RJ Scaringe führt Rivian und leitet gemeinsam mit Volkswagen das Joint Venture RV Tech. Fotoquelle: Rivian
Rivian und VW: die RV-Tech-Architektur, die Zukunft der Audi- und Porsche-E-Autos
Volkswagen Group und Rivian arbeiten über das Joint Venture Rivian and Volkswagen Group Technologies (RV Tech) an einer zonalen elektrischen Architektur und an Software für softwaredefinierte Fahrzeuge (SDV). Die 2024 angekündigte Investition kann 5,8 Milliarden $ erreichen (rund 5 Milliarden €). Ziel: weniger Rechner und Kabel, bessere OTA-Updates, niedrigere Kosten — auf der künftigen Plattform SSP und früher am ersten Serienmodell mit RV-Tech-SDV: dem Volkswagen ID.EVERY1 (2027).
Am 21. August 2026 erläuterte RJ Scaringe (Gründer und CEO von Rivian) in einem Interview mit der britischen Zeitschrift Auto Express, wie er die Partnerschaft sieht: der Schwerpunkt liegt auf dem Produkt, nicht nur auf der finanziellen Transaktion. Technische Fakten und der Zeitplan stammen aus Mitteilungen der Volkswagen Group; die Interviewzitate unten sind redaktionelle Paraphrasen, keine neuen Aussagen des deutschen Konzerns.
Was RV Tech macht
Das Joint Venture (gegründet im November 2024, Anteile 50–50) geht vom elektrischen und Software-Stack von Rivian aus. RV Tech entwickelt:
- zonale Architektur — Funktionen, die nach Fahrzeugzonen gebündelt und von wenigen modularen Zentralrechnern gesteuert werden, statt Dutzender oder Hunderter spezialisierter Steuergeräte;
- SDV-Software — Infotainment, Fahrerassistenz, Funktionen, die over-the-air aktualisiert werden können, ohne Werkstattbesuch für jede Verbesserung.
Volkswagen sagt, das Ziel sei die westliche Hemisphäre (Europa, Nordamerika usw.). Rivian verfolgt dieselbe Richtung beim R2 (USA, 2026), dann R3 / R3X und den aktualisierten R1-Generationen.
Das Team umfasst mehr als 1.500 Ingenieure, mit Standorten in den USA (Palo Alto, Irvine), Kanada, Schweden, Serbien und Berlin — letzterer für die Anbindung an die europäischen Marken.
Wintertests: was validiert wurde
Am 27. März 2026 kündigte Volkswagen den Abschluss des Wintertestprogramms für die „production-intent“-SDV-Architektur (seriennah) an:
| Stufe | Wo | Was getestet wurde |
|---|---|---|
| Softwarevorbereitung | Phoenix, Arizona | Schlüsselfunktionen, Vorbereitung der Referenzfahrzeuge |
| Kältefestigkeit | Arjeplog, Schweden | Schnee, Eis, Dynamik |
| Endvalidierung | Deutschland, Schweden | Abnahmefahrten mit der Entwicklungsleitung der Marken |
Referenzfahrzeuge: Volkswagen ID.EVERY1, ein Audi-Modell und ein Scout-Modell (die nordamerikanische Marke des Konzerns). Geprüft wurden unter anderem Allradantrieb, Traktionskontrolle, dynamisches Verhalten und OTA — „hunderte“ Testzyklen, laut Volkswagen.
Oliver Blume (CEO Volkswagen Group): die Tests zeigten die „Geschwindigkeit und Präzision“ der Zusammenarbeit zwischen JV, Marken und Konzern.
Auto Express nannte das künftige Einstiegsmodell fälschlich „ID. Lupo“. Die offizielle Volkswagen-Bezeichnung bleibt ID.EVERY1 — ein kleiner Hatch, angekündigt für 2027, mit einem zuvor kommunizierten Startpreis um 20.000 € (europäisches Stadtsegment). Die Karosserie der Wintertests ist nicht das endgültige Serienerscheinungsbild.
SSP: wo Audi, Porsche, Skoda und Cupra einsteigen
Langfristig soll die RV-Tech-SDV-Architektur E-Autos auf der Plattform SSP (Scalable Systems Platform) ausstatten. Volkswagen spricht von einem potenziellen Volumen von bis zu 30 Millionen Einheiten auf Konzernebene — eine Plattformkapazitätszahl, keine jährliche Absatzprognose.
Im SSP-/SDV-Kontext genannte Marken: Volkswagen, Škoda, Cupra, Audi, Porsche, plus Scout in den USA. Der ID.2all (rund 25.000 €, 2026) bleibt auf der Architektur E3 1.1 / Cariad, nicht auf dem Rivian-Stack — wichtiger Unterschied: nicht alle preislich nahen E-Autos werden dieselbe Software haben.
Porsche und Audi bereiten Qualifizierungsprogramme vor (geplant ab Mai 2026): Ingenieure zu RV Tech, dann interne „Multiplikatoren“ in Wolfsburg oder Ingolstadt — ein Zeichen, dass Rivian-SDV auch das sportliche Premiumsegment erreicht, nicht nur das Volumensegment.
Warum Rivian, nach Jahren der Cariad-Verzögerungen
Der deutsche Konzern investierte massiv in Cariad für eigene Software; Projekte hatten Verzögerungen und Kosten, die Markteinführungen belasteten (ID.-Baureihe, Audi, Porsche). Die Partnerschaft mit Rivian bringt einen Stack, der bereits auf dem R1 Gen. 2 läuft und auf dem Weg zum R2 ist — plus Kapital: 1 Mrd. $ wandelbar zum Start, rund 1,3 Mrd. $ beim JV-Abschluss für IP-Lizenzen und 50 % Equity, bis zu 3,5 Mrd. $ zusätzlich an Meilensteine gebunden (laut Mitteilung 2024).
Scaringe im Interview vom 21. August: die Zusammenarbeit werde nicht „nur als Geschäft“ gesehen, sondern als Weg, „hervorragende Produkte“ auf die Straße zu bringen. Er sagt, Oliver Blume sei ein „Produktmensch“ und Autofan — eine Ausrichtung, die die Verhandlung erleichtert habe.
Biografisches Detail aus demselben Interview (ohne technischen Einfluss): Scaringes erstes Auto soll ein VW Corrado gewesen sein; in der Garage steht auch ein Porsche 993 Carrera 4S. Porsche soll ihn inspiriert haben, Rivian mit 26 Jahren nach dem MIT zu gründen — persönlicher Kontext für die Beziehung zu den deutschen Marken, kein Launch-Kalender.
Was das für Rumänien bedeutet
Es gibt keinen lokalen Kalender für Rivian-SDV. Für den rumänischen Markt zählt das indirekt:
- VW, Škoda, Cupra, Audi, Porsche verkaufen hier; künftige SSP-/SDV-E-Autos kommen, wenn sie EU-homologiert sind, über das bestehende Netz.
- Der ID.EVERY1 zielt auf Europas Einstieg — niedriger Preis, OTA-Software; für Rumänien zum Launch nicht ausdrücklich bestätigt.
- OTA-Updates könnten neue Funktionen (ADAS, Infotainment) ohne physischen Rückruf bringen — wenn Gesetzgebung und Servicenetz sie tragen.
- Der Rivian R2 in Europa bleibt ein eigenes Thema (Scaringe, 17.–19. August 2026) — das ist nicht dasselbe wie die Software im ID.EVERY1.
Häufige Fragen
Werden alle VW-E-Autos Rivian-Software nutzen?
Nicht sofort und nicht alle. Das erste bestätigte Serienmodell mit RV-Tech-Architektur ist der ID.EVERY1 (2027). Der ID.2all (2026) bleibt auf einer anderen Architektur. SSP + SDV ist die mittelfristige Richtung für mehrere Marken.
Wie viel hat Volkswagen investiert?
Bis zu 5,8 Milliarden $ bis 2027, in Tranchen an Meilensteine gebunden (Mitteilung 2024). Nicht die gesamte Summe fließt an Rivian; ein Teil finanziert das JV.
Garantieren die Wintertests, dass es zum Launch keine Bugs gibt?
Nein. Sie sind ein Technikmeilenstein unter Extrembedingungen, keine finale Serienzertifizierung. Die nächsten Entwicklungsphasen laufen weiter.
Wird Porsche dieselbe Oberfläche haben wie ein günstiger Volkswagen?
Unbekannt. Die zonale Architektur ist gemeinsam; Funktionen und UI bleiben markenspezifisch — Volkswagen verspricht die „brand-specific“ Integration über die Qualifizierungsprogramme.
Quellen
- Volkswagen Group — Wintertests SDV RV Tech (27. März 2026)
- Volkswagen Group — Fortschritt des JV nach einem Jahr (November 2025)
- Volkswagen Group — Start des Joint Ventures, bis zu 5,8 Mrd. $ (2024)
- Rivian — SEC Form 8-K, JV-Vereinbarung (12. November 2024)
Die Aussagen von RJ Scaringe zur Partnerschaftskultur und zu Porsche stammen aus dem Interview, das Auto Express am 21. August 2026 veröffentlicht hat; sie sind keine offiziellen Rivian-/VW-Mitteilungen.



