Das Foto zeigt den regulären Lamborghini Temerario. Einen Temerario Sterrato hat der Hersteller weder vorgestellt noch bestätigt. Bild: Automobili Lamborghini S.p.A.

Lamborghini hält einen Temerario Sterrato für möglich

Lamborghini kann sich vorstellen, das Konzept des Huracán Sterrato auf den Temerario zu übertragen. Mehrere Führungskräfte sprechen inzwischen öffentlich über diese Möglichkeit. Eine Modellankündigung ist das nicht: Mit Stand vom 26. September 2026 gibt es weder eine Produktionsbestätigung noch einen Termin, einen offiziellen Prototyp, einen Preis oder technische Daten für einen Temerario Sterrato.

Paolo Racchetti, bei Lamborghini für die Produktlinie verantwortlich, erklärte gegenüber CarExpert, die Architektur des neuen Supersportwagens sei für unterschiedliche Aufgaben ausgelegt. Auf die konkrete Frage nach einer Sterrato-Variante räumte er ein, dass ein solches Auto denkbar sei. Zugleich stellte er klar, dass er damit keine bestehende Planung bestätige. Technischer Spielraum und eine unternehmerische Freigabe sind zwei verschiedene Dinge.

Was Lamborghini tatsächlich gesagt hat

Racchetti verwies auf die große Bandbreite der Huracán-Familie. Im Lauf der Modellzeit entstanden offene, leichtere und rennstreckenorientierte Versionen sowie der für lose Untergründe angepasste Sterrato. Die Temerario-Basis wurde laut dem Manager von Beginn an so entwickelt, dass sowohl der Verbrennungsmotor als auch die elektrischen Komponenten weitere Ableitungen erlauben.

Eine Neuauflage der Sterrato-Idee schloss Racchetti nicht aus. Im selben Interview sagte er aber auch, er könne nicht bestätigen, dass sie derzeit auf Lamborghinis Produktplan stehe. Anders ist der Status des Temerario Spyder: Dessen Entwicklung bestätigte er ausdrücklich. Das Cabriolet ist damit ein laufendes Projekt, die höhergelegte Variante nur eine untersuchte Richtung.

Federico Foschini, Marketing- und Vertriebschef des Unternehmens, hatte zuvor ähnlich argumentiert. Weitere Sterrato-Modelle seien eine Chance, die Lamborghini prüfen könne. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass die Ressourcen des Herstellers begrenzt sind. Entwicklung, Erprobung, Homologation, Produktionskapazität und kommerzielle Prioritäten müssen zusammenpassen, bevor eine Idee die Serienfreigabe erhält.

Gesichert sind nur die Daten des normalen Temerario

Der Temerario wurde im August 2024 als Nachfolger des Huracán vorgestellt. Sein Plug-in-Hybridantrieb verbindet einen 4,0-Liter-V8 mit zwei Turboladern und drei Elektromotoren. Lamborghini nennt eine Systemleistung von 920 CV, 2,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h und 343 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Der V8 allein leistet 800 CV. Zwei E-Maschinen treiben die Vorderachse an, die dritte sitzt zwischen Verbrenner und Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Karosseriestruktur besteht vollständig aus Aluminium. Für das Serienmodell gibt Lamborghini ein Trockengewicht von 1.690 kg an.

Diese Werte beschreiben ausschließlich das reguläre Auto. Zur Bodenfreiheit, Bereifung, Unterbodenpanzerung, Fahrwerksabstimmung, Masse, Leistung oder Fahrleistung eines möglichen Sterrato hat Lamborghini nichts veröffentlicht. Die Daten des Coupés dürfen daher nicht automatisch auf eine hypothetische Variante übertragen werden.

Der Huracán Sterrato ist Vorbild, aber kein Datenblatt

Vom Huracán Sterrato plante Lamborghini 1.499 Exemplare. Gegenüber dem allradgetriebenen Huracán EVO wuchs die Bodenfreiheit um 44 mm, die Spur vorne um 30 mm und hinten um 34 mm. Eine Aluminiumplatte schützte den vorderen Unterboden. Verstärkte Schweller, geschützte Radhäuser und ein Lufteinlass auf dem Dach waren für unebene und staubige Wege ausgelegt.

Spezielle Bridgestone-Dueler-AT002-Reifen saßen auf 19-Zoll-Rädern. Die Fahrsoftware erhielt einen Rally-Modus sowie angepasste Strada- und Sport-Abstimmungen. Der 5,2-Liter-V10-Saugmotor leistete 610 CV und 560 Nm. Den Sprint auf 100 km/h gab Lamborghini mit 3,4 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit war auf 260 km/h begrenzt.

Gerade die niedrigere Endgeschwindigkeit zeigt den Zielkonflikt. Widerstandsfähigkeit, Federweg und Kontrolle auf wechselndem Untergrund hatten Vorrang vor maximalem Tempo. Der Sterrato war somit mehr als ein Optikpaket. Seine Maße lassen sich trotzdem nicht einfach übernehmen, denn der Temerario nutzt eine neue Plattform, einen elektrifizierten Antrieb und eine andere Gewichtsverteilung.

Ein Hybrid-Sterrato stellt neue Anforderungen

Sollte Lamborghini das Projekt freigeben, wären mehr Bodenfreiheit, zusätzlicher Unterbodenschutz, Reifen für gemischte Oberflächen und eine eigene Fahrwerks- und Regelsystemabstimmung plausibel. Das sind Ableitungen aus dem Vorgänger, keine angekündigten Ausstattungsdetails.

Die Hochvoltkomponenten müssten vor Schlägen und Verschmutzung geschützt werden. Die Kühlung von Batterie, Elektromotoren und Biturbo-V8 müsste auch bei Staub und geringer Geschwindigkeit zuverlässig arbeiten. Ein höheres Fahrwerk verändert Aerodynamik und Schwerpunkt. Nachgiebigere Reifen wirken sich auf Lenkpräzision, Bremsweg und mögliche Höchstgeschwindigkeit aus.

Foschini erklärte grundsätzlich, dass andere Reifen, veränderte Fahrwerkseinstellungen und eine stärkere Ausrichtung auf Geländeeinsatz ein neues Derivat ergeben können, ohne das Grundfahrzeug vollständig umzubauen. Diese Aussage beschreibt einen möglichen Entwicklungsweg. Sie belegt nicht, dass entsprechende Arbeiten am Temerario begonnen haben.

Der Spyder dürfte vorher kommen

Racchetti bestätigte die Entwicklung des Temerario Spyder. Offene Modelle gehören traditionell zum Lamborghini-Programm und bedienen eine bekannte Nachfrage. Deshalb ist sein Status wesentlich konkreter. Der Manager erwähnte außerdem Potenzial für puristischere oder streckenbetonte Varianten, die konzeptionell an Huracán Tecnica und STO erinnern könnten.

Welche Version nach dem Spyder folgt, wie viele Projekte gleichzeitig möglich sind und ob ein Sterrato Vorrang vor einem Leichtbau- oder Trackmodell erhält, sagte Lamborghini nicht. Auch eine aufmerksamkeitsstarke Kleinserie beansprucht Prototypen, Dauerläufe, Softwarevalidierung, Homologation und spezielle Bauteile.

Woran eine echte Produktbestätigung zu erkennen wäre

Belastbare Signale wären ein vom Hersteller bestätigter Erprobungsträger, eine offiziell einem Programm zugeordnete Modellbezeichnung, die Aufnahme in einen Produktplan oder veröffentlichte technische Angaben. Nichts davon begleitet die aktuellen Äußerungen. Digitale Darstellungen eines höhergelegten Temerario mit Schutzteilen und groben Reifen bleiben unabhängige Renderings und sind keine Fotos eines präsentierten Lamborghini.

Die sachliche Schlussfolgerung ist deshalb eng begrenzt. Lamborghini hat den Temerario für mehrere Ableitungen vorbereitet, und zwei hochrangige Manager schließen einen weiteren Sterrato nicht aus. Freigabe, Ausführung und Zeitplan sind unbekannt. Solange der Hersteller nur im Konjunktiv spricht, ist der Temerario Sterrato eine nachvollziehbare Möglichkeit, aber kein angekündigtes Auto.

Quellen