Ferrari hat bereits alle Luce vergeben, die das Unternehmen 2027 verkaufen will. Das erklärte Vorstandschef Benedetto Vigna am 3. November bei der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals. Die Produktion läuft nach seinen Angaben planmäßig. Einige erste Fahrzeuge sollen noch vor Ende 2026 auf die Straße kommen.
Die Aussage bezieht sich auf das Verkaufsprogramm für 2027. Sie bestätigt nicht, dass auch die gesamte Produktion des Jahres 2028 verkauft ist. Vigna sprach getrennt davon über den Auftragsbestand der gesamten Marke, der in das Jahr 2028 hineinreicht. Für Interessenten des ersten vollelektrischen Ferrari sind diese beiden Angaben auseinanderzuhalten, weil daraus unterschiedliche Informationen zum Lieferplan folgen.
Ausgebuchte Planung ohne veröffentlichte Stückzahl
Auf eine Analystenfrage antwortete Vigna, dass ein neu hinzukommender Kunde ungefähr ein Jahr auf sein Auto warten müsse. Wie viele Luce Ferrari für 2027 vorgesehen hat, nannte er dabei nicht. Die vollständige Vergabe beschreibt somit die Auslastung des unternehmenseigenen Plans. Eine konkrete Verkaufszahl oder ein Mengenvergleich mit einem anderen Elektroauto lässt sich daraus nicht ableiten.
Ein vergebener Platz für das kommende Jahr ist außerdem keine bereits abgeschlossene Auslieferung. Die Fahrzeuge müssen erst gebaut und übergeben werden. Das ist auch bei der Einordnung der gleichzeitig vorgestellten Geschäftszahlen wichtig: Das dritte Quartal endete am 30. September 2026, vor dem angekündigten Beginn der Luce-Auslieferungen im letzten Jahresviertel.
Die ungefähre Wartezeit legt keinen vertraglichen Termin für jedes Land, jede Ausstattung oder jeden Käufer fest. Ein deutscher Interessent benötigt die Bestätigung seines konkreten Produktionsplatzes und der örtlichen Angebotsbedingungen durch den Händler. Einen detaillierten Länderplan oder eine neue deutsche Preisliste veröffentlichte Ferrari mit dieser Aussage nicht. Die persönliche Bestellung lässt sich deshalb nicht allein aus dem globalen Zeitrahmen planen.
Erst Besichtigungen, dann internationale Fahrveranstaltungen
Nach Vignas Angaben veranstaltete Ferrari mehr als 50 lokale Premieren und private Besichtigungen in den USA, Europa, dem Nahen Osten und der Region Asien-Pazifik. Hinzu kamen fünf öffentliche Veranstaltungen, darunter eine zeitweilige Ausstellung im Ferrari-Museum. So konnten Interessenten das Fahrzeug unmittelbar betrachten, statt lediglich Bilder seiner gemeinsam entwickelten Außen- und Innengestaltung zu sehen.
Vigna vertritt die Auffassung, dass die persönliche Begegnung das Verständnis für den Luce stärker fördert als die digitale Darstellung. Das ist die Einschätzung der Unternehmensleitung. Eine unabhängige Untersuchung dazu oder eine Zahl der durch einzelne Veranstaltungen ausgelösten Bestellungen legte Ferrari nicht vor. Auch eine bezifferte Aufteilung zwischen bisherigen Ferrari-Kunden und Erstkäufern wurde nicht veröffentlicht.
Für internationale Medien sind Fahrtermine im ersten Quartal 2027 vorgesehen. Anschließend sollen Kundenfahrten stattfinden. Die wenigen ersten Auslieferungen liegen damit vor dem größeren internationalen Fahrprogramm. Bei einer Besichtigung lassen sich Bedienung und Materialien ansehen; Aussagen zur Leistungsentfaltung, zum Fahrwerk und zum Klang erfordern dagegen eine Fahrt. Diese beiden Formen der Präsentation liefern unterschiedliche Eindrücke.
Eine eigene Plattform mit vier Motoren und fünf Sitzen
Vollständig vorgestellt wurde der Luce am 25. Mai 2026 an der Vela di Calatrava–Città dello Sport in Rom. Er ist Ferraris erstes vollelektrisches Auto und das erste Serienmodell der Marke mit fünf Sitzen. Vier Türen und Allradantrieb treffen auf vier Elektromotoren, jeweils einen pro Rad. Beim Design arbeitete Ferrari mit LoveFrom zusammen, dem von Jony Ive und Marc Newson geführten Kreativkollektiv.
Das offizielle Datenblatt nennt 5.026 mm Länge, 2.961 mm Radstand und 597 Liter Kofferraumvolumen. Das Leergewicht beträgt laut Ferrari 2.260 kg; die zugehörige Fußnote verweist auf optionale Ausstattung. Diese Angaben beschreiben die Größe und das Konzept des Fahrzeugs. Sie ersetzen keinen unabhängigen Test von Platzangebot, Beladung oder Federungskomfort.
Die Höchstleistung von 772 kW beziehungsweise 1.050 PS gilt im Launch-Control-Modus. Ferrari nennt 2,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h, 6,8 Sekunden bis 200 km/h und 310 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Bedingung zur maximalen Leistung gehört zur Angabe. Die Nachricht über vergebene Fahrzeuge liefert keine zusätzlichen unabhängigen Messwerte, mit denen diese Herstellerdaten bestätigt würden.
Bei der Reichweite ist die Homologation noch offen
Die 530 km Reichweite sind im offiziellen Datenblatt ausdrücklich als Schätzung während der Homologation gekennzeichnet. Auch der WLTP-Verbrauch befindet sich dort noch im Homologationsverfahren. Die Zahl darf daher weder als endgültig zertifizierter Wert noch als garantierte Autobahnreichweite verstanden werden. Bei einem Vergleich ist neben der Kilometerzahl auch der jeweilige Stand der Zulassung zu berücksichtigen.
Die Batterie besitzt 122 kWh Bruttokapazität und 210 Zellen in 15 Modulen. Davon liegen 13 im Fahrzeugboden und zwei unter den Rücksitzen. Ferrari gibt an, das Paket in Maranello zu entwickeln, zu validieren und herzustellen. Es ist in die Fahrzeugstruktur eingebunden und trägt zu deren Steifigkeit bei. Die Bruttokapazität beschreibt nicht automatisch die im Fahrbetrieb nutzbare Energiemenge.
Die elektrische Architektur arbeitet mit bis zu 800 V. Maximal sind 350 kW Gleichstrom-Ladeleistung vorgesehen. Ferrari beschreibt das Nachladen von 70 kWh in 20 Minuten an einer geeigneten Schnellladestation. Der Spitzenwert ist keine Zusage für eine über den gesamten Ladevorgang gleichbleibende Leistung. Mit Wechselstrom sind laut Einführungsunterlagen bis zu 22 kW möglich; das ist ein anderer Ladefall als die Schnellladung unterwegs.
Die Quartalszahlen betreffen die gesamte Marke
Im dritten Quartal 2026 lieferte Ferrari 3.368 Autos aus, nach 3.401 im Vorjahreszeitraum. Der Nettoumsatz stieg von 1,766 auf 1,896 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis erreichte 563 Millionen Euro. Im Zwischenbericht führt Ferrari das Wachstum der Autoumsätze auf einen höherwertigen Modellmix, unterstützt vom F80, und auf umfangreichere Individualisierungen zurück.
Diese Zahlen gelten für den Konzern und für einen Zeitraum vor den angekündigten ersten Luce-Auslieferungen. Sie sind kein bereits verbuchter Umsatz aus dessen Vergaben für 2027. Die nächsten angekündigten Schritte für das Elektroauto bleiben die ersten Fahrzeuge vor Jahresende und die internationalen Fahrtermine Anfang 2027. Für die eigene Bestellung sind anschließend der bestätigte Platz, die endgültigen Spezifikationen und die schriftlichen Lieferbedingungen des Händlers maßgeblich.
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