Von links: Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group, Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen, und Tomer Jacob, Chef von Aurelius Capital. Foto: Volkswagen Group.
Volkswagen bereitet den Verkauf des Werks Osnabrück vor. Die Autofabrik soll Verteidigungssysteme produzieren
Volkswagen hat die Eckpunkte für einen möglichen Verkauf seines Werks in Osnabrück, Deutschland, an die Investmentgesellschaft Aurelius Capital und das Land Niedersachsen festgelegt. Nach dem Stopp der Autoproduktion, vorgesehen für den Sommer 2027, soll die Fabrik schrittweise in ein Zentrum für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien umgewandelt werden.
Das erste geprüfte Projekt ist eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems zur Fertigung von Systemen und Komponenten für die Luftverteidigung in Deutschland und anderen europäischen Staaten. Volkswagen hat weder genannt, welche Ausrüstung gebaut wird, noch das Datum, an dem die neue Produktion beginnen würde.
Die Vereinbarung ist noch nicht der endgültige Verkauf
Die am 7. September 2026 unterzeichneten Dokumente legen die Grundstruktur der Transaktion fest. Der Plan sieht vor, dass Aurelius Mehrheitsgesellschafter der Volkswagen Osnabrück GmbH wird und das Land Niedersachsen an der neuen Gesellschaft beteiligt ist.
Die Übertragung ist jedoch nicht abgeschlossen. Laut Mitteilung der Volkswagen Group müssen die Parteien Verantwortlichkeiten, Organisation und wirtschaftliche Bedingungen noch festlegen. Die Transaktion braucht noch endgültige Verträge, die Zustimmung der Leitungsorgane und behördliche Freigaben.
| Element | Stand am 7. September 2026 |
|---|---|
| Vorgeschlagener Mehrheitskäufer | Aurelius Capital |
| Öffentlicher Partner | Land Niedersachsen |
| Erster Industriepartner | Rafael Advanced Defense Systems |
| Erstes Projekt | Systeme und Komponenten für die Luftverteidigung |
| Ende der Autoproduktion | Sommer 2027 |
| Verkauf abgeschlossen | Nein |
| Transaktionspreis | Nicht bekannt gegeben |
Die Produktion des Volkswagen T-Roc Cabriolet endet 2027
Volkswagen hatte bereits im Dezember 2024 beschlossen, den Autobau in Osnabrück im Sommer 2027 einzustellen. Derzeit baut das Werk noch den Volkswagen T-Roc Cabriolet, ein Nischenmodell, für das keine nächste Generation vorbereitet wird.
Die Produktion der in diesem Werk gefertigten Porsche-Modelle endete Ende 2025. Osnabrück erhielt auch nicht das Projekt für ein neues elektrisches Sportauto, sodass nach dem T-Roc Cabriolet kein Konzernmodell mehr den Montagelinien zugeordnet war.
Das Werk stammt aus der ehemaligen Karmann-Einheit, einem auf Cabriolet-Karosserien und Kleinserien spezialisierten Unternehmen. Volkswagen übernahm den Großteil der Vermögenswerte nach Karmanns Insolvenz 2009. In den folgenden Jahren wurden hier Modelle wie Golf Cabriolet, Porsche Boxster und Cayman, Volkswagen Arteon und verschiedene Sonderserien montiert.
Mehr als 1.200 Beschäftigte hätten eine Perspektive in der neuen Struktur
Das Werk hat etwa 1.800 Beschäftigte, laut Informationen der deutschen öffentlich-rechtlichen Medien. Der Betriebsrat von Volkswagen sagt, die Vereinbarung biete eine Perspektive für mehr als 1.200 Personen in Osnabrück. Andere von ZDF zitierte Schätzungen nennen fast 1.400 Stellen, die erhalten bleiben könnten.
Die Differenz zwischen den beiden Zahlen zeigt, dass das Personalschema nicht abgeschlossen ist. Daniela Cavallo, Vorsitzende des Volkswagen-Gesamtbetriebsrats, erklärte, die Verhandlungen gingen weiter, um auch für das übrige Stammpersonal eine Lösung zu finden.
Volkswagen wird den Übergang begleiten und die in Entwicklung, Industrialisierung und Produktion gesammelte Erfahrung zur Verfügung stellen. Die Werksbeschäftigten sollen eine direkte Rolle bei Installation und Organisation der neuen Linien haben.
Was Rafael in Osnabrück produzieren würde
Rafael ist ein israelisches Staatsunternehmen, spezialisiert auf Verteidigungssysteme. Zum Portfolio gehören Luftverteidigungssysteme und aktiver Schutz für Militärfahrzeuge. In Osnabrück bezieht sich die vorgeschlagene Zusammenarbeit auf die mögliche Fertigung von Systemen und Komponenten für die Luftverteidigung, ohne dass die Parteien ein konkretes Produkt nennen.
Frühere Informationen über Gespräche erwähnten Komponenten von Flugabwehrsystemen und Hilfsausrüstung. Die offizielle September-Vereinbarung bestätigt jedoch weder die Produktion von Raketen, des Systems Iron Dome noch einer bestimmten Waffenart. Jede solche Zuschreibung bleibt verfrüht, bis das Industrieprojekt vorgestellt wird.
Aurelius Capital mit Sitz in Tel Aviv investiert in Unternehmen der Verteidigung, Cybersicherheit, künstlichen Intelligenz und kritischen Infrastruktur. Rafael würde Technologie und Fachwissen liefern, Werk und Personal in Osnabrück Industrialisierung und lokale Produktion.
Warum das Land Niedersachsen beteiligt ist
Niedersachsen hält 20 % der Stimmrechte von Volkswagen und hat zwei Sitze im Aufsichtsrat des Konzerns. Eine direkte Beteiligung an der künftigen Gesellschaft würde dem Land Einfluss auf Investitionen, Beschäftigung und die Entwicklung des Industriestandorts geben.
Ministerpräsident Olaf Lies verknüpfte das Projekt mit dem Bedarf Deutschlands und Europas, Sicherheitskapazitäten zu erhöhen. Für die Regionalbehörden ist das unmittelbare Ziel, die Schließung eines Werks mit qualifiziertem Personal zu vermeiden und die industrielle Aktivität in Osnabrück zu halten.
Volkswagen wird durch diese Vereinbarung kein Waffenhersteller. Der Autobauer soll nach der Übertragung aus dem Gesellschafterkreis des Werks ausscheiden; die neue Tätigkeit organisieren Aurelius, das Land Niedersachsen und die ins Projekt geholten Industriepartner.
Die Umstellung erfolgt nach dem Stopp der Autoproduktion
Der T-Roc Cabriolet wird bis Sommer 2027 weitergebaut, gemäß dem mit den Gewerkschaften vereinbarten Zeitplan. Danach wird die Umwandlung des Werks schrittweise erfolgen, abhängig von Verträgen, Genehmigungen und Aufträgen der neuen Gesellschaft.
Verkaufswert, Umstellungsbudget und künftiges Produktionsvolumen sind nicht veröffentlicht. Volkswagen und die Partner sagen, Details würden erst kommuniziert, wenn Vereinbarungen und Pläne präzise genug sind.
Häufige Fragen
Hat Volkswagen das Werk Osnabrück bereits verkauft?
Nein. Die Parteien haben die Eckpunkte eines möglichen Verkaufs vereinbart. Endgültige Verträge, interne Genehmigungen und behördliche Freigaben stehen noch aus.
Wann endet die Autoproduktion?
Volkswagen plant das Ende der Autoproduktion für den Sommer 2027, mit dem Auslaufen des T-Roc Cabriolet.
Was wird statt Autos produziert?
Das erste vorgeschlagene Projekt zielt auf Systeme und Komponenten für die Luftverteidigung, in Zusammenarbeit mit Rafael Advanced Defense Systems. Das genaue Produkt ist nicht bekannt gegeben.
Was geschieht mit den Beschäftigten?
Der Betriebsrat sagt, mehr als 1.200 Personen hätten eine Perspektive in der neuen Struktur. Die endgültige Zahl und Lösungen für die übrigen Beschäftigten sind noch Gegenstand der Verhandlungen.



