Jörg Bartels übernimmt im Mai 2027 das Vorstandsressort Forschung und Entwicklung bei Porsche. Er kommt von Mercedes-Benz und folgt auf Michael Steiner, dessen Tätigkeit im Vorstand nach fast 25 Jahren im Unternehmen endet. Porsche hat die Nachfolge am 30. Oktober 2026 bekannt gegeben. Es handelt sich um einen vorbereiteten Wechsel im kommenden Jahr, nicht um eine sofortige Übergabe.

Steiner ist zum Zeitpunkt der Mitteilung 62 Jahre alt, führt das Entwicklungsressort seit 2016 und ist seit 2025 stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Der 52-jährige Bartels verantwortet bei Mercedes-Benz derzeit die weltweite Entwicklung aller Antriebssysteme. Bei Porsche übernimmt er ein Ressort, das inzwischen auch Car-IT umfasst und die strategische Neuaufstellung der Entwicklung umsetzen soll.

Welche Erfahrung Bartels mitbringt

Porsche verweist auf mehr als 26 Jahre Erfahrung von Bartels in der Automobilindustrie. Sein Arbeitsgebiet reichte von einzelnen Komponenten und komplexen Fahrzeugsystemen bis zu ganzen Plattformen und Produktlinien. Nach Darstellung des Unternehmens hat er die Entwicklung von der technischen Konzeption bis zur Industrialisierung begleitet und internationale Entwicklungsorganisationen in Europa und Asien geführt.

Zu seinen früheren Aufgaben gehörte die Funktion als President und CEO der Beijing Benz Automotive Co., kurz BBAC, in China. Diese internationale Erfahrung ist ein Bestandteil der Begründung für seine Berufung. Die Personalmitteilung nennt jedoch kein bestimmtes künftiges Porsche-Modell, das Bartels persönlich übernehmen wird, und kündigt auch keinen Technologietransfer von Mercedes-Benz an.

Porsche-Vorstandschef Michael Leiters erklärt, dass er den Wechsel gemeinsam mit Steiner vorbereitet habe. Die Übergabe an den Nachfolger soll eng abgestimmt werden. Leiters erwartet von Bartels, die bereits begonnene Neuausrichtung von Forschung und Entwicklung weiterzuführen. Das ist eine Aufgabe für die künftige Amtszeit und kein Ergebnis, das der neue Manager bei Porsche schon erreicht hätte.

Steiners Weg in den Vorstand

Michael Steiner studierte Maschinenbau an der Technischen Universität München und promovierte zum Doktor der Ingenieurwissenschaften. Seine berufliche Laufbahn in der Automobilindustrie begann 1995 bei Mercedes-Benz. Im Jahr 2002 wechselte er zu Porsche und leitete Innovationen, Konzepte und CAE. Gleichzeitig übernahm er eine Funktion als Generalbevollmächtigter bei der Porsche Engineering Group.

2005 folgte die Verantwortung für die Baureihe Panamera. Ab 2011 leitete Steiner die Gesamtfahrzeugentwicklung und Qualität, bevor er 2016 in den Vorstand für Forschung und Entwicklung berufen wurde. Das Ressort ist im Entwicklungszentrum Weissach angesiedelt. Von 2022 bis 2025 leitete er zusätzlich die Forschung und Entwicklung des Volkswagen-Konzerns und befasste sich dort mit übergreifenden Technologie- und Architekturthemen.

Porsche verbindet seine Arbeit mit den 911-Generationen 991 und 992. Diese Zuordnung bezieht sich auf den längeren technischen Werdegang im Unternehmen. Sie bedeutet nicht, dass jedes genannte Projekt erst mit dem Vorstandseintritt 2016 begann. Ebenso wenig lassen sich die Beiträge der Entwicklungsteams durch die Nennung eines einzelnen verantwortlichen Managers ersetzen.

Die technischen Projekte im Rückblick

Zu den von Porsche hervorgehobenen Programmen gehört der Marktstart des Taycan als erstes vollelektrisches Serienfahrzeug der Marke mit 800-Volt-Architektur. Hinzu kommen Porsche Active Ride im Panamera sowie der T-Hybrid-Antrieb im 911 Carrera GTS und im 911 Turbo S. Die Beispiele reichen damit von elektrischen Fahrzeugen über Hybridantriebe bis zu Fahrwerksystemen.

Aus der Berufung von Bartels lässt sich deshalb kein eigenständiger Beschluss zum Ausstieg aus einer dieser Technologien ableiten. Seine heutige Aufgabe bei Mercedes-Benz ist keine neue technische Spezifikation für den künftigen 911. Die Personalentscheidung ändert auch nicht automatisch Preise, Bestellbedingungen oder Liefertermine für Porsche-Kunden in Deutschland.

Porsche nennt außerdem Erfolge im Motorsport während Steiners Tätigkeit. 2017 gelangen dem Unternehmen zum dritten Mal in Folge der Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans sowie die Hersteller- und Fahrerweltmeisterschaft in der LMP1-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Auch der Einstieg in die Formel E und die dort gewonnenen Titel werden erwähnt. Das sind Leistungen der Teams und der Motorsportorganisation, auch wenn sie im Rückblick auf seine Amtszeit stehen.

Car-IT gehört bereits zum erweiterten Ressort

Am 7. Mai 2026 hatte Porsche eine Straffung des Vorstands angekündigt. Die Zahl der Ressorts sollte von acht auf sieben sinken. Car-IT wurde demnach mit Wirkung zum 1. Juli in Forschung und Entwicklung integriert, wobei Steiner das erweiterte Ressort weiterführte. Der Nachfolger erhält damit bereits eine andere Struktur als die frühere Trennung zwischen diesen Aufgaben.

Sajjad Khan sollte Porsche nach dieser Ankündigung über ein Software-Partnerschaftsmodell weiter unterstützen. Bei der Begründung ging es um Konnektivität, Infotainment und digitale Bedienkonzepte, darunter Porsche Digital Interaction im elektrischen Cayenne. Die Funktion des Entwicklungschefs lässt sich daher nicht allein auf die Entscheidung zwischen Verbrennungs- und Elektromotoren reduzieren.

Die Strategie gibt den Rahmen vor

Porsche stellte die Strategie Sportwagenschmiede ’35 am 7. Oktober 2026 beim Capital Markets Day in Weissach vor. Das Unternehmen strebt rund 20 Prozent weniger Modellvarianten an. Die Entwicklungskosten künftiger Baureihen sollen um bis zu 20 Prozent sinken. Zudem will Porsche die Gewinnschwelle auf weniger als 200.000 Fahrzeuge senken, unter anderem durch mehr Flexibilität und Produktivität.

Diese Angaben sind strategische Ziele. Sie beschreiben keine bereits erzielten Einsparungen bei jedem einzelnen Fahrzeugprojekt und auch keine automatische Senkung der Verkaufspreise. Der Plan sieht weiterhin Investitionen in Verbrennungs- und Plug-in-Hybrid-Antriebe sowie in die nächste Generation der Batterietechnik vor.

Porsche will außerdem die Zusammenarbeit mit Audi bei den Plattformen PPE und PPC intensivieren und dabei markenspezifische Technologien und Eigenschaften erhalten. Bartels soll die Strategie in Forschung und Entwicklung umsetzen, an deren Vorbereitung Steiner beteiligt war. Einen eigenen, detaillierten Produktfahrplan des Nachfolgers enthält die Personalmitteilung nicht. Konkrete Modellentscheidungen benötigen weitere Ankündigungen; die Übergabe des Ressorts ist für Mai 2027 vorgesehen.

Jörg Bartels übernimmt im Mai 2027 Forschung und Entwicklung bei Porsche. Offizielles Porträt von 2026. © Porsche AG · Porsche Newsroom.

Quellen