General Motors ruft in den USA 67.380 Elektroautos zurück, weil ein Softwarefehler die Bremswirkung bei niedriger Geschwindigkeit vorübergehend aussetzen lassen kann. Betroffen sind bestimmte Chevrolet Blazer EV sowie Cadillac Lyriq, Vistiq und Celestiq. Die vorgesehene Abhilfe ist ein Update des Bremssteuergeräts, das die Berechnung des Radschlupfs korrigiert.

Der am 29. Oktober 2026 bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eingereichte Bericht trägt die Kennung 26V717. GM führt die Aktion unter N262570900. Diese Nummern sind für die Prüfung eines einzelnen Fahrzeugs aussagekräftiger als der Modellname allein. Der Bericht beschreibt einen US-Rückruf und belegt keine gleich große Aktion in Deutschland oder anderen europäischen Ländern.

Der Fehler tritt bei einer bestimmten Abfolge auf

GM nennt eine Kombination aus leichtem Bremsen bei niedriger Geschwindigkeit, einer engen Kurve und einer Bodenwelle oder Vertiefung. Als Beispiel führt der Hersteller das Ende einer Grundstückszufahrt an. Ein kurzzeitiges Lösen und erneutes Anlegen der Bremsen kann dazu führen, dass die Software die Bewegung der Räder bei der Schlupfberechnung falsch deutet.

Unter bestimmten Umständen fällt die Bremswirkung dadurch vorübergehend aus. Nach Angaben von GM funktioniert die Bremse beim nächsten Betätigen wieder normal. Der Bericht bewertet diesen zeitweiligen Ausfall bei niedriger Geschwindigkeit als erhöhtes Unfallrisiko. Er nennt jedoch weder eine konkrete Geschwindigkeit in km/h noch eine Ausfalldauer oder einen zusätzlichen Bremsweg.

Aus der Beschreibung lässt sich deshalb keine vermeintlich sichere Geschwindigkeitsgrenze ableiten. Auch die Aussage über das erneute Betätigen ist eine technische Beschreibung des beobachteten Verhaltens, kein Ersatz für die Fehlerbehebung. Halter sollten die Situation nicht absichtlich nachstellen, sondern den Status ihres Fahrzeugs anhand der Rückrufnummer und der Fahrzeug-Identifizierungsnummer prüfen lassen.

Beim Lyriq und Blazer EV ist pAWD entscheidend

Die genannten Modelljahre reichen beim Cadillac Lyriq von 2023 bis 2027 und beim Chevrolet Blazer EV von 2024 bis 2027. Beim Cadillac Celestiq sind die Modelljahre 2025 und 2026 erfasst, beim Vistiq 2026 und 2027. Ein Modelljahr entspricht nicht zwangsläufig dem Kalenderjahr der Erstzulassung. GM nutzte Fertigungsdaten, um Fahrzeuge mit verdächtiger Software zu bestimmen.

Für Lyriq und Blazer EV begrenzen die Fahrzeugbeschreibungen den Rückruf ausdrücklich auf Performance All-Wheel Drive, kurz pAWD, mit dem RPO-Code X0E. Andere Antriebskonfigurationen dieser beiden Baureihen gehören nicht zu dieser Aktion. Beim Blazer EV ist die betreffende Konfiguration laut GM nur bei SS und PPV verfügbar. PPV bezeichnet dabei die für den Polizeieinsatz vorgesehene Ausführung.

Aus den einzelnen Modelljahresangaben ergeben sich insgesamt 44.585 Lyriq, 18.802 Vistiq, 3.911 Blazer EV und 82 Celestiq. Der größte einzelne Posten ist der Lyriq des Modelljahrs 2024 mit 22.819 Autos. Für den Blazer EV sind 562 Fahrzeuge des Modelljahrs 2024, 2.012 des Jahrgangs 2025, 1.314 des Jahrgangs 2026 und 23 des Modelljahrs 2027 aufgeführt.

Beim Celestiq entfallen 51 Fahrzeuge auf 2025 und 31 auf 2026. Beim Vistiq sind es 13.627 für 2026 und 5.175 für 2027. Die Zahl 67.380 steht für die potenziell betroffene US-Population. Sie ist weder eine Anzahl gemeldeter Bremsausfälle noch ein Beleg dafür, dass jeder gleichnamige Wagen außerhalb der USA betroffen ist.

Ein Garagenunfall führte zur neuen Untersuchung

Am 10. April 2026 meldete ein technischer Experte von GM einen Fall über das interne Programm Speak Up for Safety. Ein Cadillac Lyriq des Modelljahrs 2024 hatte bei niedriger Geschwindigkeit eine Garage gerammt. Die Umstände ähnelten denen des älteren NHTSA-Rückrufs 24V589. Das betreffende Auto war jedoch bereits mit den Softwareverbesserungen gebaut worden, die damals als Abhilfe dienten.

GM konnte den neuen Fehler bei vorläufigen Versuchen nachstellen. Der Hersteller bestätigte, dass bestimmte pAWD-Umsetzungen eine Abfolge von Bedingungen aufweisen konnten, die das frühere Update nicht abdeckte. Eine neue Produktuntersuchung begann am 18. August 2026. Das für Sicherheitsmaßnahmen zuständige GM-Entscheidungsgremium beschloss den Rückruf am 22. Oktober.

Bei der Auswertung juristischer Daten, von TREAD-Meldungen und NHTSA-Fragebögen von Fahrzeughaltern fand GM 24 möglicherweise zusammenhängende Beschwerden. Sie gingen zwischen dem 28. Februar 2024 und dem 11. Juni 2026 ein. Darunter waren 20 kleinere Unfälle; in zwei Fällen wurden leichte Verletzungen geltend gemacht. Diese Formulierungen sind relevant: GM beschreibt mögliche Zusammenhänge und gemeldete Verletzungen, keine unabhängige Bestätigung jedes einzelnen Kausalverlaufs.

Fahrzeuge mit pAWD, die bereits unter 24V589 erfasst waren, sind auch Teil der neuen Aktion. Laut GM beseitigt das aktuelle Update beide Bedingungen und erlaubt für diese Autos den Abschluss des früheren Rückrufs. Ein Werkstattbeleg über eine alte Bremssoftware-Aktualisierung genügt daher nicht als Nachweis, dass N262570900 erledigt ist.

Was Halter zum Update wissen müssen

Das Brake System Control Module, abgekürzt BSCM, erhält Software mit korrigierter Schlupfberechnung. Für Fahrzeuge, die diese Änderung drahtlos empfangen können, ist eine OTA-Installation vorgesehen, sofern die Halter die geltenden Bedingungen akzeptiert haben. Alternativ können alle Halter die Aktualisierung im Rahmen des Programms bei einem GM-Händler durchführen lassen. Die NHTSA erklärt, dass Sicherheitsrückrufe beim Herstellerhändler kostenlos behoben werden.

Der Bericht setzt die Händlerbenachrichtigung auf den 29. Oktober 2026 und nennt den 14. Dezember als voraussichtlichen Beginn der Halterbenachrichtigung. Fahrzeug-Identifizierungsnummern sind seit dem 29. Oktober abfragbar. Der Brieftermin bedeutet nicht, dass die Software auf einem bestimmten Auto bereits installiert wurde. Verfügbarkeit und Abschluss der Maßnahme müssen fahrzeugbezogen bestätigt werden.

Auch die Produktion wurde nach Angaben von GM angepasst: beim Celestiq für das Modelljahr 2027, beim Blazer EV am 8. August 2026, beim Lyriq am 7. September und beim Vistiq am 21. Oktober. Änderungen an neu gebauten Fahrzeugen aktualisieren bereits ausgelieferte Autos nicht automatisch. Wer einen US-Import in Deutschland besitzt, sollte deshalb den amerikanischen VIN-Eintrag prüfen und mit GM klären, wie die Aktion am aktuellen Fahrzeugstandort ausgeführt werden kann. Der US-Bericht regelt die örtliche Werkstattabwicklung eines solchen Imports nicht.

Foto: Charles über Wikimedia Commons, CC0 1.0. Blazer EV SS auf einer Automesse als Symbolbild; das gezeigte Auto ist nicht als betroffen oder unfallbeteiligt bestätigt. Verkleinert und in WebP umgewandelt.

Quellen