Der neue Mercedes-AMG CLA 45 ist vollständig elektrisch, nutzt aber Sound, Vibrationen und simulierte Schaltvorgänge, um einen Teil des Erlebnisses eines Verbrennungsmotors nachzubilden. Foto: Mercedes-AMG.
Mercedes-Chef sagt, der neue elektrische AMG fühle sich an wie „der beste V8“, den er gefahren ist
Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, sagt, der neue elektrische Mercedes-AMG CLA 45 habe ihm die Empfindungen eines V8-Motors vermittelt, aber mit mehr Leistung und mehr Drehmoment. Nach der ersten Fahrt beschrieb der Manager das Erlebnis mit der englischen Wendung „born-again Christian“, einem bildlichen Vergleich, mit dem er ausdrücken wollte, dass das Auto seine Sicht auf elektrische Systeme, die einen Verbrennungsmotor nachahmen, verändert habe.
Die Aussage fiel in einem Interview mit der britischen Zeitschrift Autocar. Es handelt sich nicht um eine Aussage über Källenius’ Religion und auch nicht um eine messbare technische Beschreibung. Es ist die persönliche Einschätzung des Chefs des Unternehmens, das das Auto herstellt, und sollte deshalb auch als Werbebotschaft für eine Technik gelesen werden, die Mercedes-AMG Kunden verkaufen will, die an Benzinmotoren gewöhnt sind.
Der neue CLA 45 verzichtet vollständig auf den 2,0-Liter-Turbomotor der Vorgängergeneration. Er nutzt drei Elektromotoren, eine 94-kWh-Batterie und Software, die künstlichen Sound, virtuelle Gänge und Sitzvibrationen einführt.
Warum Källenius von einem V8 spricht
Der CLA 45 hat keinen V8-Motor und simuliert auch keinen mechanisch. Im Modus AMGFORCE S+ gibt das System den Klangcharakter eines AMG-Motors digital wieder, unterbricht kurz die Drehmomentabgabe, um Gangwechsel nachzuahmen, und zeigt im Instrumentarium eine virtuelle Drehzahl.
Im Autocar-Interview nannte Källenius das Auto „den besten V8“, den er gefahren sei, und argumentierte, es bewahre die mit einem V8 verbundenen Empfindungen, biete aber mehr Leistung und mehr Drehmoment. Die Aussage überrascht, weil der CLA 45 bisher mit einem Vierzylinder verbunden war, nicht mit einem Achtzylinder.
Mercedes beschreibt den Modus AMGFORCE S+ offiziell als elektrische Neuinterpretation eines leistungsstarken AMG-Vierzylinders. Der Sound entstand aus mehr als 1.600 Messungen mit 13 Mikrofonen. Der Vergleich mit dem V8 stammt daher von Källenius; er ist nicht die technische Definition des Herstellers.
Drei Motoren und bis zu 680 PS
Der Antrieb nutzt drei Axialflussmotoren: zwei an der Hinterachse und einen an der Vorderachse. Die maximale Leistung erreicht 500 kW, entsprechend 680 PS, die von Mercedes genannte Dauerleistung beträgt 450 kW beziehungsweise 612 PS.
Die beiden hinteren Motoren können die Hinterräder getrennt ansteuern. Der vordere Motor greift vor allem ein, wenn zusätzliche Leistung nötig ist, und das System AMG Performance 4MATIC+ verteilt das Drehmoment variabel zwischen den Achsen.
Mercedes-AMG nennt für die Limousine folgende Werte:
- 0–100 km/h in 3,0 Sekunden in der üblichen Messung;
- 2,7 Sekunden, wenn die anfänglichen 30,48 cm des Verfahrens „one-foot rollout“ ausgeschlossen werden;
- Höchstgeschwindigkeit 250 km/h;
- bis zu 270 km/h mit dem Paket AMG Dynamic Plus;
- maximales Systemdrehmoment von 1.759 Nm.
Der Unterschied zwischen den beiden Beschleunigungswerten ist wichtig. Die 2,7 Sekunden sind nicht direkt mit einer europäischen Standardmessung vergleichbar, die aus dem Stand beginnt und die gesamte zurückgelegte Strecke einbezieht.
94-kWh-Batterie und mehr als 670 km Reichweite
Der CLA 45 hat eine 800-V-Architektur und eine Batterie mit 94 kWh. Mercedes nennt für die Limousine eine WLTP-Reichweite von mehr als 670 km und einen kombinierten Verbrauch zwischen 16,5 und 18,7 kWh/100 km, je nach Konfiguration.
Die Schnellladung kann 330 kW erreichen, und der Hersteller schätzt, dass zehn Minuten an einer kompatiblen Station bis zu 270 km WLTP-Reichweite hinzufügen können. Das Wechselstromladegerät akzeptiert maximal 22 kW.
Die Homologationswerte beschreiben nicht die Nutzung im Modus AMGFORCE S+ oder auf der Rennstrecke. Wiederholte Beschleunigungen, hohe Geschwindigkeit, Hitze oder niedrige Temperaturen können die Strecke zwischen den Ladungen erheblich verkürzen.
Der Nürburgring-Rekord liefert einen konkreteren Maßstab
Jenseits der Aussage des Mercedes-Chefs hat der CLA 45 bereits eine Leistung, die unabhängig von Eindrücken am Steuer gemessen wurde. Am 28. Juli 2026 fuhr das Modell die Nürburgring-Nordschleife in 7 Minuten und 32,070 Sekunden.
Mercedes-AMG stellt das Ergebnis als Rekord der Kompaktklasse auf der vollständigen 20,832 km langen Strecke dar. Das Auto nutzte Reifen Pirelli P Zero Trofeo RS, und der Versuch wurde nach dem Verfahren der Strecke gestoppt und beglaubigt.
Eine einzelne schnelle Runde zeigt weder Reichweite, Komfort noch die Wiederholbarkeit der Leistung nach mehreren Runden, belegt aber, dass Antrieb und Thermik eine komplexere Belastung tragen können als eine Beschleunigung in gerader Linie.
Mercedes verzichtet nicht auf den echten V8
Källenius betonte im selben Interview, das elektrische System werde nicht sofort alle V8-Motoren ersetzen. Mercedes-AMG werde Achtzylinder in größeren Modellen behalten, während CLA und C-Klasse voraussichtlich nicht zu dieser Konfiguration zurückkehren.
Die Strategie spiegelt einen flexibleren Übergang wider als die Pläne, die die Branche vor einigen Jahren ankündigte. Mercedes entwickelt gleichzeitig leistungsstarke Elektroautos und aktualisierte Verbrennungsmotoren für strengere Abgasnormen, weil die Nachfrage nach BEV regional stark unterschiedlich ist.
Für AMG geht es nicht nur um Leistung. Kunden haben die Marke mit dem Ansprechverhalten des Motors, dem Abgasklang und dem Gefühl eines mechanischen Getriebes verbunden. Der CLA 45 versucht, einen Teil dieser Elemente per Software nachzubilden, ohne zu behaupten, sie existierten körperlich unter der Haube.
Wird künstlicher Sound Käufer überzeugen?
Die Reaktion von Källenius zeigt das Vertrauen der Mercedes-Führung in das neue System, garantiert aber nicht die Antwort der Kunden. Manche Fahrer können die Möglichkeit schätzen, Gänge per Schaltwippen zu wählen und zusätzliches Feedback zu erhalten. Andere können Sound und künstliche Vibrationen als Versuch sehen, ein fehlendes mechanisches Erlebnis auszugleichen.
Der Vorteil ist, dass die Funktion auf Wunsch aktiviert werden kann. In den üblichen Modi bleibt das Auto ein Elektromodell mit linearer Drehmomentabgabe. AMGFORCE S+ ist eine Software-Schicht für Momente, in denen der Fahrer mehr Interaktion möchte.
Mercedes-AMG hat den Beginn der europäischen Verkäufe für August 2026 geplant. Preis und Konfigurationen für Rumänien sind auf der lokalen Seite noch nicht veröffentlicht, sodass ein finanzieller Vergleich mit dem alten CLA 45 S oder seinen Rivalen erst nach Bekanntgabe des offiziellen Angebots möglich sein wird.



