BMW erzielt mit dem Verkauf zurückgegebener Leasingautos weiterhin geringere Erlöse. Volkswagen zeigt in seinem Zwischenbericht zugleich, wie empfindlich bestimmte Restwertabsicherungen auf veränderte Gebrauchtwagenpreise reagieren. Die Berichte für die ersten neun Monate 2026 machen damit einen finanziellen Zusammenhang sichtbar: Der Wert eines gebrauchten Autos betrifft auch die Ergebnisse von Herstellern und Finanzdienstleistern.
Die Angaben sind jedoch keine gemeinsame Rangliste zur Wertstabilität einzelner BMW- oder Volkswagen-Modelle. BMW beschreibt tatsächliche Ergebnisse und Erwartungen für das Gesamtjahr. Volkswagen veröffentlicht zusätzlich eine hypothetische Sensitivitätsrechnung. Wer diese Kategorien vermischt, kann aus einem Risikoszenario fälschlich einen bereits eingetretenen Verlust oder eine Preisprognose für den gesamten deutschen Gebrauchtwagenmarkt machen.
BMW: Rückläufer bringen weniger, Zinserträge helfen
Im am 4. November 2026 veröffentlichten Quartalsbericht erläutert BMW die Entwicklung seines Segments Financial Services. Das größere Portfoliovolumen und gestiegene Zinserträge wirkten sich im dritten Quartal positiv aus. Die Erlöse aus dem Verkauf zurückgegebener Leasingfahrzeuge blieben dagegen niedriger. Mehr finanzierte Fahrzeuge bedeuten somit nicht zwangsläufig höhere Erlöse bei der späteren Vermarktung von Rückläufern.
Das Ergebnis vor Steuern von Financial Services erreichte im dritten Quartal 639 Millionen Euro nach 644 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang betrug 0,8 Prozent. Für Januar bis September weist BMW 1,647 Milliarden Euro aus, 10,3 Prozent weniger als die 1,836 Milliarden Euro des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Das nahezu stabile Quartal und der deutlichere Rückgang über neun Monate beschreiben unterschiedliche Zeiträume.
Als wesentlichen Grund für die kumulierte Ergebnisverschlechterung nennt BMW die Aufstockung einer bestehenden Rückstellung für ein britisches Entschädigungsprogramm für Autofinanzierungskunden. Diese Belastung fiel im ersten Quartal 2026 an. Der gesamte Ergebnisrückgang lässt sich deshalb weder niedrigeren Wiederverkaufswerten noch einer einzelnen Antriebsart zurechnen.
Für das Gesamtjahr erwartet BMW einen anhaltenden Abwärtstrend der Preise auf Gebrauchtwagenmärkten und gegenüber dem Vorjahr weiter sinkende Erlöse aus der Vermarktung von Leasingrückläufern. Das ist eine Erwartung des Managements. Sie ist vom bereits abgeschlossenen Neunmonatszeitraum zu unterscheiden und enthält keine einheitliche Restwertquote für jeden gebrauchten BMW.
Wachsende Bestände und ein schwächeres drittes Quartal
Financial Services schloss in den ersten neun Monaten 1.292.663 neue Kreditfinanzierungs- und Leasingverträge ab, ein Plus von 1,3 Prozent. Das neue Leasinggeschäft wuchs um zwei Prozent auf 509.821 Verträge. Sein Anteil am gesamten Neugeschäft nach Vertragszahl betrug 39,4 Prozent. Der Bestand kreditfinanzierter oder geleaster Fahrzeuge erreichte Ende September 5.052.016 Einheiten.
Dieser Bestand lag 2,5 Prozent über dem Stand zum Jahresende 2025. Er misst die Zahl der verwalteten Fahrzeuge, nicht ihren späteren Verkaufspreis. Ein wachsender Vertragsbestand kann zusätzliche Zinserträge ermöglichen, während andere Autos nach Vertragsablauf unter ungünstigeren Marktbedingungen zurückkommen. Die beiden Entwicklungen widersprechen sich in der Berichterstattung daher nicht.
Im dritten Quartal allein ging die Zahl neuer Kredit- und Leasingverträge um 5,4 Prozent auf 426.575 zurück. BMW nennt niedrigere Absatzzahlen auf dem chinesischen Markt als einen belastenden Faktor. Das positive Neunmonatsergebnis beim Vertragsvolumen darf nicht als Wachstum in jedem einzelnen Quartal gelesen werden.
Auch bei der Finanzierungs- und Leasingquote ist die Berechnung zu beachten. Der Neunmonatswert von 53,7 Prozent umfasst ab 2026 bestimmte junge Gebrauchtfahrzeuge, die im Berichtsjahr erstmals an Privatkunden verkauft werden. Nach BMW-Angaben entfallen ungefähr drei Prozentpunkte auf diese Erweiterung. Ein direkter Vergleich mit dem veröffentlichten Wert für 2025 benötigt deshalb diesen methodischen Hinweis.
Volkswagen beziffert ein Szenario für abgesicherte Restwerte
Volkswagen erläutert im Zwischenbericht Vereinbarungen mit Händlern, durch die der Konzern einen Teil der Ergebniseffekte marktbedingter Restwertschwankungen trägt. Die Vereinbarungen betreffen Fahrzeuge mit Rückkaufverpflichtungen aus Leasinggeschäften. Die maßgebliche Variable für den Wert der zugehörigen Optionen sind die Gebrauchtwagenpreise.
Wären die Preise der vom Restwertabsicherungsmodell erfassten Autos am 30. September 2026 um zehn Prozent niedriger gewesen, hätte sich das Ergebnis nach Steuern um 438 Millionen Euro vermindert. Bei zehn Prozent höheren Preisen hätte es sich um 436 Millionen Euro verbessert. Die Rechnung bildet die Empfindlichkeit einer bestimmten bilanziellen Position zu einem festgelegten Stichtag ab.
Sie besagt nicht, dass Volkswagen bereits 438 Millionen Euro durch einen allgemeinen Preisrückgang von zehn Prozent verloren hat. Sie sagt einen solchen Rückgang auch nicht voraus. Der definierte Kreis abgesicherter Fahrzeuge darf nicht mit sämtlichen Gebrauchtwagen des Konzerns oder allen Verkaufsanzeigen in Deutschland gleichgesetzt werden.
In seiner Mitteilung vom 29. Oktober nennt Volkswagen zudem negative Restwerteffekte für die Markengruppe Progressive. Daneben belasteten niedrigere Volumina in China und Nordamerika. Diese Aussage bestätigt einen Einfluss auf das Geschäft, liefert aber für sich genommen keine Rangliste einzelner Modelle nach ihrem Wertverlust.
Elektro-Nachfrage und Wiederverkauf sind getrennte Größen
Finanzvorstand Arno Antlitz erklärt in der Volkswagen-Mitteilung, dass der Konzern gegenwärtig mit Elektroautos weniger verdient als mit Verbrennermodellen. Ein höherer Elektroanteil im Neuwagenabsatz drückt daher zunächst auf die Marge. Ende September entfielen rund 40 Prozent des europäischen Auftragsbestands auf vollelektrische Fahrzeuge.
Dieser Anteil betrifft Bestellungen, keine Gebrauchtwagentransaktionen. Die Marge bei der ersten Vermarktung und der Erlös nach einer Leasingrückgabe sind unterschiedliche wirtschaftliche Vorgänge. Aus steigender Elektro-Nachfrage folgt deshalb keine pauschale Aussage über den Wiederverkaufswert aller elektrischen oder aller konventionellen Autos.
BMW lieferte im dritten Quartal weltweit 110.257 Elektroautos aus, 7,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ihr Anteil an den gesamten Auslieferungen betrug 20 Prozent. Für einen Gebrauchtwagenkäufer ersetzt diese Entwicklung keine konkrete Preisprüfung. Ein kalkulierter Restwert gehört zu einem bestimmten Vertrag und dessen Risikoverteilung; er ist nicht automatisch ein garantiertes Rückkaufangebot für jeden späteren Halter. Entscheidend bleiben der tatsächliche Angebotspreis und die jeweils vereinbarten Rückgabe- oder Rückkaufbedingungen.
Archivbild: Volkswagen AG, DB2019AL01929, veröffentlicht am 9. September 2019. Illustration des Händlerempfangs, kein Bestand zurückgegebener Leasingautos. In WebP umgewandelt; kostenlose redaktionelle Nutzung. Volkswagen Newsroom.



