BMW Italien hat einen einzelnen M3 zum Gedenken an Alex Zanardi gestaltet, der in diesem Herbst 60 Jahre alt geworden wäre. Das Fahrzeug trägt den Namen „Tribute to Alex Zanardi“ und verbindet BMW-M-Farben mit der Ananas, die dem Rennfahrer und Paralympics-Sieger als persönliches Glückssymbol diente. Das Designstudio BorromeoDeSilva entwickelte die Gestaltung; BMW stellte das Projekt in seiner Mitteilung vom 30. Oktober 2026 vor.
Zanardi wurde am 23. Oktober 1966 in Bologna geboren. Er starb am 1. Mai 2026 im Alter von 59 Jahren, wie BMW in einer Mitteilung unter Berufung auf seine Familie bestätigte. Das Auto erinnert damit an den Jahrestag seiner Geburt. Zugleich fällt das Projekt in das Jahr, in dem sich der Produktionsbeginn des ersten M3 zum vierzigsten Mal jährt.
Die Grafiken haben einen persönlichen Bezug
Als Grundlage dient der aktuelle BMW M3. BorromeoDeSilva interpretierte die Farben der M-Abteilung neu und bezog sich dabei auf die Lackierungen der BMW-Rennwagen. In den offiziellen Bildern sind farbige Akzente an der Front und eine Fortsetzung der Grafik am unteren Bereich der Fahrzeugseiten zu erkennen. Jubiläumszeichen und Ananas benennen den konkreten Hintergrund des Entwurfs, statt nur eine beliebige Farbkombination zu bilden.
BMW bezeichnet die Frucht als Zanardis langjährigen Glücksbringer. Beim Einzelstück gehört sie zur Gestaltung des Gedenkprojekts und wird nicht als neues Zeichen für das gesamte M-Programm eingeführt. Ihr Auftauchen an Karosserie und Innenraum verbindet unterschiedliche Bereiche des Autos. Daraus entsteht jedoch kein angekündigtes Ausstattungspaket, das Käufer bei einem regulären Serienmodell im Konfigurator auswählen könnten.

Die Seitenansicht zeigt die durchgehende Gedenkgrafik von BorromeoDeSilva. Foto: BMW.
BMW Italien nennt außerdem Alcantara und Befuel als beteiligte Partner. Das Studio verantwortete die stilistische Idee, während die Partner dabei halfen, sie in ein reales Fahrzeug zu übertragen. Die Mitteilung veröffentlicht weder einen Verkaufspreis noch ein Bestellverfahren oder einen Plan für eine spätere Kleinserie. Beschrieben wird ein einzelnes Erinnerungsfahrzeug und keine im Händlernetz verfügbare Sonderedition mit festgelegter Stückzahl.
Im Innenraum verweist BMW auf den E30
Die mittleren Sitzbereiche sind mit anthrazitfarbenem Alcantara bezogen und mit Lasertechnik perforiert. Durch die Öffnungen wird eine kontrastierende, schillernde Unterlage sichtbar. BMW beschreibt einen Farbverlauf von Blau zu Rot. Weitere, nicht perforierte Alcantara-Bahnen erzeugen ein quer verlaufendes Muster, das sich über Sitzbereiche und Türverkleidungen fortsetzt. Die Farbidee der Karosserie erhält dadurch eine eigene Umsetzung im Material des Innenraums.
Die Fotos zeigen zusätzlich das Ananassymbol an den Kopfstützen sowie ein Gedenkelement auf der Mittelkonsole. Als Bezug für das Zusammenspiel von Materialien und Farben nennt BMW ausdrücklich den M3 E30 Sport Evolution. Das ist ein gestalterischer Verweis. Die Mitteilung kündigt keinen Einbau des historischen Motors oder anderer mechanischer Komponenten dieses früheren Modells in den aktuellen M3 an.

Der Innenraum verweist auf Materialien und Farben des E30 Sport Evolution. Foto: BMW.
Die offizielle BMW-M-Historie ordnet den Sport Evolution dem Jahr 1990 als letzte Entwicklungsstufe des ersten M3 zu. Sein Vierzylinder erreichte 2,5 Liter Hubraum und 238 PS; gebaut wurden 600 Fahrzeuge. Diese Angaben gelten für den historischen E30. Sie beschreiben nicht die technischen Daten des 2026 vorgestellten Zanardi-Einzelstücks und begründen auch keine neue Leistungsangabe für dieses Auto.
Der erste M3 wurde 1985 gezeigt und ging 1986 in Produktion. Seine Entwicklung stand im Zusammenhang mit der Homologation für den Tourenwagensport. Daraus ergibt sich das zweite Jubiläum des Projekts. Für den Tribute nennt BMW weder eine eigenständige Motorleistung noch einen Beschleunigungswert oder Verkaufspreis. Bestätigt sind die Gedenkgestaltung und die Individualisierung des Innenraums, ohne dass daraus automatisch ein neues Technikpaket folgt.
Die Verbindung zu BMW entstand im Rennsport
Vor der Zusammenarbeit hatte Zanardi 1997 und 1998 zwei aufeinanderfolgende CART-Titel gewonnen. Die FIA führt 15 Siege in der amerikanischen Serie und 41 Formel-1-Starts auf. Sein Formel-1-Debüt gab er 1991. Diese Ergebnisse stammen aus der Zeit vor dem Tourenwagenkapitel, das ihn über mehr als zwei Jahrzehnte eng mit BMW verbinden sollte und nun den Hintergrund des Erinnerungsprojekts bildet.
Beim Unfall 2001 auf dem Lausitzring verlor Zanardi beide Beine. Er kehrte mit angepassten Bedienelementen in den Rennsport zurück und startete 2003 im europäischen Tourenwagenprogramm mit BMW. Von 2005 bis 2009 fuhr er in der WTCC und gewann nach BMWs Bilanz vier Rennen. Auch die FIA erinnert an seinen Sieg in Oschersleben 2005 als einen der Meilensteine dieses Comebacks.
Später setzte sich die Zusammenarbeit im GT- und Langstreckensport fort. BMW nennt den Z4 GT3 in Spa-Francorchamps 2015, den Sieg beim letzten Lauf der italienischen GT-Meisterschaft mit dem M6 GT3 2016 und einen DTM-Gaststart 2018. Im Jahr 2019 fuhr Zanardi den M8 GTE in Daytona. Der M3 greift diese lange Beziehung auf, ohne als Nachbau eines einzelnen Rennwagens beschrieben zu werden.
Paralympische Erfolge und soziale Projekte
Das Internationale Paralympische Komitee verzeichnet vier Gold- und zwei Silbermedaillen bei London 2012 und Rio 2016. Die beiden Londoner Einzelsiege gelangen in Brands Hatch, wo Zanardi zuvor als Rennfahrer angetreten war. In Rio gewann er das Zeitfahren und mit Italiens Mannschaft die gemischte Staffel. Diese zweite sportliche Laufbahn hat einen eigenen Erfolgskatalog neben seinen Titeln im Automobilsport.
BMW Italien verbindet das Gedenken außerdem mit seinem Sozialprogramm SpecialMente. Niccolò Zanardi führt die Beziehung als Botschafter und Instruktor der BMW Driving Experience weiter, auch bei Angeboten für Menschen mit Behinderung. Die Schule verfügt laut BMW über einen M2 mit besonderen Bedienelementen für diese Kurse. Das ist nicht der M3 Tribute; dessen Ausstattung wird durch diese Angabe nicht um entsprechende Anpassungen ergänzt.
Am Firmensitz in San Donato Milanese wurde zudem eine dauerhafte Gedenktafel enthüllt. Damit umfasst das Projekt neben dem individualisierten Auto auch einen festen Erinnerungsort innerhalb des Unternehmens. Der Wagen, die sportliche Biografie und das fortgeführte Ausbildungsangebot sind miteinander verbunden, bleiben in der offiziellen Darstellung aber unterschiedliche Bestandteile des Gedenkens an Zanardi.
Foto: BMW.



