Die Mikrofone bei den Homologationstests erfassen das Geräusch des ganzen Autos, nicht nur der Abgasanlage. Fotoquelle: Bugatti

So klingt der V16-Motor des neuen Bugatti Tourbillon bei 9.000/min

Bugatti hat eine neue Aufnahme des saugenden V16 des Tourbillon veröffentlicht, entstanden bei akustischen Homologationstests. Der 8,3-Liter-Motor erreicht 9.000/min und leistet 1.000 PS ohne Turbolader, bevor die drei Elektromotoren in die Gesamtleistung einfließen.

Das Material gehört zur Dokumentarserie „A New Era“ und zeigt, dass der finale Klang nicht nur die Wahl einer lauteren Abgasanlage bedeutet. Ingenieure müssen Ansaugung, Abgas, Innenraumkomfort und gesetzliche Geräuschgrenzen aufeinander abstimmen.

Die vollständige Aufnahme ist auf dem offiziellen Bugatti-Kanal zu sehen.

Ein saugender V16 statt des alten W16 mit vier Turboladern

Der Tourbillon ändert die mechanische Architektur, die Bugatti mehr als zwei Jahrzehnte nutzte. Veyron und Chiron wurden von einem 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern angetrieben. Das neue Auto verwendet einen 8,3-Liter-V16, entwickelt mit Cosworth, der natürlich atmet und deutlich höher drehen kann.

Der Verbrennungsmotor liefert 1.000 PS bei 9.000/min und 900 Nm. Das Hybridsystem fügt drei Elektromotoren hinzu, die angekündigte kombinierte Leistung beträgt 1.800 PS. Ein Elektromotor ist in die Hinterachseinheit integriert, neben dem Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, die anderen beiden treiben die Vorderachse an.

Element Bugatti Tourbillon
Verbrennungsmotor saugender V16, 8,3 Liter
Leistung Verbrennungsmotor 1.000 PS
Drehmoment Verbrennungsmotor 900 Nm
Höchstdrehzahl 9.000/min
Elektromotoren 3
Angegebene Gesamtleistung 1.800 PS
Getriebe Doppelkupplung, 8 Gänge

Der Klangunterschied ergibt sich vor allem aus dieser Architektur. Turbolader dämpfen einen Teil der Abgaspulsationen und verändern den Gasdruck. Ohne sie kann der V16 direkter auf das Gas reagieren, und der Drehzahlanstieg wird hörbar deutlicher.

Tausende Simulationen für Ansaugung und Abgas

Bugatti sagt, das Team habe Tausende Simulationen für Ansaug- und Abgassysteme durchlaufen. Ziel war ein erkennbarer mechanischer Charakter, aber auch die Vermeidung ermüdender Resonanzen im Innenraum bei gewöhnlichen Fahrten.

Romain Volatier, bei Bugatti für Geräusch und Vibration zuständig, erklärt im Film, die Motoren der Marke hätten in der Vergangenheit keinen vollkommen gleichmäßigen Klang angestrebt. Die Ingenieure behielten bewusst eine rauere Komponente, statt jede unregelmäßige Pulsation und Frequenz zu tilgen.

Das Ergebnis entsteht nicht über Lautsprecher im Innenraum. Der Hersteller beschreibt den V16-Klang als mechanischen Ursprungs, erzeugt von Motor, Ansaugung und Abgas. Das Hybridsystem erlaubt zugleich elektrisches Fahren in bestimmten Situationen, sodass dasselbe Auto von Stille zum Lauf eines 16-Zylinder-Motors wechseln muss.

Warum Reifen, Karosserie und der aktive Heckflügel zählen

Bei der Homologation isolieren die Mikrofone neben der Strecke den Auspuff nicht. Sie messen das Gesamtgeräusch des Autos, zu dem Reifen, Luftströmung über die Karosserie und bewegliche Aerodynamikteile gehören.

Beim Tourbillon erzeugt der aktive Heckflügel Abtrieb und ändert die Strömung um das Heck. Seine Stellung kann das Messergebnis beeinflussen, zusammen mit dem Rollgeräusch der eigens für das Auto entwickelten Reifen.

Das Verfahren umfasst Vorbeifahrten mit konstanter Geschwindigkeit und Beschleunigungen. Temperatur und Windgeschwindigkeit müssen in den akzeptierten Bereichen bleiben, ein Windstoß kann einen Versuch ungültig machen. Deshalb führte das Team mehrere Vorversuche vor der finalen Sitzung durch.

Bugatti gibt an, die Hauptphase der akustischen Validierung sei nach etwa drei Jahren Entwicklung des Autos abgeschlossen. Feinjustierungen laufen weiter, die Grundkonfiguration des Klangs ist jedoch freigegeben.

Laut außen, akzeptabler Komfort im Innenraum

Ein Hypercar muss denselben akustischen Homologationsgrundsätzen genügen wie Serienwagen, auch wenn die Stückzahlen sehr klein sind. Der Maximalpegel ist nicht das einzige Problem: Tiefe Frequenzen können Vibrationen erzeugen, bestimmte konstante Drehzahlen ein störendes Brummen für die Insassen.

Die Ingenieure wollten, dass der V16 klar zu hören ist, wenn der Fahrer beschleunigt, ohne dass der Motor den Innenraum dauerhaft beherrscht. Klappen in der Abgasanlage, die Geometrie des Gaswegs und die Schalldämmung können den Charakter des Autos je nach Last und Drehzahl ändern.

Die von der Firma veröffentlichte Aufnahme erfasst das Auto jedoch von außen. Der in einem Clip wahrgenommene Klang hängt von Mikrofonen, Audiobearbeitung und Wiedergabegerät ab und kann Intensität oder tiefe Frequenzen neben dem Auto nicht vollständig wiedergeben.

Welche Fahrleistungen der Tourbillon verspricht

Bugatti kündigt für den Tourbillon eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in etwa 2 Sekunden an. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit erreicht 445 km/h mit aktivierter Sonderfunktion.

Diese Werte stehen in den Herstellerangaben und sind vorerst keine Ergebnisse eines unabhängigen Tests mit einem Serienauto. Der Tourbillon steht noch vor der vollständigen Endhomologation, und Bugatti weist darauf hin, dass das Modell noch nicht die Typgenehmigung hat, die für die Veröffentlichung europäischer Verbrauchs- und Emissionswerte nötig ist.

Die Produktion ist auf 250 Exemplare begrenzt. Für Käufer wird der V16-Klang einer der offensichtlichsten Unterschiede zum Chiron sein: Der neue Motor verzichtet auf die vier Turbolader, dreht bis 9.000/min und arbeitet in einem Hybridsystem, das die Leistung des Verbrennungsmotors allein fast verdoppelt.

Quellen