Protest von Volkswagen-Beschäftigten in Wolfsburg, Juli 2026. Fotoquelle: Heiko Stumpe / IG Metall
Mehr als 10.000 Volkswagen-Beschäftigte protestierten in Wolfsburg gegen neue Stellenkürzungen
Mehr als 10.000 Volkswagen-Beschäftigte empfingen Vorstandschef Oliver Blume mit Pfiffen und Plakaten bei einer außerordentlichen Versammlung am 25. August 2026 im Stammwerk Wolfsburg.
Zu den von IG-Metall-Vertretern gezeigten Botschaften gehörten „Unsere Arbeitsplätze sind keine Korrekturen in eurer Bilanz“ und Forderungen, Tarifverträge einzuhalten. Die Unzufriedenheit folgt auf Berichte über eine neue Welle von Stellenkürzungen und mögliche Schließungen einiger Werke in Deutschland.
Blume sagte den Beschäftigten, Volkswagen bereite das umfangreichste Transformationsprogramm der Konzerngeschichte vor und alle Seiten müssten beitragen. Eine endgültige Liste der betroffenen Werke und Stellen präsentierte er jedoch nicht.
Weitere 50.000 Stellen sind vorerst eine Rechnung
Volkswagen hat bereits Kürzungen von rund 50.000 Stellen über mehrere Konzernmarken vereinbart, darunter Volkswagen, Audi und Porsche. Ein wichtiger Teil soll über freiwillige Abgänge, Altersteilzeit und das Nichtbesetzen frei werdender Stellen abgebaut werden.
Die Führung prüft nun, ob weltweit noch die Streichung weiterer 50.000 Positionen nötig wäre. Blume präzisierte in Wolfsburg, diese Zahl sei eine „theoretische Rechengröße“, entstanden aus dem Vergleich der Volkswagen-Kosten mit denen der Wettbewerber, kein genehmigtes Ziel.
Nach Schilderungen von Teilnehmern könnte etwa die Hälfte etwaiger zusätzlicher Kürzungen auf Deutschland entfallen, der Rest auf die rund 170 Gesellschaften des Konzerns verteilt werden. Volkswagen hat keine offizielle Aufteilung nach Ländern, Marken oder Werken veröffentlicht.
Der Konzernchef sagte, er ziehe freiwillige Maßnahmen Entlassungen vor: gestaffelte Pensionierungen, Einzelvereinbarungen, natürliche Fluktuation und Einstellungsbeschränkungen. Die Schließung eines Werks wäre in seiner Formulierung die letzte und teuerste Option.
Die Gewerkschaft sagt, das Vertrauen in die Führung sei beschädigt
Daniela Cavallo, Vorsitzende des Volkswagen-Betriebsrats, warf der Führung vor, die Zahl 50.000 öffentlich kommuniziert zu haben, ohne dem Personal zuvor einen detaillierten Plan vorzulegen. Sie sagte, das Vertrauen in den Vorstand und in Oliver Blume sei beschädigt, aber nicht irreparabel.
Die IG Metall fordert neue Projekte, um die Tätigkeit in den deutschen Werken zu halten, die Einhaltung zugesagter Investitionen und den Abbau überlappender Verwaltungsstrukturen. Die Gewerkschaft lehnt die Idee ab, Werksschließungen sollten das Hauptinstrument zur Kostensenkung sein.
Die Proteste begannen nicht im August. Am 9. Juli 2026 organisierten Beschäftigte und Gewerkschaftsvertreter Aktionen in Konzernwerken in Deutschland. Die Versammlung in Wolfsburg eröffnet nun eine Reihe von neun außerordentlichen Treffen zwischen Führung und Personal, die in Emden, Zwickau, Braunschweig und anderen Standorten bis zum 31. August fortgesetzt werden.
Der Plan ist vom Aufsichtsrat nicht genehmigt
Restrukturierungsvorschläge müssen vom Volkswagen-Aufsichtsrat genehmigt werden, in dem Anteilseigner, Beschäftigte und das Land Niedersachsen vertreten sind. Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes haben die zuvor von der Führung vorgelegte Fassung blockiert. Eine neue Diskussion ist für den 4. September 2026 vorgesehen.
Blume versprach, das Unternehmen werde in den nächsten sechs bis 12 Monaten tragfähige Perspektiven für jedes Werk erarbeiten. Zu den diskutierten Varianten gehören zusätzliche Modelle in deutschen Werken, die lokale Fertigung einiger zunächst für China bestimmter Elektroautos und die Nutzung eines Teils der Kapazität für die Verteidigungsindustrie.
Diese Lösungen sind in Prüfung. Volkswagen hat dafür keine Verträge, Volumen oder Produktionskalender bestätigt.
Warum Volkswagen neue Einsparungen sucht
Der Konzern nennt sinkende Profitabilität, die hohen Kosten deutscher Werke, die Konkurrenz chinesischer Hersteller, US-Zölle und die für Software und Elektroautos nötigen Investitionen.
Im ersten Halbjahr 2026 sank das operative Ergebnis von Volkswagen um 11,6 %, auf 5,9 Milliarden €, und die operative Marge fiel von 4,2 % auf 3,8 %. Blume sagte den Beschäftigten, die Kostenstruktur des Konzerns liege rund 30 % über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen.
Das Programm Target Vision 2030 zielt auf die Senkung indirekter Ausgaben und die Vereinfachung der Modellpalette. Deutsche Welle berichtet, der geprüfte Plan würde die Zahl der Modelle halbieren und das globale Produktionsziel auf rund 9 Millionen Autos jährlich senken, gegenüber einem Höchststand von etwa 11 Millionen im Jahr 2018. Auch diese Ziele stellen noch keinen endgültig genehmigten Plan dar.
Was die Lage für Rumänien bedeutet
Volkswagen fertigt in Rumänien keine Pkw in einem eigenen Werk, und das Unternehmen hat im Zusammenhang mit dem in Deutschland diskutierten Plan keine Stellenkürzungen auf dem lokalen Markt angekündigt.
Für rumänische Käufer könnten später Wirkungen über eine schmalere europäische Palette, geänderte Produktionsorte oder die Verschiebung einiger Projekte entstehen. Derzeit gibt es keine bestätigte Liste der Modelle, die entfallen, und keine angekündigten Änderungen für das Volkswagen-Händlernetz in Rumänien.
Häufige Fragen
Hat Volkswagen die Entlassung weiterer 50.000 Menschen beschlossen?
Nein. Oliver Blume beschrieb die Zahl als theoretische Rechnung. Der Restrukturierungsplan ist in endgültiger Form vom Aufsichtsrat nicht genehmigt.
Wie viele Beschäftigte protestierten in Wolfsburg?
Mehr als 10.000 Personen nahmen innerhalb und außerhalb der Halle teil, in der die Versammlung vom 25. August stattfand.
Wird Volkswagen Werke in Deutschland schließen?
Die Schließung einiger Werke wird geprüft, eine endgültige Entscheidung gibt es nicht. Die Führung sagt, sie wolle in sechs bis 12 Monaten eine Lösung für jeden Standort finden.
Sind Arbeitsplätze in Rumänien betroffen?
Volkswagen hat im Rahmen dieses Programms keine Stellenkürzungen in Rumänien angekündigt.



