Altilium will in Großbritannien mehr Wertstoffe aus alten Elektroautobatterien zurückgewinnen, statt die nach dem Zerkleinern entstehende Masse zur Weiterverarbeitung ins Ausland zu schicken. Dafür baut das Unternehmen seine Anlagen in Plymouth aus. Zwischen dem bereits genehmigten Pilotbetrieb ACT2 und dem noch im Bau befindlichen Projekt ACT3 liegen jedoch deutlich unterschiedliche Größenordnungen.

ACT2 verarbeitet nach Unternehmensangaben täglich Material im Umfang von ungefähr einer Elektroautobatterie. ACT3 ist dagegen für 24.000 Batterien im Jahr ausgelegt. In der Mitteilung vom 6. Oktober 2026 bezeichnet Altilium ACT3 weiterhin als im Bau. Der im April veröffentlichte Zeitplan sieht die Inbetriebnahme Ende 2027 vor und beschreibt damit einen künftigen Meilenstein.

Die Genehmigung bezieht sich auf den Pilotbetrieb

Die britische Environment Agency veröffentlichte am 15. September 2026 die Erteilung der Umweltgenehmigung EPR/AP3728SG/A001 für Altilium Metals Ltd in Plymouth. Altilium ordnete sie anschließend ACT2 zu. Nach Darstellung des Unternehmens schafft sie den regulatorischen Rahmen für die hydrometallurgischen Verfahren EcoCathode und EcoAnode.

Diese Verfahren nutzen chemische Verarbeitung in Lösungen, um Materialien für Kathoden und Anoden zurückzugewinnen. ACT2 ist laut Altilium dafür konzipiert, aus sogenannter Black Mass aktive Anoden- und Kathodenmaterialien herzustellen. Die genannte Größenordnung von etwa einer Batterie pro Tag bezeichnet den entsprechenden Materialumfang des Piloten.

Vor der vollständigen Genehmigung hatte ACT2 bereits unter einer Local Enforcement Position gearbeitet. Dabei handelte es sich um einen kontrollierten Betrieb unter regulatorischer Aufsicht. Das September-Dokument bedeutet folglich nicht, dass vorher keinerlei Verarbeitung stattfand. Es belegt ebenso wenig, dass die größere Anlage ACT3 schon eröffnet oder ihre volle Leistung erreicht hätte.

Schwarze Masse ist noch kein fertiges Kathodenmaterial

Nach dem Zerlegen und Schreddern einer Batterie bleibt ein Gemisch zurück, das als Black Mass bezeichnet wird. Die darin enthaltenen Batteriematerialien müssen weiter getrennt und aufbereitet werden, bevor sie in neue Zellen gelangen können. Wer diese Masse produziert, hat deshalb noch nicht automatisch die gesamte Verarbeitung bis zum aktiven Kathodenmaterial im eigenen Land.

Altilium beschrieb diese Lücke in seiner September-Mitteilung: In Großbritannien erzeugte Black Mass werde zur weiteren Verarbeitung exportiert; aufbereitete Materialien würden anschließend wieder in die Lieferkette importiert. Das ist die Darstellung des Unternehmens zur heimischen Industriestruktur. Daraus folgt kein Nachweis, dass jede britische Lieferung denselben Handelsweg nimmt oder zu ihrem ursprünglichen Erzeuger zurückkehrt.

Die internationale Konzentration lässt sich unabhängig davon belegen. Im Global Critical Minerals Outlook 2026 schreibt die Internationale Energieagentur China mehr als drei Viertel der weltweiten Kapazität zur Batterievorbehandlung und 90 Prozent der Kapazität zur Materialrückgewinnung zu. Die Angaben betreffen Kapazitäten, nicht die tatsächlich verarbeiteten Mengen eines Jahres oder die konkrete Verteilung britischer Exporte.

Was ACT3 künftig ausgeben soll

Die Erweiterung in Plymouth soll nach Altiliums Planung Nickel-Mischhydroxid, üblicherweise MHP genannt, Lithiumsulfat und Graphit gewinnen. MHP ist ein Zwischenprodukt für die Herstellung von Nickelsulfat in Batteriequalität. Eine weitergehende Verarbeitung von Black Mass bedeutet somit nicht, dass jedes Ausgangsprodukt der Anlage bereits unmittelbar als fertiges Kathodenmaterial eingesetzt wird.

Für den späteren Betrieb nennt die April-Mitteilung jährlich ungefähr 5.200 Tonnen MHP, 8.000 Tonnen Lithiumsulfat und 5.400 Tonnen Graphit. Diese Massen stehen für unterschiedliche Produkte mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Die Lithiumsulfatmenge lässt sich nicht als gleich große Menge reinen Lithiums wiedergeben. Auch ihre Addition ergibt keine einheitliche Produktionsmenge fertiger Kathoden.

Altilium erwartet durch die Erweiterung 70 Arbeitsplätze in Plymouth. Das ist eine Projektprognose und keine Bestätigung, dass sämtliche Stellen bereits besetzt sind. Das Advanced Propulsion Centre führte Altilium am 9. April 2026 offiziell unter den ersten Empfängern einer Förderung aus dem DRIVE35 Scale-up Fund auf. Das Programm wird mit der britischen Regierung und Innovate UK umgesetzt.

Die Zellfertigung in Coventry wurde bereits demonstriert

Ein tatsächlich erreichter Fertigungsschritt wurde schon am 18. März 2025 gemeldet. Das UK Battery Industrialisation Centre stellte in Coventry Pouch-Zellen mit recyceltem aktivem Kathodenmaterial von Altilium her. Verwendet wurde EcoCathode NMC 811-2036 aus den Anlagen des Unternehmens in Devon.

UKBIC kündigte damals umfassende Validierungsstudien mit einem Automobilhersteller als nächsten Schritt an. Die industrielle Herstellung zeigt, dass sich mit dem bezeichneten Material neue Zellen fertigen ließen. Sie belegt keine bereits laufende Serienbelieferung eines bestimmten JLR- oder Nissan-Modells und liefert für sich genommen auch keine Reichweitenwerte eines käuflichen Elektroautos.

Chemische Rückgewinnungsraten und Fahrzeugleistungen müssen entsprechend getrennt bleiben. Ein hoher Anteil wiedergewonnener Metalle sagt allein weder aus, wie lange eine Fahrzeugbatterie hält, noch wie schnell sie lädt. Solche Aussagen erfordern eigene Prüfungen mit den jeweiligen Bedingungen und Ergebnissen. Eine Umweltgenehmigung für die Verarbeitung ersetzt diese Produktvalidierung ebenfalls nicht.

Neue Mittel für den Ausbau, ACT4 bleibt ein Vorhaben

Am 6. Oktober 2026 meldete Altilium zusätzliche Investitionen der bisherigen Anteilseigner SQM und Marubeni im Rahmen der Series-B2-Runde. Die Höhe des neuen Beitrags nannte die Mitteilung nicht. Das Unternehmen verknüpft die Finanzierung mit ACT3 und dem längerfristigen Aufbau einer britischen Batteriematerial-Lieferkette.

Als nächste größere Stufe plant Altilium ACT4 in Teesside. Vorgesehen sind Materialien aus jährlich 150.000 Elektroautobatterien sowie 30.000 Tonnen aktives Kathodenmaterial pro Jahr. Diese Auslegungswerte sind nicht die heutige britische Produktion. Bei ACT3 bleibt die veröffentlichte operative Zeitmarke die geplante Inbetriebnahme Ende 2027; erst nach dem tatsächlichen Anlauf lassen sich erreichte Mengen mit der Planung vergleichen.

Illustrative Archivaufnahme: Volkswagen-Batterierecycling in Salzgitter, 2021. Keine Anlage von Altilium. © Volkswagen AG, DB2021AL00105. Kostenfreie redaktionelle Nutzung gemäß Volkswagen-Bildbedingungen.

Quellen