Audi und SAIC haben in Shanghai das AUDI Innovation & Technology Center (AITC) eröffnet. Die lokale Organisation soll künftige AUDI-Fahrzeuge vom ersten Konzept bis zur Serienreife verantworten. Audi nennt rund 300 Beschäftigte und überträgt dem Zentrum die Entwicklung der nächsten Advanced Digitized Platform.

Die Mitteilung betrifft die nur für China geschaffene Marke AUDI, die in Großbuchstaben und ohne die vier Ringe auftritt. Sie kündigt kein europäisches Modell an. In der Veröffentlichung vom 5. November 2026 fehlen Europreise, europäische Typgenehmigungen und ein Vertriebsplan außerhalb Chinas.

Zuständigkeit für das vollständige Fahrzeug

Das AITC ist nicht lediglich ein Softwarelabor. Sein Auftrag reicht von der Produktdefinition über die Integration der Systeme bis zur Vorbereitung der Produktion. Als Schwerpunkte nennt Audi fortgeschrittene Fahrerassistenz und ein stärker von künstlicher Intelligenz geprägtes Innenraumerlebnis.

Der Hersteller spricht von multimodaler Interaktion, agentischen Softwarefunktionen und personalisierten Diensten. Gemeinsam mit einer nicht genannten chinesischen KI- und Cloud-Plattform untersucht das Zentrum, wie KI-Modelle früh in die Fahrzeugarchitektur eingebunden werden können. Konkrete Serienfunktionen sind damit noch nicht bestätigt. Die Aussagen beschreiben Entwicklungsfelder, keine feste Ausstattung.

Matthias Pfister leitet das AITC als General Manager, Shan Yunwei ist stellvertretender General Manager. Das Team soll lokale und internationale Fachkräfte beider Partner zusammenführen. Investitionssumme, genaue Eigentumsverhältnisse und die Verteilung der rund 300 Stellen auf einzelne Bereiche wurden nicht veröffentlicht.

Vier Fahrzeuge auf der nächsten ADP

Der klarste technische Auftrag betrifft die zweite Generation der Advanced Digitized Platform (ADP). Audi und SAIC entwickelten bereits die aktuelle Architektur für die ersten AUDI-Produkte. Mit der erweiterten Vereinbarung vom April 2026 wurden vier vollständig neue Modelle für die kommende Plattform angekündigt.

Audi China ergänzte im September, dass das erste Fahrzeug dieses Programms ab 2028 vorgesehen ist. Das bleibt eine Planung und ist kein garantierter Auslieferungstermin. Batteriekapazität, Reichweite, Leistung, Abmessungen, Preise und die Fähigkeiten der Assistenzsysteme sind noch offen.

Die ADP ist für intelligente, vernetzte Elektrofahrzeuge ausgelegt. Wenn Software, Elektronik, Fahrwerk und Gesamtfahrzeugentwicklung in Shanghai gebündelt werden, arbeitet das Team näher an chinesischen Technologiezulieferern und den vorgesehenen Kunden. Audi will Entwicklungszyklen verkürzen und vermeiden, dass ein anderswo konzipiertes Produkt erst spät an lokale digitale Dienste angepasst wird.

Der E5 Sportback als Ausgangspunkt

AUDI wurde 2024 gegründet. Das erste Serienmodell, der E5 Sportback, debütierte im April 2025 und kam anschließend in China auf den Markt. Audi nennt für den viertürigen Elektro-Fastback Hinterrad- oder Allradantrieb, bis zu 579 kW und eine maximale angegebene Reichweite von 770 km nach dem in China verwendeten Prüfmaßstab.

Diese Werte gelten ausschließlich für den E5 und sagen nichts über die künftigen AITC-Modelle aus. Das Fahrzeug zeigt jedoch die erste ADP-Generation mit zonaler Elektronikarchitektur, vernetzten Funktionen und drahtlosen Aktualisierungen für sämtliche Fahrzeugsysteme.

Nach Angaben von Audi verkürzte die parallele Arbeit deutscher und chinesischer Teams die Entwicklung des E5 um 30 Prozent. Der Hersteller veröffentlicht weder die absolute Dauer noch das Vergleichsprojekt. Die Zahl ist deshalb als Herstellerangabe einzuordnen.

Im Mai 2026 folgte mit dem AUDI E7X das erste elektrische SUV der Marke. Ein drittes Modell soll die erste Generation abschließen. Die vier Fahrzeuge auf der kommenden ADP bilden ein weiteres Programm; Namen, Karosserieformen und genaue Reihenfolge sind nicht bekannt.

Lokale Entwicklung für Chinas digitales Umfeld

Audi beschreibt seine China-Strategie mit zwei Marken und zwei Partnern. Das gemeinsam mit SAIC entwickelte AUDI-Angebot richtet sich an Premiumkunden mit hohem Interesse an digitalen Diensten. Die klassischen Audi-Modelle mit vier Ringen bleiben davon als eigene Produktwelt und in anderen industriellen Strukturen getrennt.

Diese Trennung betrifft Cloud-Dienste, Karten, Apps, Sprachassistenten und Datenregeln. China und Europa nutzen dafür unterschiedliche Anbieter und Rechtsrahmen. Eine frühe Integration kann spätere Anpassungen reduzieren und die Zusammenarbeit mit der regionalen Lieferkette erleichtern.

Die lokale Nähe belegt aber keine höhere Qualität. Audi nennt keine Testergebnisse und ordnet dem Zentrum keine Automatisierungsstufe zu. „Fortgeschrittene Fahrerassistenz“ ist nicht mit autonomem Fahren gleichzusetzen. Für jede Serienfunktion müssen technische Grenzen, Zulassung und die Verantwortung des Fahrers einzeln geprüft werden.

Kein bestätigter Europa-Start

Die Eröffnung verändert das europäische Audi-Angebot derzeit nicht. E5 Sportback, E7X und die vier künftigen Modelle werden in den offiziellen Quellen auf China bezogen. Europäische Preise, Garantiebedingungen, Servicepläne oder Termine für eine Typgenehmigung liegen nicht vor.

Das in Shanghai gewonnene Wissen könnte in anderen Projekten genutzt werden. Audi bestätigt jedoch weder einen Export dieser Fahrzeuge noch eine Übernahme ihrer Software in Modelle mit vier Ringen. Eine solche Möglichkeit als beschlossenen Marktstart darzustellen, wäre Spekulation.

Bestätigt ist Folgendes: Das Zentrum arbeitet, soll rund 300 Menschen beschäftigen, verantwortet das Gesamtfahrzeug und entwickelt die neue ADP für vier Modelle. Das erste ist ab 2028 für China geplant. Technische Daten und eine mögliche Rolle außerhalb des Landes bleiben offen.

Bild: AUDI AG, Pressefoto A264955. Audi gestattet die redaktionelle Nutzung kostenlos.

Quellen