BMW-Chef Milan Nedeljković sagt, dass einige chinesische Autos in Europa zu Preisen angeboten werden, die „wirtschaftlich keinen Sinn ergeben“. Die Aussage stammt aus einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie fällt in eine Phase, in der die Europäische Union bereits Ausgleichszölle auf bestimmte batterieelektrische Fahrzeuge aus chinesischer Produktion erhebt.

Nedeljković fordert nicht ausdrücklich weitere Zölle. Er bevorzugt politische Gespräche zwischen Europa und China und anschließend freiwillige Vereinbarungen über Preise und faire Wettbewerbsbedingungen. BMW bekennt sich zum freien Handel, warnt aber davor, dass Preise ohne nachvollziehbare wirtschaftliche Grundlage den politischen Ruf nach einem Schutz des europäischen Marktes verstärken könnten.

Das Interview beweist nicht, dass alle chinesischen Fahrzeuge subventioniert werden oder dass ein bestimmtes Modell unter seinen Kosten verkauft wird. Es ist die Einschätzung eines Industriechefs. Ob eine Wettbewerbsverzerrung rechtlich vorliegt, wird durch Untersuchungen und Verfahren der Europäischen Kommission festgestellt.

BMW will keine neue Zollspirale

Auf die Frage der FAZ nach möglichen Dumpingpreisen chinesischer Hersteller antwortete Nedeljković vorsichtig. Einige Angebote seien aus wirtschaftlicher Sicht nicht verständlich und könnten protektionistische Tendenzen fördern. Gleichzeitig betonte er, dass BMW weltweit tätig ist und selbst von internationalen Lieferketten und Handelsbeziehungen profitiert.

Sein Vorschlag ist ein politischer Dialog darüber, was ein marktbasierter Preis sein soll. Darauf könnten freiwillige Verpflichtungen der Hersteller folgen. Ein solches Modell müsste deutlich mehr als den Listenpreis prüfen. Subventionen, Finanzierung, Transport, Batteriekosten, Serienausstattung, Rabatte und die Verteilung der Kosten zwischen den Märkten würden ebenfalls eine Rolle spielen.

Ein konkreter Mindestpreis und ein Kontrollsystem existieren bisher nicht. Die Idee freiwilliger Vereinbarungen ist deshalb eine Position des BMW-Chefs und noch keine neue europäische Regel.

Welche EU-Zölle bereits gelten

Die Europäische Kommission hat 2024 ihre Antisubventionsuntersuchung zu batterieelektrischen Fahrzeugen aus China abgeschlossen. Die endgültigen Ausgleichszölle unterscheiden sich nach Hersteller: 17 Prozent für BYD, 18,8 Prozent für Geely, 35,3 Prozent für SAIC, 20,7 Prozent für andere kooperierende Unternehmen außerhalb der Stichprobe und 7,8 Prozent für Tesla Shanghai nach einer Einzelprüfung.

Die Sätze gelten für die betroffenen Einfuhren und kommen zum normalen Zoll hinzu. Sie sind kein pauschaler Aufschlag auf jedes chinesische Auto, gelten nicht automatisch für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und bedeuten nicht, dass jeder Importpreis als unfair bewertet wurde. Die Kommission begründete die Maßnahmen mit Subventionen, die europäischen Herstellern schaden könnten.

Im Januar 2026 veröffentlichte Brüssel Leitlinien für mögliche Preisverpflichtungen. Darin geht es unter anderem um einen Mindestimportpreis, Vertriebskanäle, Ausgleichsgeschäfte zwischen Produkten und künftige Investitionen in der EU. Jedes Angebot muss einzeln geprüft werden und mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar sein. Der Rahmen für Gespräche besteht damit bereits, eine allgemeine Vereinbarung gibt es aber nicht.

BMW ist selbst Teil der globalen Lieferkette

BMW ist ein europäischer Hersteller, produziert und verkauft aber weltweit. Einige elektrische Mini-Modelle für Europa werden in China gebaut. Neue Abgaben auf Fahrzeuge aus chinesischer Produktion könnten daher auch BMW-Produkte betreffen und nicht nur Fahrzeuge chinesischer Marken.

Gleichzeitig steht BMW in China unter stärkerem Wettbewerbsdruck. Nach den BMW-Group-Zahlen für 2025 lieferten BMW und Mini dort 625.527 Fahrzeuge aus, 12,5 Prozent weniger als im Vorjahr. In Europa meldete der Konzern 1.016.360 Auslieferungen, ein Plus von 7,3 Prozent. Diese Werte erklären den Rückgang in China nicht allein, zeigen aber den Unterschied zwischen einem stabileren europäischen Markt und einem chinesischen Markt, in dem lokale Marken bei Elektroautos und digitalen Funktionen an Bedeutung gewonnen haben.

China ist für BMW Absatzmarkt, Produktionsstandort und Lieferantennetzwerk zugleich. Ein Handelskonflikt könnte Verkäufe, Bauteilkosten, Investitionen und Exporte beeinflussen. Nedeljković erwähnte außerdem das Risiko, dass China als Reaktion die Lieferung von Batteriezellen einschränken könnte. Das ist ein von ihm genanntes Szenario und keine angekündigte Maßnahme der chinesischen Regierung.

Mögliche Folgen für Autokäufer

Eine freiwillige Preisvereinbarung könnte weitere Zollerhöhungen vermeiden. Sie könnte aber auch dazu führen, dass einzelne Modelle teurer werden, wenn ihre Hersteller die Kostenstruktur ändern müssen. Höhere Zölle können europäische Werke schützen, erhöhen aber möglicherweise den Preis für Kunden. Mehr europäische Komponenten könnten die regionale Produktion stärken, während Batteriezellen und Teile aus der EU ebenfalls höhere Kosten verursachen können.

Für Käufer in Deutschland und den anderen EU-Staaten ist deshalb nicht allein die Marke entscheidend. Wichtig sind Produktionsland, Fahrzeugkategorie, Importeur und Zolldokumente. Vor einer Bestellung sollten außerdem der offizielle Preis, die Serienausstattung, die Batteriegarantie, das Servicenetz und mögliche Preisänderungen geprüft werden.

Die Aussage des BMW-Chefs kündigt keinen neuen Zoll an und beweist nicht, dass chinesische Autos grundsätzlich unter Wert verkauft werden. Sie beschreibt BMWs Wunsch nach Wettbewerb zu Bedingungen, die für alle Hersteller vergleichbar sind. Vorerst gelten die bereits beschlossenen EU-Maßnahmen. Über weitere Vereinbarungen müssten Brüssel, Peking und die betroffenen Unternehmen verhandeln.

Bild: BMW Group PressClub. Offizielle BMW-iX5-60-xDrive-Aufnahme als Illustration; nicht das Motor1-Foto aus dem bereitgestellten Artikel.

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