BMW ALPINA hat mit dem getarnten Prototyp seines neuen Serienprojekts in Nardò die Marke von 300 km/h überschritten. BMW bestätigt in der Mitteilung vom 3. November 2026 einen V8-Motor und beschreibt die Abstimmung von Antrieb, Fahrwerk, Aerodynamik und Reifen. Eine endgültige Höchstgeschwindigkeit für das spätere Kundenfahrzeug nennt der Hersteller noch nicht.
Das erste Modell der neuen Markenphase soll sich am BMW 7er orientieren und 2027 auf den Markt kommen. Diese Planung stammt aus der offiziellen Markenvorstellung vom August. Die Aufnahmen aus Italien ergänzen sie um technische Informationen, sind aber weder ein vollständiges Seriendatenblatt noch ein konkretes Verkaufsangebot für Deutschland.
Mehr als ein einzelner Geschwindigkeitswert
Laut BMW zeigt der begleitende Film, wie das Fahrzeug über 300 km/h hinaus beschleunigt. Damit ist ein Abschnitt der Erprobung beschrieben. Der Wert legt nicht die spätere Höchstgeschwindigkeit fest und belegt auch keinen neuen Weltrekord unter Luxuslimousinen. Eine höhere endgültige Zahl veröffentlicht BMW in diesem Zusammenhang nicht.
Oliver Viellechner, Vice President von BMW ALPINA, betont das natürliche, stabile und vertrauenerweckende Fahrgefühl bei hohem Tempo. Es geht um die Verbindung von Leistung und Komfort auf längeren Strecken. Das ist das erklärte Entwicklungsziel des Herstellers, keine von Carboratory unabhängig ermittelte Bewertung des getarnten Autos.
Der Testort passt zu dieser Aufgabe. BMW beschreibt den Hochgeschwindigkeitsring im süditalienischen Nardò als rund 12,6 km lang. Betreiber Porsche Engineering nennt eine kreisförmige Anlage mit etwa 4 km Durchmesser. Die Fahrspuren haben unterschiedliche Überhöhungen und sind für schnelle Erprobungsfahrten unter den Bedingungen des Prüfgeländes ausgelegt.
Daneben besitzt das Zentrum eine eigene Handlingstrecke. Sie ist nach Betreiberangaben 6.222 m lang und hat 16 Kurven. BMW bezieht sich in der neuen Mitteilung auf den Hochgeschwindigkeitsring, nicht auf eine veröffentlichte Rundenzeit dieser kurvenreichen Strecke. Beide Prüfungen würden unterschiedliche Seiten des Fahrzeugs untersuchen und sind nicht als identische Leistungsnachweise zu behandeln.
Der V8 soll unmittelbar und dennoch harmonisch reagieren
BMW bestätigt eine besondere Motorapplikation und eine angepasste Gaspedalkennlinie. Damit soll der Antrieb schnell reagieren, seine Leistung aber gleichmäßig statt aggressiv entfalten. Der Hersteller beschreibt zudem eine breite Verfügbarkeit des Drehmoments über den nutzbaren Drehzahlbereich, ohne den maximalen Wert in Nm zu veröffentlichen.
Die Getriebeabstimmung wurde an eine höhere maximale Motordrehzahl und die gesteigerte Leistung angepasst. Wie viele kW oder PS das fertige Fahrzeug haben wird, steht in dieser Mitteilung nicht. Ebenso fehlen hier Hubraum und ein Wert für die Beschleunigung auf 100 km/h. Technische Angaben eines anderen BMW-V8-Modells wären deshalb kein verlässlicher Ersatz.
Auch Zahlen, die während einer Prototypenfahrt auf Instrumenten erscheinen, müssen im jeweiligen Zusammenhang gelesen werden. Ein momentaner Wert beschreibt zunächst die Situation zu diesem Zeitpunkt. Er ist nicht automatisch die bestätigte Nennleistung des Serienfahrzeugs. Für einen Vergleich mit älteren ALPINA-Limousinen oder aktuellen Wettbewerbern braucht es entsprechend definierte endgültige Daten.
Zwanzig Speichen sind keine Durchmesserangabe
Die Räder beschreibt BMW ausdrücklich mit ihrem 20-Speichen-Design. Das ist eine Aussage über die Gestaltung und nicht über den Felgendurchmesser. Nach Angaben des Herstellers wurden die Leichtmetallräder gemeinsam mit fahrzeugspezifischen Reifen entwickelt, damit jedes Rad als abgestimmte Einheit zum gesamten Fahrwerk passt.
Eine zusätzliche Schaumeinlage gehört zur Reifenkonstruktion. BMW schreibt ihr Vorteile für Präzision, Komfort und den Betrieb bei hohen Geschwindigkeiten zu. Ein veröffentlichter Vergleich, der allein die Wirkung dieser Einlage beziffert, fehlt jedoch. Auch die vollständige Reifendimension wird nicht genannt und muss aus der späteren Serienbeschreibung hervorgehen.
Das Fahrwerk soll dynamisches Verhalten mit einer komfortablen Abstimmung verbinden. Gleichzeitig wird die Karosserie aerodynamisch optimiert. Eine konkrete Dämpfertechnologie oder einen Luftwiderstandsbeiwert nennt BMW nicht. Bestätigt sind dagegen vier ovale Endrohre als erkennbares ALPINA-Merkmal, deren tiefen Klang der Hersteller dem Charakter des V8 zuordnet.
Neue Markenstruktur mit bekannten Gestaltungselementen
Die BMW Group hat ALPINA am 1. Januar 2026 als eigenständige Marke in ihrem Portfolio neu aufgestellt. In der Darstellung vom 13. August heißt es, die Fahrzeuge würden in ausgewählten und entsprechend vorbereiteten Werken der BMW Group gebaut. Ein bestimmter Produktionsstandort für das in Nardò fotografierte Auto wird dort nicht festgelegt.
Zum neuen Auftritt gehört ein Schriftzug mit Bezug auf die asymmetrische Gestaltung der 1970er-Jahre. Das Emblem zeigt weiterhin stilisierte Einzeldrosselklappen und eine Kurbelwelle. Historische Farben, Räder mit vielen Speichen und individualisierbare Materialien sollen die Herkunft sichtbar halten. Diese Markenbeschreibung ist noch keine vollständige Ausstattungsliste der ersten Limousine.
Der 2026 in Villa d’Este gezeigte Vision BMW ALPINA formulierte die gestalterische Richtung als Studie. Der getarnte Wagen in Italien ist das in Entwicklung befindliche Serienprojekt. Daraus folgt nicht, dass beide dieselbe Karosserie tragen oder jedes Detail der Studie unverändert in den Verkauf gelangt.
Für deutsche Interessenten bleiben endgültiger Modellname, Preis, Konfigurationen und Bestellbeginn offen. BMW hat die Markteinführung für 2027 angekündigt und erläutert nun einzelne Entwicklungsarbeiten. Die Fahrt über 300 km/h ist damit ein konkreter technischer Zwischenstand, aber noch keine vollständige Produktvorstellung mit einem nationalen Angebot.
Foto: BMW.



