Volkswagen Group rechnet für 2026 nur noch mit einer operativen Umsatzrendite von bis zu 1 Prozent. Zuvor hatte der Konzern 4–5,5 Prozent in Aussicht gestellt. Als Gründe nennt Volkswagen die weitere Verschlechterung des chinesischen Marktes, eine schnellere Verschiebung der Nachfrage zu batterieelektrischen Fahrzeugen und Sondereffekte von insgesamt rund 10 Milliarden Euro.

Volkswagen-Konzernzentrale in Wolfsburg, Deutschland

Die Volkswagen-Konzernzentrale in Wolfsburg. Foto: Vanellus/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Der Umsatz verändert sich weniger stark als die Rendite

In der Ad-hoc-Mitteilung vom 18. September erwartet Volkswagen für 2026 einen Konzernumsatz von rund 315 Milliarden Euro. Damit liegt die Prognose ungefähr in der Mitte der bisherigen Bandbreite von -3 bis 0 Prozent gegenüber 2025. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern 321,9 Milliarden Euro Umsatz.

Die stärkere Veränderung betrifft deshalb die Profitabilität. 2025 lag die operative Umsatzrendite bei 2,8 Prozent. Nach den Halbjahreszahlen hielt Volkswagen zunächst an der Prognose von 4–5,5 Prozent für 2026 fest. Die neue Obergrenze von 1 Prozent zeigt, wie stark Marktbedingungen und einmalige Belastungen das veröffentlichte Ergebnis beeinflussen können.

Volkswagen rechnet mit Sondereffekten von etwa 10 Milliarden Euro im gesamten Geschäftsjahr. Rund 0,9 Milliarden Euro waren bereits im ersten Halbjahr verbucht. Dazu kommt eine erwartete Wertminderung von ungefähr 6 Milliarden Euro auf den Geschäfts- oder Firmenwert des Porsche-Geschäftssegments.

Die Wertminderung ist eine Bilanzbelastung auf Grundlage aktualisierter Annahmen zum Unternehmenswert von Porsche. Sie verringert das ausgewiesene operative Ergebnis, ist aber nicht mit einer gleich hohen Auszahlung an einem einzigen Tag gleichzusetzen. Bereinigt um Sondereffekte erwartet Volkswagen für 2026 eine operative Umsatzrendite von ungefähr 4 Prozent.

China ist der wichtigste Marktdruck

Arno Antlitz, Finanzvorstand und Chief Operating Officer der Volkswagen Group, erklärte, der chinesische Markt sei um 20 Prozent geschrumpft. Anzeichen für eine Erholung seien derzeit nicht erkennbar. In der Halbjahresberichterstattung hatte Volkswagen bereits einen Rückgang des relevanten chinesischen Marktes um 31,6 Prozent genannt. Die Auslieferungen der Volkswagen Group in China sanken im ersten Halbjahr 2026 um 25,9 Prozent.

Die Zahlen müssen im Zusammenhang mit der Konzernstruktur gelesen werden. Mehrere chinesische Gemeinschaftsunternehmen werden nach der Equity-Methode bilanziert. Ihre Aktivitäten fließen daher nicht in derselben Weise in den konsolidierten Umsatz ein wie die vollständig konsolidierten Gesellschaften. Auslieferungen, Umsatz und operatives Ergebnis beschreiben unterschiedliche Teile des Geschäfts.

Der Wettbewerbsdruck ist bei batterieelektrischen Fahrzeugen besonders hoch. Chinesische Hersteller verbinden niedrige Preise mit digitalen Funktionen und kurzen Entwicklungszyklen. Gleichzeitig exportieren sie zusätzliche Kapazität nach Europa. Dort müssen die etablierten Hersteller ebenfalls hohe Summen für Batterien, Software und neue Plattformen aufwenden.

Volkswagen setzt in China auf die Strategie „In China for China“. Auf der Auto China 2026 kündigte der Konzern mehr als 20 elektrifizierte Fahrzeuge für den chinesischen Markt im Jahr 2026 sowie 50 Modelle bis 2030 an. Das sind Produktpläne und keine Absatzgarantie. Antlitz sagte zudem, dass sich die Strategie erst in den kommenden Jahren vollständig finanziell auszahlen werde.

Der Elektroauto-Mix belastet die aktuelle Marge

Volkswagen führt die neue Prognose auch auf eine schnellere Verschiebung der Nachfrage zu batterieelektrischen Fahrzeugen zurück. Als Faktoren nennt der Konzern die geopolitische Lage und stark gestiegene Benzinpreise. Gleichzeitig erklärt Volkswagen, dass der Gewinn pro Elektrofahrzeug derzeit deutlich niedriger sei als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Das bedeutet nicht, dass der Konzern den Elektroantrieb aufgibt. In Europa wuchs der Auftragsbestand für vollelektrische Fahrzeuge im ersten Halbjahr um mehr als 50 Prozent. Die Electric Urban Car Family von Volkswagen, Škoda und CUPRA hatte Anfang Juli mehr als 54.000 Bestellungen gesammelt. Zu diesem Zeitpunkt waren drei der vier Modelle verfügbar.

Die wirtschaftliche Schwierigkeit liegt im Timing. Ein Elektroauto braucht eine andere Kostenstruktur mit Batterie, Leistungselektronik, Software und Ladesystemen. Wenn ein Hersteller Preise senkt, um Volumen gegen Wettbewerber zu verteidigen, können die Margen sinken, bevor Skaleneffekte und Einkaufsvorteile wirksam werden. Daraus folgt nicht, dass jedes elektrische Volkswagen-Modell Verluste verursacht.

Die aktualisierte Prognose nennt Audi und Volkswagen Passenger Cars als Marken, deren operative Entwicklung hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt. Eine vollständige Liste betroffener Modelle, Werke oder Länder enthält die Mitteilung nicht.

Weniger Komplexität im Plan für 2030

Volkswagen verbindet die neue Prognose mit dem „Group Target Picture 2030“. Im Mittelpunkt stehen ein klareres Produktportfolio, einfachere Prozesse und schlankere Strukturen. Bei einem Konzern mit vielen Marken, Plattformen und regionalen Varianten kann Komplexität zusätzliche Kosten bei Entwicklung, Einkauf und Produktionsplanung verursachen.

Der Konzern erklärt, dass seine Performance-Programme bereits Gemeinkosten und Investitionsausgaben reduziert hätten. Im ersten Quartal hatte Volkswagen eine Senkung der Gemeinkosten um fast 1 Milliarde Euro gemeldet. Zugleich hieß es, die bisherigen Einsparungen reichten nicht für die angestrebten strukturellen Veränderungen aus.

Für den Automobilbereich erwartet Volkswagen weiterhin einen Netto-Cashflow von 3 bis 6 Milliarden Euro und eine Netto-Liquidität von 32 bis 34 Milliarden Euro. Diese Größen geben dem Konzern finanziellen Spielraum. Sie ersetzen aber nicht die Auswahl von Elektro-, Software- und Produktionsprojekten mit einem tragfähigen Geschäftsmodell.

Die Lage verbindet daher zwei unterschiedliche Aussagen. Das berichtete Ergebnis könnte wegen der Sondereffekte sehr niedrig ausfallen. Bereinigt um diese Belastungen erwartet Volkswagen ungefähr 4 Prozent operative Umsatzrendite und weiterhin einen positiven Cashflow im Automobilbereich. Die beiden Werte beantworten nicht dieselbe Frage.

Was die Prognose nicht bestätigt

Die Mitteilung kündigt weder die sofortige Schließung eines bestimmten Werks noch den Rückzug eines Volkswagen-Modells aus Deutschland oder Österreich an. Auch eine neue Preisliste und eine endgültige Zahl betroffener Arbeitsplätze werden nicht genannt. Volkswagen beschreibt die finanzielle und strategische Richtung; konkrete Umsetzungsentscheidungen müssen später veröffentlicht werden.

Für Käufer im deutschsprachigen Raum entsteht deshalb zunächst keine automatisch geltende Änderung im Handel. Verfügbarkeit, Lieferzeiten und Preise hängen von der europäischen Produktionsplanung und den jeweiligen Importeuren ab. Eine Konzernprognose für die Marge ist keine unmittelbare Verkaufsmitteilung.

Auch für bestehende Fahrzeuge folgt aus der Prognose keine neue Service- oder Garantiebedingung. Der Konzern hat weder eine technische Rückrufmaßnahme noch eine Änderung der Ersatzteilversorgung angekündigt. Wer auf ein neues Elektroauto wartet, sollte deshalb weiterhin die konkrete Ausstattung, den Liefertermin und die Bedingungen des jeweiligen Händlers prüfen. Diese Angaben können sich von der globalen Finanzplanung unterscheiden.

Die nächsten überprüfbaren Punkte sind die Ergebnisse des dritten Quartals, die bilanzielle Behandlung der Porsche-Wertminderung und die konkreten Maßnahmen zum Plan 2030. Bestätigt sind derzeit die neue Margenprognose von bis zu 1 Prozent, Sondereffekte von rund 10 Milliarden Euro, die Belastung durch China und die schnellere Verschiebung zum Elektroauto.

Quellen