Foto: Auto Express. Leapmotor B10, das Modell für den Start der europäischen Produktion.

Leapmotor beginnt im Oktober 2026 mit der Autoproduktion in Spanien; das erste Modell, das im Stellantis-Werk Zaragoza montiert wird, ist das Elektro-SUV B10. Das Projekt soll Logistikkosten senken und vor allem die Ausgleichszölle umgehen, die die Europäische Union auf aus China importierte Elektrofahrzeuge erhebt.

In Spanien gebaute Autos gehen zunächst in die Märkte der Europäischen Union, in denen diese Zölle gelten. Das Vereinigte Königreich erhält vorerst weiter in China produzierte Exemplare, weil es das von der EU eingeführte Zollregime für chinesische Elektroautos nicht anwendet.

Damien Dally, Leapmotor-Direktor für den britischen Markt, erklärte gegenüber Auto Express, die Marke müsse Länder priorisieren, in denen europäische Produktion eine Zolllast beseitigt. Er schloss nicht aus, dass später auch britische Kunden in Spanien gefertigte Automobile erhalten.

Der B10 eröffnet die Leapmotor-Linie in Zaragoza

Der Leapmotor B10 ist ein kompaktes Elektro-SUV und das erste Modell auf der neuen Linie im Nordosten Spaniens. Das Werk Figueruelas bei Zaragoza gehört Stellantis und produziert bereits Automobile für die europäischen Marken der Gruppe.

Der Oktober-Zeitplan ist konkreter als frühere Ankündigungen. In der gemeinsamen Mitteilung vom Mai bestätigten Stellantis und Leapmotor die Absicht, den B10 im Laufe des Jahres 2026 in Zaragoza zu produzieren, ohne den Monat des Linienstarts öffentlich festzulegen.

Die Partnerschaft hat eine besondere Struktur. Stellantis hält rund 20% am chinesischen Hersteller Leapmotor, die Gesellschaft Leapmotor International, zuständig für das Geschäft außerhalb Chinas, wird zu 51% von der europäischen Gruppe kontrolliert. Diese Formel gibt der chinesischen Marke Zugang zu Werken, Zulieferern, Vertrieb und Service von Stellantis.

Leapmotor hat in Europa bereits das Stadtmodell T03 im Stellantis-Werk Tychy in Polen montiert. Die 2024 begonnene Produktion wurde 2025 gestoppt. Das spanische Projekt ist umfangreicher: Es umfasst lokal gefertigte Komponenten und den Aufbau eines europäischen Zulieferernetzes, nicht nur die Montage von aus China gelieferten Kits.

Warum die EU-Zölle zählen

Die Europäische Union erhebt auf in China produzierte Elektroautos einen Standardzoll von 10%, plus Ausgleichszölle nach der Untersuchung der Europäischen Kommission zu Subventionen für chinesische Hersteller. Der Zuschlag unterscheidet sich je nach Unternehmen und kann 35,3% erreichen.

Ein in Spanien gefertigtes Automobil ist kein aus China importiertes Elektrofahrzeug mehr und fällt daher nicht automatisch unter diese Zölle. Europäische Herkunft kann auch für nationale Förderprogramme zählen, die Unterstützung an Produktionsort, CO₂-Fußabdruck oder Herkunft der Komponenten knüpfen.

Emanuele Cappellano, Chief Operating Officer von Stellantis für Europa, bestätigte, dass lokale Produktion die Zölle vermeiden lässt. Zulieferer seien bereits eingebunden, und die Gruppe mobilisiere ihre europäische Infrastruktur für Leapmotor-Automobile.

Francesco Giacalone, europäischer Vertriebs- und Marketingleiter von Leapmotor, nannte auch steigende Seefrachtkosten als Grund für die Lokalisierung. Der Marke zufolge hat sie in Europa eine Zuliefererbasis aufgebaut, die die in China genutzten technischen Spezifikationen von Leapmotor erfüllen kann.

Das Werk Madrid könnte an Leapmotor International gehen

Der Plan endet nicht in Zaragoza. Stellantis und Leapmotor prüfen die Übertragung des Werks Villaverde in Madrid an die spanische Tochter von Leapmotor International. Dort sollen mehrere Modelle für Europa und andere Märkte entstehen, im Einklang mit künftigen europäischen Local-Content-Vorgaben.

Antonio Filosa, Vorstandschef von Stellantis, sprach von zwei größeren Leapmotor-Modellen aus dem D-Segment für das Werk Madrid. Die Unternehmen haben Namen, Jahresvolumina und den genauen Produktionsstart noch nicht mitgeteilt.

Parallel entsteht neben dem Werk Zaragoza eine Batteriefabrik von Stellantis und CATL. Die angekündigte Investition beträgt rund 4,1 Milliarden Euro; die Lage im selben Industriekomplex kann Logistikkosten für künftige Elektromodelle senken.

Stellantis prüft zudem, ab 2028 in Zaragoza ein neues Opel-Elektro-SUV der Kompaktklasse zu bauen. Das europäische Modell würde gemeinsam mit Leapmotor entwickelte Technik nutzen, Projekt und Zeitplan sind jedoch noch in Bewertung.

Warum Großbritannien bei China-Produktion bleibt

Die Entscheidung, spanische Exemplare nicht sofort nach Großbritannien zu schicken, ist wirtschaftlich, nicht technisch. Das Vereinigte Königreich wendet die Ausgleichszölle der Europäischen Union auf chinesische Elektroautos nicht an, daher ist der finanzielle Vorteil der Produktion in Zaragoza geringer.

Leapmotor kann den britischen Markt weiter direkt aus China beliefern, während die Anfangskapazität des spanischen Werks EU-Ländern vorbehalten bleibt. Das Unternehmen sagt, die Verteilung könne rasch geändert werden, wenn Nachfrage, Kosten oder Regulierung es erfordern.

Dieser Unterschied bedeutet nicht, dass der in Großbritannien verkaufte B10 ein anderes Modell ist. Produktionsort und einige Komponenten können abweichen, die Automobile müssen aber dieselben lokalen Homologations- und Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Was die spanische Produktion für Rumänien bedeuten kann

Rumänien gehört zum europäischen Netz, in das Leapmotor über Stellantis eingetreten ist. Das Unternehmen hat die Verteilung der Zaragoza-Produktion auf die Länder noch nicht bekannt gegeben; das Datum, an dem die ersten in Spanien gebauten B10 rumänische Händler erreichen, ist daher nicht bestätigt.

Der rumänische Markt gehört jedoch zu den Ländern, für die EU-Produktion wirtschaftlich sinnvoll ist. Der Wegfall des Ausgleichszolls und kürzere Transporte können der Marke helfen, einen wettbewerbsfähigen Preis zu halten, garantieren aber keine automatische Verbilligung: europäische Produktionskosten, Ausstattung, Wechselkurs und die Politik des Importeurs bleiben entscheidend.

Für Käufer leichter erkennbar könnten kürzere Lieferzeiten und eine bessere Verfügbarkeit von Konfigurationen sein. Produktion nah am Markt erlaubt dem Hersteller, Volumina anzupassen, ohne viele Monate im Voraus per Schiff aus China bestellte Lose zu ordern.

Der Start der B10-Produktion in Zaragoza markiert so den Übergang Leapmotors von einer Importmarke zu einem Hersteller mit europäischer Industriebasis. Wie schnell weitere Modelle folgen, hängt vom Werkstakt, der EU-Nachfrage und dem Abschluss des Plans für Madrid ab.

Quellen: Auto Express – Produktionskalender und Strategie für die EU-Märkte, Stellantis – Ausweitung der Partnerschaft und Pläne für Zaragoza und Madrid, Europäische Kommission – Ausgleichszölle auf Elektrofahrzeuge aus China, Invest in Spain – Leapmotor-Produktion in Stellantis-Werken