeklappten Rücksitzen. Ein vorderes 25-Liter-Fach kann Ladekabel aufnehmen. Im Innenraum sitzt ein 14,6 Zoll großer zentraler Bildschirm mit 2,5K-Auflösung und Unterstützung für Apple CarPlay und Android Auto. Eine eigene App und Over-the-Air-Updates gehören ebenfalls zur offiziellen Beschreibung.
Die Modellseite nennt 17 Funktionen für Fahrerassistenz und eine 360-Grad-Kamera. Außerdem wird ein Ergebnis von fünf Euro-NCAP-Sternen erwähnt. Käufer sollten prüfen, welche Version getestet wurde und welche Systeme in der jeweiligen Ausstattung serienmäßig sind, da die Konfiguration von Markt zu Markt abweichen kann.
Was die europäische Fertigung verändert
Die Montage in Spanien verkürzt den industriellen Weg zu europäischen Märkten, legt aber keinen deutschen oder rumänischen Preis fest und garantiert keine sofortige Verfügbarkeit. Die spanische Website zeigt ein Aktionsangebot, das lokale Förderungen enthält und zeitlich begrenzt ist. Dieser Betrag kann nicht ohne Bestätigung des jeweiligen Importeurs auf andere Länder übertragen werden.
Interessenten müssen deshalb Fahrzeugversion, Zulassung, Garantie, Servicenetz, Ersatzteile, Lieferzeiten und Lademöglichkeiten prüfen. Europäische Produktion kann Logistik und Markenpositionierung beeinflussen. Für den Besitzer zählen aber ebenso der Kundendienst und die konkreten regionalen Vertragsbedingungen.
Der Produktionsstart in Zaragoza ist ein klarer industrieller Schritt. Der B10 ist das erste offiziell in Europa montierte Leapmotor-Modell und entsteht in einem Werk, das bereits mehrere Stellantis-Fahrzeuge baut. Die nächste Bewährungsprobe liegt bei den Lieferungen, dem Kundendienst und dem Angebot, das in den einzelnen europäischen Märkten tatsächlich verfügbar sein wird.



