Michael Leiters und Jochen Breckner neben einem Porsche 911 Turbo S. Fotoquelle: Porsche AG.

Porsche hält am Verbrenner fest: Der Macan kommt 2028 zurück, der 911 bleibt ohne Elektroversion

Porsche passt seine Elektrifizierungsstrategie an, ohne Elektroautos aufzugeben. Vorstandschef Michael Leiters bestätigt, dass die künftige Modellpalette Verbrennungsmotoren, Hybride und batterieelektrische Fahrzeuge kombinieren wird. In diesem Plan soll der Macan 2028 wieder mit einem Verbrennungsmotor angeboten werden, während Porsche einen vollelektrischen 911 weiterhin ausschließt.

Die Änderung folgt auf mehrere Jahre mit hohen Investitionen in Elektroantriebe und einer Nachfrage, die sich je nach Markt deutlich unterschiedlich entwickelt. Der Rückgang in China, hohe Entwicklungskosten und ein zu komplexes Portfolio haben das Management veranlasst, die Prioritäten neu zu ordnen. Leiters beschreibt dies nicht als Abkehr vom Elektroauto, sondern als gemischtes Angebot, das zu Modell und Region passen soll.

Ein Benzin-Macan ist für 2028 geplant

Der Macan Electric hat in Europa die vorherige Generation ersetzt. Porsche geht inzwischen jedoch nicht mehr davon aus, dass ein kompakter SUV in allen Märkten ausschließlich mit Batterie angeboten werden muss. Ein Nachfolger mit Verbrennungsmotor ist für 2028 vorgesehen und soll neben dem Macan Electric verkauft werden.

Damit ändert sich die ursprüngliche Richtung der Baureihe. Das Elektroauto sollte Teil einer Umstellung sein, bei der Verbrennungsmotoren allmählich an Bedeutung verlieren. Außerhalb der Europäischen Union bot Porsche den Benzin-Macan allerdings bis zum Produktionsende im Sommer 2026 weiter an. Der Bericht zu den Auslieferungen im ersten Halbjahr zeigt, dass beide Antriebsarten während dieser Übergangsphase zur Modellfamilie gehörten.

Porsche hat noch keine Angaben zu Hubraum, Leistung, Preis oder Plattform des künftigen Macan mit Verbrennungsmotor veröffentlicht. Auch ein Mildhybrid- oder Plug-in-Hybrid-System wurde nicht bestätigt. Konkrete technische Daten wären deshalb derzeit nicht belegt. Bestätigt ist lediglich die geplante Rückkehr des Verbrenners um das Jahr 2028.

Porsche investiert weiter in Elektroautos

Leiters weist die Einschätzung zurück, er sei gegen Elektroautos. Porsche entwickelt den Cayenne Electric und elektrische Sportwagen der 718-Familie weiter. Auch Taycan und Macan Electric bleiben im Programm. Nach Ansicht des Unternehmens unterscheiden sich die Erwartungen in Europa, China und den USA so stark, dass nicht jedes Modell dieselbe Antriebstechnik erhalten kann.

Im ersten Quartal 2026 lieferte Porsche 60.991 Fahrzeuge aus, 15 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im ersten Halbjahr wurden 122.306 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Minus von 16 Prozent. Als Gründe nannte der Hersteller unter anderem das Ende des Verbrenner-718, den veränderten Hochlauf des elektrischen Macan und das Auslaufen von Förderungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge in den Vereinigten Staaten.

Die Entwicklung ist bei den einzelnen Baureihen unterschiedlich. Die 911-Auslieferungen stiegen im ersten Halbjahr um 19 Prozent auf 30.534 Fahrzeuge. Die Macan-Baureihe ging um 22 Prozent zurück. Es handelt sich um weltweit von Porsche gemeldete Auslieferungen und nicht um eine unabhängige Messung der Nachfrage nach den einzelnen Antriebsarten.

Der 911 bleibt ein Verbrenner mit Hybridtechnik

Beim 911 ist die Aussage von Porsche eindeutig: Eine vollständig elektrische Version wird es nicht geben. Der aktuelle 911 Carrera GTS nutzt das T-Hybrid-System. Dabei arbeitet ein Sechszylinder-Boxermotor mit elektrischen Komponenten zusammen, ohne dass das Fahrzeug zu einem reinen Batterieauto wird.

Porsche sieht den Performance-Hybrid als langfristigen Bestandteil der 911-Zukunft. Das System kann Ansprechverhalten und Effizienz unterstützen, ohne den Verbrennungsmotor zu entfernen oder die technische Grundidee des Sportwagens vollständig zu verändern. Der Hersteller beschreibt den Hybrid nicht als Übergangslösung bis zu einem späteren Elektro-911.

Noch ist nicht bekannt, ob jede künftige 911-Variante Hybridtechnik erhalten wird und wie lange eine Version ohne elektrische Unterstützung angeboten werden soll. Einen Plug-in-Hybrid für den 911 hat Porsche ebenfalls nicht angekündigt. Batterie, Elektromotor und zusätzliches Gewicht sind konkrete Grenzen für ein Sportcoupé mit Heckmotor.

Strategie 2035 soll das Portfolio vereinfachen

Die Strategie 2035 umfasst die Bereiche Marke und Kunden, Produkte und Technologie sowie Unternehmen und Abläufe. Auf der Hauptversammlung im Juni erklärte Leiters, das Portfolio sei zu komplex geworden und die Zahl der Varianten müsse sinken. In den USA hat Porsche bereits zwei Taycan-Karosserievarianten als Reaktion auf die lokale Nachfrage aus dem Programm genommen.

Mit den Arbeitnehmervertretern wurde außerdem ein Zukunftspaket vereinbart. Es sieht den sozialverträglichen Abbau weiterer 5.000 Stellen bis 2035 vor, vor allem durch natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Vereinbarungen. Zusammen mit früheren Maßnahmen nähert sich der geplante Abbau 9.000 Arbeitsplätzen. Porsche will 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach investieren und verlängert die Beschäftigungs- und Standortsicherung bis 2035.

Für Käufer gibt es damit noch keine endgültige Liste gestrichener Modelle, neuer Preise oder entfallender Varianten in Europa. Porsche hat eine Strategie mit drei Antriebsarten bestätigt, aber nicht angekündigt, dass jedes Modell mit allen drei Optionen angeboten wird.

Die vollständige Strategie 2035 soll beim Capital Markets Day im Oktober vorgestellt werden. Bis dahin sind die Rückkehr des Benzin-Macan und der Ausschluss eines elektrischen 911 bestätigte strategische Richtungen, aber noch keine vollständigen technischen Datenblätter kommender Fahrzeuge.

Quellen