Symbolfoto einer Mercedes-Benz S-Klasse W223. Foto: Nord794ub / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Das Bild stammt nicht von Motor1 und zeigt nicht das betroffene Bauteil.

Mercedes-Benz ruft 30.064 S-Klassen wegen möglicher Bremsleitungs-Lecks zurück

Mercedes-Benz USA, LLC hat der US-Verkehrssicherheitsbehörde National Highway Traffic Safety Administration einen Rückruf für potenziell 30.064 Fahrzeuge gemeldet. Die Kampagne 26V638000 betrifft bestimmte Mercedes-Benz S-Klassen und Mercedes-Maybach-Limousinen der Modelljahre 2022 bis 2025. Laut der offiziellen Zusammenfassung können die vorderen Bremsschläuche reißen und Bremsflüssigkeit verlieren.

Die NHTSA erklärt, dass ein Bremsflüssigkeitsverlust den Bremsweg verlängern und damit das Unfallrisiko erhöhen kann. Die Zahl 30.064 beschreibt die potenziell betroffene Fahrzeugpopulation. Sie ist keine Zahl bestätigter Defekte, Unfälle oder Fahrzeuge, bei denen nach der VIN-Prüfung zwingend dieselbe Reparatur notwendig ist.

Diese Modelle sind aufgeführt

Im US-Dokument werden sechs Modellfamilien genannt. Mercedes-Benz S 500 4MATIC und S 580 4MATIC sind für die Modelljahre 2022 bis 2025 aufgeführt. Der Plug-in-Hybrid S 580 E 4MATIC ist für 2023 bis 2025 genannt. Mercedes-Maybach S 580 4MATIC und S 680 4MATIC fallen in den Zeitraum 2022 bis 2025. Der Mercedes-AMG S 63 E Performance ist für die Modelljahre 2024 und 2025 enthalten.

Die Fahrzeuge wurden laut Bericht zwischen dem 2. Februar 2021 und dem 28. November 2024 gebaut. Dieser Produktionszeitraum ersetzt keine Prüfung der Fahrzeug-Identifikationsnummer. Rückrufe können auf bestimmte Baulose, Lieferanten oder Fahrzeugkonfigurationen begrenzt sein. Ob ein einzelnes Fahrzeug betroffen ist, entscheidet die VIN-Abfrage.

Die Kampagne wurde von Mercedes-Benz USA für den US-Markt eingereicht. Eine gleichnamige S-Klasse in Europa gilt deshalb nicht automatisch als betroffen. Besitzer eines aus den USA importierten Fahrzeugs können die VIN in der NHTSA-Datenbank prüfen. Für ein ursprünglich in Europa ausgeliefertes Auto ist die zuständige Mercedes-Benz-Niederlassung im jeweiligen Markt der richtige Ansprechpartner.

Warum der Bremsschlauch relevant ist

Das hydraulische Bremssystem überträgt den Pedaldruck über Bremsflüssigkeit auf die Bremsen an den Rädern. Starre Leitungen werden mit flexiblen Schläuchen zu den Bremssätteln verbunden, weil sich die gelenkten Räder und die Fahrwerksteile bewegen. Die Schläuche müssen Druck, Vibrationen, wiederholte Biegungen, Hitze und Einflüsse von Wasser, Salz und Straßenschmutz aushalten.

Wenn ein Schlauch reißt, kann Bremsflüssigkeit austreten und der Druck im System sinken. Wie sich das Pedal genau anfühlt, hängt vom Ort und vom Umfang des Lecks ab. Das von der NHTSA genannte Risiko ist jedoch eine schlechtere Bremswirkung oder ein längerer Anhalteweg. Deshalb handelt es sich um einen Sicherheitsrückruf und nicht um eine normale Wartungsmaßnahme.

Die öffentliche Zusammenfassung weist nicht pauschal an, jedes Fahrzeug sofort abzustellen. Eine Bremswarnleuchte, ein weiches oder absinkendes Pedal, Flüssigkeit an einem Rad oder ein ungewohntes Bremsverhalten sind trotzdem Gründe, das Auto sicher anzuhalten und fachkundige Hilfe zu holen.

Die angekündigte Abhilfe

Mercedes-Benz-Händler sollen die vorderen Bremsschläuche kostenlos ersetzen, so die NHTSA-Angaben. Die Benachrichtigungsschreiben sollen am 27. November 2026 verschickt werden. Das ist der im Rückruf genannte Versandtermin und keine Bestätigung, dass jeder Halter bereits informiert wurde.

Die Kampagne 26V638000 erweitert einen früheren Rückruf mit der NHTSA-Nummer 25V116. Eine Reparatur aus der älteren Kampagne sollte nicht ohne erneute VIN-Prüfung als erledigt betrachtet werden. Der Halter sollte beim Händler klären lassen, ob eine Kampagne offen ist, welche Arbeit bereits dokumentiert wurde und welche Teile nun vorgesehen sind.

Für den US-Markt nennt der Datensatz die Mercedes-Benz-USA-Kundennummer 1-800-367-6372. Die NHTSA-Datenbank ist für die Prüfung eines konkreten Fahrzeugs maßgeblich. Rückrufdaten können ergänzt werden, wenn der Hersteller weitere Unterlagen einreicht oder zusätzliche VINs in der Datenbank erscheinen.

Was europäische Halter beachten sollten

Zunächst muss klar sein, für welchen Markt das Fahrzeug ausgeliefert wurde. Eine aus den USA importierte S-Klasse wird in der amerikanischen Datenbank geführt; ein in Europa verkauftes Fahrzeug wird über das jeweilige regionale System verwaltet. Modellname und Baujahr reichen für eine Bestätigung nicht aus.

Ein Ersatzteil sollte nicht allein anhand der US-Kampagnennummer bestellt werden. Teilenummern, Arbeitsanweisungen und Kampagnen können sich zwischen Märkten unterscheiden. Ein autorisierter Betrieb sollte die VIN prüfen, die passende Maßnahme bestätigen und die Reparatur im Fahrzeugdatensatz dokumentieren.

Die Rückrufmitteilung und den Reparaturauftrag aufzubewahren, ist sinnvoll. Die Unterlagen belegen, was kontrolliert und ersetzt wurde, und helfen bei einem späteren Verkauf. Käufer einer gebrauchten S-Klasse sollten eine offizielle Prüfung offener Rückrufe verlangen und sich nicht nur auf einen kommerziellen Fahrzeugbericht verlassen.

Bestätigte Fakten und offene Grenzen

Bestätigt sind die Kampagnennummer, das meldende Unternehmen, die potenzielle Fahrzeugzahl, die sechs Modellfamilien, die Modelljahre, der Produktionszeitraum, die beschriebene Gefahr und der kostenlose Austausch. Die öffentliche Zusammenfassung sagt nicht, dass die ausgeweitete Kampagne Unfälle oder Verletzungen verursacht hat. Sie sagt auch nicht, dass jedes Fahrzeug der genannten Modelljahre den Defekt besitzt.

Es handelt sich somit um einen US-Rückruf für identifizierbare Fahrzeuge und nicht um eine Aussage über jede weltweit verkaufte S-Klasse. Für das einzelne Auto bleibt die VIN-Prüfung entscheidend.

Quellen