Der Kia EV5 GT-Line 2WD ist ein elektrisches Familien-SUV, das Raumangebot, Effizienz und einfache Bedienung höher gewichtet als extreme Beschleunigung. Das getestete Fahrzeug hat einen Frontmotor mit 217 PS, eine Batterie mit 81,4 kWh und eine WLTP-Reichweite von bis zu ungefähr 503 km, abhängig von der Ausstattung.
Im Ausgangstest wurden 17,5 kWh/100 km beobachtet. Das ist ein Wert aus dem CautiMasina-Test und keine unabhängige Messung von Carboratory. Rechnerisch entspräche er rund 465 km, bevor Ladeverluste und eine praktische Reserve berücksichtigt werden. Gleichzeitig zeigt der EV5 klare Grenzen: Die Hinterachse reagiert auf kurze Unebenheiten teilweise straff, Reifen- und Windgeräusche nehmen bei höherem Tempo zu und das 400-Volt-System lädt langsamer als die besten neueren Konkurrenten.
Ein brauchbares Format für die Familie
Der EV5 ist 4.610 mm lang, 1.875 mm breit und hat einen Radstand von 2.750 mm. Damit liegt er in derselben Größenordnung wie Volkswagen ID.4, Skoda Enyaq und Tesla Model Y. Er bietet genügend Raum für eine Familie, ohne die unhandlichen Abmessungen eines fünf Meter langen SUV zu erreichen.
Die kantige Karosserie hilft beim Platzangebot. Im Fond gibt es viel Bein- und Kopffreiheit, und der fast ebene Boden erleichtert die Nutzung durch drei Personen. Der Kofferraum fasst 566 Liter und wächst bei umgeklappten Rücksitzen auf 1.650 Liter. Der vordere Stauraum mit ungefähr 44 Litern eignet sich vor allem für Ladekabel.
Für den Alltag ist diese praktische Auslegung wichtiger als ein besonders niedriger 0-100-km/h-Wert. Die hinteren Türen öffnen weit, Kindersitze lassen sich gut montieren und der Kofferraum hat eine brauchbare Form. Wer regelmäßig einen großen Kinderwagen oder mehrere Koffer transportiert, sollte den EV5 trotzdem direkt mit den geräumigeren Alternativen vergleichen.
Bedienung mit weiterhin nützlichen Tasten
Das Cockpit kombiniert ein 12,3-Zoll-Fahrerdisplay, einen separaten 5,3-Zoll-Bildschirm für die Klimatisierung und einen 12,3-Zoll-Infotainment-Bildschirm. Kia hat nicht jede häufige Funktion in ein tiefes Touchscreen-Menü verschoben. Physische Bedienelemente bleiben für wichtige Funktionen erhalten und sind auf schlechten Straßen hilfreich.
Das getestete Fahrzeug hatte unter anderem eine Harman-Kardon-Anlage und weitere Komfort- und Assistenzsysteme. Die Ausstattung hängt jedoch von Land und Linie ab. Vor einem Preisvergleich sollte der deutsche Konfigurator geprüft werden, weil derselbe Modellname nicht überall dieselbe Serienausstattung bedeutet.
Die größte ergonomische Lücke betrifft das Kombiinstrument. Es zeigt Geschwindigkeit, Verbrauch, Reichweite und Assistenzinformationen, kann laut Ausgangstest aber keine Navigationskarte direkt vor dem Fahrer darstellen. Der zentrale Bildschirm ist übersichtlich, doch eine konfigurierbare Kartenansicht oder ein Head-up-Display wären auf unbekannten Strecken hilfreich.
Komfort mit straffer Hinterachse
Der Elektromotor leistet 217 PS und 295 Nm. Der offizielle Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 8,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 165 km/h. Für Autobahnauffahrten und normale Überholvorgänge reichen diese Werte aus. Der Frontantrieb ist gut vorhersehbar und die leichtgängige Lenkung passt zum Stadtverkehr.
Die Hinterachse passt weniger gut zum Familienanspruch. Auf glattem Asphalt fährt der EV5 komfortabel, doch Querfugen, kurze Schlaglöcher und mehrere Unebenheiten hintereinander werden teilweise straff weitergegeben. Auf beschädigten Stadtstraßen fällt das besonders auf.
Auch die Geräuschdämmung ist nur durchschnittlich. Bei niedriger Geschwindigkeit ist der EV5 wegen des fehlenden Verbrennungsmotors leise. Mit zunehmendem Tempo werden Reifen- und Windgeräusche aber deutlich hörbarer. Lange Strecken sind problemlos möglich, das Premiumgefühl mancher teureren Modelle erreicht der Kia jedoch nicht.
Reichweite und Laden
Die Batterie mit 81,4 kWh ist das wichtigste Argument für längere Fahrten. In der geprüften 2WD-Konfiguration beträgt die offizielle WLTP-Reichweite ungefähr 503 km. Bei den beobachteten 17,5 kWh/100 km ergibt eine einfache Rechnung rund 465 km. Das ist jedoch keine vollständige Messung von 100 bis 0 Prozent. Temperatur, Tempo, Heizung, Wind und Räder beeinflussen den tatsächlichen Wert.
Auf der Autobahn sollte ein höherer Verbrauch eingeplant werden. Bei 20 bis 23 kWh/100 km wären etwa 354 bis 407 km möglich, bevor eine praktische Reserve berücksichtigt wird. Das sind Rechenbeispiele und keine zusätzliche Messung aus dem Ausgangstest.
Die DC-Ladung von 10 auf 80 Prozent dauert unter günstigen Bedingungen an einer geeigneten Säule ungefähr 30 Minuten. Das 400-Volt-System reicht für Familienreisen, ist aber kein Vorteil gegenüber den 800-Volt-Lösungen einiger Konkurrenten. Zu Hause ist eine 11-kW-Wallbox die bequemste Lösung für das Laden über Nacht.
Deutscher Preis und Marktunterschiede
Kia Deutschland nennt für den EV5 einen Einstiegspreis von 45.990 €. Diese Angabe bezieht sich auf den deutschen Einstieg und darf nicht automatisch als Preis für den getesteten GT-Line 2WD verstanden werden. Der rumänische Ausgangstest bezifferte die dortige GT-Line 2WD mit 52.720 € inklusive Mehrwertsteuer, noch ohne Optionen.
Zum Vergleich listete Kia Italien den Air mit 44.750 € und den GT-Line mit 49.750 €. Kia Frankreich nannte 44.990 € für den Air und 49.990 € für den GT-Line. Die Beträge sind wegen Ausstattung, Steuern, Aktionen, Batterieversion und Überführungskosten nicht vollständig vergleichbar.
Wer den EV5 in Deutschland konfiguriert, sollte deshalb den tatsächlichen Ausstattungsumfang und eventuelle Händleraktionen prüfen. Der Einstiegspreis allein sagt wenig darüber aus, wie nah ein konkretes Fahrzeug an der getesteten GT-Line liegt.
Fazit
Der Kia EV5 GT-Line 2WD ist ein ausgewogenes elektrisches Familien-SUV. Der großzügige Fond, der 566-Liter-Kofferraum, die verständliche Bedienung und der vernünftige Verbrauch machen ihn alltagstauglich. Der 217-PS-Motor reicht für den normalen Verkehr, und die 81,4-kWh-Batterie ermöglicht auch längere Fahrten.
Die straffe Hinterachse auf schlechten Straßen, die hörbaren Geräusche bei hohem Tempo und die lediglich ausreichende Schnellladung verhindern jedoch eine klare Spitzenposition. Für Käufer, die Platz und Effizienz wichtiger finden als maximale Leistung oder die schnellste Ladetechnik, gehört der EV5 auf die Liste. Der deutsche Preis muss dabei zusammen mit der Ausstattung bewertet werden.



